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Milliarden-Maschine EZB : Wie kommt das Geld in die Welt?

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Normalerweise geht es langsamer zu. Montags wird das Geschäft bekanntgegeben, dienstags gibt die EZB das Geld frei, und erst Mittwochfrüh leitet Bundesbankinspektor Thomas das Geld letztlich an die Banken. Dass es nach dem Entscheid der EZB noch so lange dauert, liegt daran, dass in der Zwischenzeit noch geprüft wird, ob auch genügend Sicherheiten vorliegen. Denn Banken bekommen das Geld von der Zentralbank als Kredit. Sie müssen dafür Sicherheiten hinterlegen.

Das ist die zweite Überraschung für viele Menschen, die sich zum ersten Mal damit beschäftigen, was Geld überhaupt ist. Das Geld, das die Zentralbank ausgibt, ist nichts anderes als ein Kredit an die privaten Banken. Für ihn werden Sicherheiten hinterlegt, er muss zurückgezahlt werden. Er entsteht also nicht völlig aus dem Nichts, wie viele glauben.

Allerdings kann die Zentralbank selbst entscheiden, welche Sicherheiten sie akzeptiert. Rein theoretisch könnte sie also auch beschließen, Geld gegen die Ablieferung von drei Kilo Erdbeeren zu schaffen. Früher gab es für die nationalen Notenbanken noch Spielräume. So entschieden sie eine Zeitlang selbst, ob sie Staatsanleihen der europäischen Krisenländer als Sicherheiten für das Geld annahmen, das sie im Auftrag der EZB ausgaben. Die Bundesbank nahm die Papiere nicht an. Heute müssen alle nationalen Notenbanken Staatsanleihen von Griechenland und Portugal akzeptieren.

In Holthausens Arbeit ist seit der Finanzkrise wenig wie zuvor. Da ist die grenzenlose Geldvergabe. Vor der Krise haben die Banken Gebote abgegeben: Zu welchem Zins wollten sie wie viel Geld von der Zentralbank? Am Ende teilte die EZB eine begrenzte Summe zu. Nicht jeder bekam so viel, wie er wollte. Heute steht der Zins fest - er liegt bei niedrigen 0,25 Prozent. Und die Banken bekommen so viel Geld, wie sie wünschen - vorausgesetzt, sie bieten genügend Sicherheiten.

Das hat die Entscheidungen von Holthausens Abteilung leichter gemacht. Die Mitarbeiter müssen sich nicht mehr vorher überlegen, wie viel Geld sie insgesamt vergeben. Gleichzeitig ist es aber auch komplizierter geworden. Denn die Lage der Banken in Europa ist immer noch angespannt. Man weiß nie genau, wo es als Nächstes Probleme gibt. Auch die Banken wissen das und horten das Geld von der EZB. „Ich glaube, die Banken werden sich auf lange Sicht nicht so wenig Zentralbankgeld leihen wie vor der Krise“, sagt Holthausen.

Doch wofür brauchen Banken eigentlich Zentralbankgeld, wenn sie sich doch ihr eigenes schaffen können? Dafür muss man erst einmal verstehen, was Zentralbankgeld ist.

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Besprechungsraum in einem Bundesbankgebäude in der Frankfurter Innenstadt. Martina Göpel ist eine zurückhaltende, sachliche Frau, sie trägt die Haare kurz und strahlt exzessiv Verlässlichkeit aus. Martina Göpel erklärt Target 2. Keine Angst, es geht hier nicht um die komplizierten Salden, mit denen der Ökonomie-Professor Hans-Werner Sinn gerne veranschaulicht, wie teuer Griechenland für uns werden kann. Target 2 ist viel mehr. Vor allem anderen ist es das System, in dem Banken ihr Zentralbankgeld erhalten. Was Bundesbankinspektor Thomas freigibt, landet auf dem Target-2-Konto der entsprechenden Bank. Hat die Bank drei Milliarden Euro bestellt und die Sicherheiten reichen, so erscheinen da also drei Milliarden Euro.

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