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Milliarden-Maschine EZB : Wie kommt das Geld in die Welt?

  • -Aktualisiert am

Graffito am Bauzaun: Hier entsteht die neue Europäische Zentralbank. Bild: REUTERS

Geld schafft die EZB seit der Krise in Hülle und Fülle. Trotzdem haben wir jetzt nicht mehr auf dem Konto. Wo sind die Milliarden hin? Eine Reise auf den Spuren des Geldes.

          13 Min.

          Mittwoch Morgen, 8.20 Uhr. Michael Thomas sitzt vor drei Bildschirmen, in einem Gebäude der Bundesbank in der Frankfurter Innenstadt, Raum Nummer 2513, und erzeugt zig Milliarden Euro. In einem Computersystem namens Omtos ist es nur ein Knopfdruck, den der 23-Jährige machen muss. Einer seiner sieben Kollegen, die im gleichen holzgetäfelten Großraumbüro sitzen, bestätigt das Geschäft noch. Dann sind die Milliarden geschaffen, die Deutschlands Banken in dieser Woche von der Zentralbank angefordert haben. Als elektronisches Geld erscheinen sie auf den Konten, die Deutsche Bank, Commerzbank, Hamburger Sparkasse oder das Bankhaus Metzler bei der Zentralbank haben.

          Michael Thomas ist der Jüngste im Raum 2513, er ist seit einem halben Jahr dabei und erinnert noch sehr an den netten BWL-Studenten im zweiten Semester, der er sicher mal war - auch wenn er jetzt den pompösen Titel Bundesbankinspektor trägt. Für Michael Thomas ist es immer noch ein wenig surreal, was er da abwechselnd mit den Kollegen tut. Die Vorstellung, dass er derjenige ist, der die Milliarden in die Welt schickt. Immer noch fällt es ihm schwer, Menschen außerhalb der Bankenwelt zu erklären, was er genau tut.

          Geld benutzen wir alle, täglich, routiniert. Wir zahlen bar oder mit Karte, wir überweisen, holen Kontoauszüge. Doch wo diese Euros eigentlich herkommen, wie sie entstehen, wer sie schafft, ist nur wenigen klar. Es ist, wie Kurt Tucholsky schon 1931 schrieb: „Woher das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da beziehungsweise nicht da - meist nicht da.“

          Das ist kein Problem, solange mit diesem Geld alles einigermaßen gut läuft, das Vertrauen da ist, das Konto stimmt. Doch seit der Finanz- und der Euro-Krise ist nichts mehr, wie es war. Erst gab es die Angst, es sei zu wenig Geld da für alle - das war die Finanzkrise. Dann schwemmte die Europäische Zentralbank den Markt mit Geld. Die Banken bekommen es heute fast kostenlos. Und auf einmal gibt es die Angst, das Geld könnte zu viel werden.

          Immer mehr Menschen fragen sich: Was ist eigentlich dieses Geld? Und können wir ihm noch vertrauen? Deshalb haben wir uns auf die Reise begeben. An die Orte, an denen das Geld entsteht. In die Europäische Zentralbank, die Bundesbank und eine private Bank. Wir fragen: Wie kommt das Geld in die Welt? Wo sind die Milliarden der EZB gelandet? Und erleben drei Überraschungen.

          ***

          Eurotower, Frankfurter Innenstadt. Das Büro im 34. Stock der Europäischen Zentralbank, das Benoît Cœuré gehört, ist häufig verwaist. Meist ist er in Sitzungen, oder er ist irgendwo in Europa unterwegs. Im Direktorium der Europäischen Zentralbank ist er das Mitglied, das die meisten Aufgaben angesammelt hat. Zuletzt hat er die Bereiche des ausgeschiedenen Jörg Asmussen mit übernommen. Heute ist er da. Er wirkt erstaunlich ruhig, gar nicht gehetzt, ein Gespräch mit ihm ist das reine Anti-Stress-Programm.

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