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Milliarden-Maschine EZB : Wie kommt das Geld in die Welt?

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So beeinflusst das Zentralbankgeld indirekt also doch unser Geld da draußen. Denn es ermöglicht erst die Geschäftstätigkeit der Bank und damit auch deren Geldschöpfung. Der Mindestreservesatz sichert der Zentralbank außerdem eine gewisse Macht über das gesamte Geld der Volkswirtschaft: Setzt sie den Satz hoch, können private Banken weniger Geld schaffen. Setzt sie ihn etwa auf 100 Prozent, können die Banken gar kein eigenes Geld mehr schaffen - beziehungsweise nur so viel, wie sie gleichzeitig als Zentralbankgeld auf ihrem Konto bei Martina Göpel haben.

Heutzutage ist der Mindestreservesatz so niedrig, dass er als Begrenzung für das Geld in der Welt keine Rolle spielt. Er liegt bei einem Prozent. Die EZB hat ihn in der Krise sogar noch gesenkt. Heute steuert die Notenbank die Geldmenge vor allem über den Leitzins. Er ist der Zins, den die Banken für das Geld zahlen müssen, das sie sich von der Notenbank leihen. Er ist nichts anderes als der Preis für das Geld, das sie bekommen.

Derzeit ist der Preis sehr niedrig: 0,25 Prozent, weniger geht kaum. Und die Banken haben weit mehr Zentralbankgeld, als sie müssten. Resinek weiß: „Derzeit halten alle Banken im Euroraum zusammen rund 100 Milliarden Euro mehr an Zentralbankgeld, als sie eigentlich müssten.“

Das liegt daran, dass das Geld günstig ist, aber auch an der zweiten Funktion, die das Zentralbankgeld hat: Die Banken bezahlen sich damit untereinander. Das erklärt man am besten mit einem Beispiel. Etwa mit dem Fall, dass ein Kunde der Commerzbank einem Kunden der Hamburger Sparkasse 10.000 Euro überweist und dies die einzige Überweisung an diesem Tag ist.

Jetzt muss man wissen, dass die Hamburger Sparkasse nicht bereit ist, die 10.000 Euro einfach auf dem Konto ihres Kunden auszuweisen. Sie möchte dafür eine Gegenleistung von der Bank, von der das Geld überwiesen wird. Diese Gegenleistung ist in der Regel Zentralbankgeld. Schließlich ist das supersicher und superliquide. Die Commerzbank überweist also 10 000 Euro Zentralbankgeld an die Hamburger Sparkasse. Braucht dann die Commerzbank selbst wieder mehr Zentralbankgeld, zum Beispiel weil sie ihre Mindestreserve sonst nicht erfüllt, so hat sie es früher einfach schnell bei einer anderen Bank geliehen. So war das zumindest vor der Finanzkrise.

Dieser Interbankenmarkt ist während der Krise weitgehend zusammengebrochen. Vorher liehen sich Banken untereinander täglich bis zu 450 Milliarden Euro. 2007 hörte das auf. Irgendwann gaben die Banken einander nur noch Zentralbankgeld, wenn sie mussten. Sonst horteten sie es auf ihren Konten. Denn sie sorgten sich, im Notfall ohne Zentralbankgeld dazustehen, wenn sie etwa eine große Summe an eine andere Bank zahlen mussten. Woanders konnten sie es sich nicht mehr so leicht leihen.

Zum Teil ist es noch heute so. Deshalb das viele Geld auf den Konten.

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Wo sind die Milliarden der EZB also hin, die sie seit der Krise geschaffen hat? Weg sind sie nicht. Zum Teil wurden sie an die EZB zurückgezahlt. Heute haben die Banken weniger Geld auf ihren Konten bei Bundesbank, Banque de France oder Banca d’Italia als auf dem Höhepunkt der Geldschwemme im Sommer 2012. Doch ein großer Teil der Milliarden liegt immer noch dort.

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