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Milliarden-Maschine EZB : Wie kommt das Geld in die Welt?

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So stellt er sich, stark vereinfacht, das Bankgeschäft vor. Geld kommt herein, und die Bank verleiht es weiter. Es wird nur gebucht, nicht geschöpft. Aber er weiß auch: Das Geld, das er selbst täglich verschiebt, ist nur zu einem winzigen Teil mit Bargeld hinterlegt und zu einem ebenfalls sehr kleinen Teil mit Geld von der Zentralbank. Woher kommt dann das Geld, mit dem er umgeht? Die Zentralbank schafft schließlich nur Bargeld und Zentralbankgeld. „Ja, woher?“, fragt er verdutzt.

Unser Herr von der Privatbank ist ein kluger Kopf. Dass selbst er das mit der Geldschöpfung verwirrend findet, zeigt: Kaum einer versteht die Sache mit dem Geld in allen Details. Es gilt noch heute, was Max Weber schrieb: „Wie dieses Geld eigentlich zu seinen merkwürdigen Sonderqualitäten kommt, weiß der Geldgebraucher nicht - da sich ja selbst die Fachgelehrten darüber heftig streiten.“

Fachgelehrte hat unser Banker durchaus an seiner Seite. Sie sagen: Das Guthaben auf dem Girokonto ist kein Geld, es ist bloß der Anspruch darauf, Geld ausgezahlt zu bekommen. Wenn man so denkt, wenn man also nur Bargeld und Zentralbankgeld „Geld“ nennt, dann schöpfen Banken tatsächlich kein Geld.

Aber für die meisten Menschen ist es doch anders. Sie sehen auch die Euros, die sie auf dem Konto haben, als Geld an. So ist man sich heute zumindest unter Notenbankern weitgehend einig: Auch Banken machen Geld. Benoît Cœuré sagt: „Die Banken haben das außergewöhnliche Privileg, Geld zu schöpfen. Das unterscheidet sie von anderen Branchen. Und deshalb müssen sie so strikt überwacht werden.“

Aber wer bestimmt denn nun am Ende, wie unser Geld entsteht? Ist die Zentralbank gar nicht so mächtig? Um das zu erfahren, müssen wir der Spur des Geldes weiter folgen.

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Erster Stock des Eurotowers. Die Mitarbeiter von Cornelia Holthausen speisen die Entscheidung von Benoît Cœuré, die Milliarden der EZB freizugeben, in den Computer. Das geschieht in einem Raum, der dem Handelssaal einer großen Bank ähnelt: Jeder Mitarbeiter hat zwei bis drei Bildschirme, daneben stehen Fähnchen, oben im Fernseher laufen Nachrichten. Um viertel nach elf an jedem Dienstag geben Holthausens Kollegen dort per Computer öffentlich bekannt, wie viel Geld die EZB in dieser Woche schafft.

Holthausen ist nicht so oft in dem Handelsraum. Ihr Büro hat die 44-Jährige ein paar Meter weiter, von dort schaut sie direkt auf das Euro-Zeichen, das vor der EZB steht. Holthausen hat sich an die Milliarden gewöhnt, die ihre Abteilung bewegt. Ihre Kinder finden es immer noch spannend, wenn sie von dem Mann erzählt, dessen Unterschrift auf den Banknoten steht und der ihr oberster Chef ist: EZB-Präsident Mario Draghi. Für sie selbst wird es eher dann aufregend, wenn es einmal ganz schnell gehen muss. Das war zum Beispiel im August 2007 so, erzählt sie. Da schossen die Zinsen hoch, die Banken liehen einander kein Geld mehr. „Da mussten wir schnell handeln. Um die Mittagszeit haben wir das Geschäft bekanntgegeben, bis drei Uhr nachmittags war das Geld vergeben.“

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