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Milliarden-Maschine EZB : Wie kommt das Geld in die Welt?

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Und wieso führt das nicht dazu, dass wir alle im Geld schwimmen, dass wir alle mehr auf dem Konto haben? Das liegt daran, dass die Notenbanken das Geld eben nicht alleine schöpfen. Die Banken müssen mitspielen, schließlich sind sie die Mittler zwischen Zentralbankgeld und uns allen. Doch das tun sie nur begrenzt. Sie schöpfen derzeit nicht so viel Geld, wie es ihnen möglich wäre.

Deshalb ist die Geldmenge in Europa nur wenig gestiegen während all der Jahre, in denen die EZB die dicken Berthas erfand, die Zinsen fast auf null senkte und den Banken unbegrenzt Geld gab. Das Zentralbankgeld schoss in die Höhe, aber die Banken wurden knauserig.

Das muss man gar nicht schlecht finden. Zur Erinnerung: Wenn Banken Geld schöpfen, bedeutet das normalerweise, dass sie Kredite vergeben. Wenn Banken wenig Geld schöpfen, sind sie also vorsichtig mit der Vergabe von Krediten. Wenn es aber derzeit wenig lohnende Projekte gibt, etwa in den Krisenländern Südeuropas, dann ist es nur gut, wenn es dafür auch keinen Kredit gibt.

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Doch es gibt Menschen, die das alles nicht gut finden. Dass normale Banken Geld schaffen dürfen, halten sie für gefährlich und wollen es abschaffen. Denn Banken können sich irren, sie können aus Übermut zu viel Kredit schaffen - und damit eine Blase aufpusten. Oder sie sind zu ängstlich und bremsen dadurch die Wirtschaft. Dieser Meinung sind so unterschiedliche Leute wie die Occupy-Bewegung und der Ökonom Hans Christoph Binswanger, der Doktorvater des früheren Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann. In der Schweiz wollen sie sogar einen Volksentscheid dazu herbeiführen. Das Ziel: Banken sollen nur so viel Geld schaffen dürfen, wie sie Zentralbankgeld halten. Also so ähnlich wie ein Mindestreservesatz von 100 Prozent.

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Auch im 34. Stock des Eurotowers kennt man die Leute, die das sogenannte Vollgeld fordern. Benoît Cœuré sieht Vorteile des Konzepts: „Das würde das Risiko von Finanzkrisen möglicherweise verringern“, sagt er. Aber die Nachteile findet er gravierender. „Das würde bedeuten, dass entweder Kredit beschränkt wird oder dass die Zentralbank komplett diktiert, wie Kredite vergeben werden. Wir sind in einer Marktwirtschaft und nicht in einer zentral gesteuerten Wirtschaft, das passt also nicht.“ Cœuré glaubt nicht, dass die EZB das kann: allein einschätzen, ob nun gerade die Flugzeugbauer oder die Maschinenbauer Kredit brauchen und wie viel Kredit die Wirtschaft Europas eigentlich gerade benötigt. Er ist für die Arbeitsteilung mit den Banken. Und er findet, die EZB hat auch so genügend Macht: „Wir sind das Zentrum. Wir legen den Leitzins und damit den Preis für Zentralbankgeld fest.“

Doch diese Macht hat zuletzt nicht mehr so gewirkt, wie es die Notenbanker gerne hätten. Der Zins liegt nahe null, trotzdem vergeben die Banken nicht so viele Kredite in den Krisenländern, wie es die EZB möchte. Schon denken Cœuré und seine Kollegen ernsthaft über andere, wildere Instrumente nach. Zum Beispiel über den Kauf von Staatsanleihen - ein Mittel am Rande der Legalität.

Die Notenbanker kämpfen mit einem Grundproblem: Der Euroraum besteht aus vielen Ländern, manche mit Problemen, manche weitgehend ohne Probleme. Dafür eine gemeinsame Geldpolitik zu machen ist fast unmöglich. Es sorgt für ständige Verwerfungen. Derzeit etwa fließt das Geld der Banken eilig in die Länder, denen es gutgeht, vor allem im Norden. Da kann die Notenbank noch so viel in die Südländer schaffen.

So landet das Geld, das wir verfolgt haben, am Ende vor allem in Frankfurt: bei deutschen Banken. Sie sitzen auf einem Berg von Geld und wissen kaum, wohin damit. Wenn das lange so geht, ist das gefährlich.

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