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Kuriosum als Dauerzustand : Wem nützen Negativzinsen?

Denn der negative Zins betrifft unmittelbar nur die Kosten, zu denen Geschäftsbanken Geld bei ihrer Notenbank anlegen können. Der Negativzins sorgt für höhere Kosten der Geschäftsbanken, die diese, zumindest bisher, aber kaum an ihre Kunden weitergegeben haben. Manche Banken sorgen zwar mit Abwehrkonditionen dafür, dass Unternehmen und andere Finanzhäuser möglichst wenig Einlagen bei ihnen unterhalten, aber eine Weitergabe des Negativzinses der Notenbanken an Privatkunden hat es nur in Ausnahmefällen gegeben. Eine Rolle mag spielen, dass bei hohen Kosten für Bankeinlagen aus der Sicht von Privatleuten die Haltung von Bargeld zu einer Alternative wird. Aber auch eine exzessive zusätzliche Nachfrage nach Bargeld ist bisher nicht beobachtbar.

Mit negativen Leitzinsen als Bestandteil einer expansiven Geldpolitik wollen Notenbanken die Wirtschaft beleben und die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflationsrate heben. In der Praxis wirkt die expansive Geldpolitik am ehesten über den Wechselkurs, indem sie eine Abwertung der eigenen Währung befördert. Die EZB betreibt offiziell keine Wechselkurspolitik, aber die Abwertung des Euros seit knapp zwei Jahren passt ihr unausgesprochen ins Konzept.

Die Schweiz, Dänemark und Schweden betreiben offen Wechselkurspolitik, indem sie eine zu starke Aufwertung ihrer Währungen gegenüber dem Euro verhindern wollen. Sollte die EZB, wie weithin erwartet, auf ihrer Sitzung im März ihren negativen Leitzins noch einmal senken, könnten die Nachbarländer mit eigenen Währungen unter Druck geraten, ihre Zinsen ebenfalls weiter zu senken.

Spekulation und sicherer Hafen

Leitzinsen werden Geschäftsbanken von den Notenbanken aufgezwungen, aber die Renditen von Anleihen bilden sich am Markt als Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Warum aber kaufen Anleger Anleihen mit negativen Renditen, wenn sie dabei draufzahlen? Ein Grund ist die Spekulation auf Kursgewinne für den Fall, dass Renditen noch weiter sinken.

Das gilt vor allem für Großanleger, die Staatsanleihen mit sehr guter Bonität überdies als Sicherheit für andere Finanzgeschäfte verwenden oder an Investoren verleihen können, die solche Anleihen als Sicherheit benötigen. Des Weiteren können sehr sichere Anleihen als Parkposition in Frage kommen, wenn vorsichtige Anleger fürchten, mit anderen Kapitalanlagen noch mehr Geld zu verlieren. Gerade in sehr unsicheren politischen oder wirtschaftlichen Zeiten spielt dieser Aspekt eine bedeutende Rolle.

Rentabilitätserosion

Und schließlich gibt es viele Anleger, die durch Gesetz oder durch Anlagevorschriften ihrer Eigentümer mehr oder weniger gezwungen sind, Staatsanleihen guter Bonität unabhängig von der Rendite zu kaufen. Dies gilt beispielsweise für Stiftungen, Versorgungswerke, Versicherungen und nicht wenige Investmentfonds. Anleihen mit negativer Rendite werden keineswegs von Verrückten erworben.

Während die positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte negativer Zinsen schwer bestimmbar sind, zeichnen sich langfristige gesamtwirtschaftliche Kosten ab. So tragen Negativzinsen zur Erosion der Rentabilität von Banken und Sparkassen bei, die in Deutschland im internationalen Vergleich ohnehin gering ist. Daher hat in den vergangenen Monaten die Zahl kritischer Äußerungen zur EZB-Geldpolitik durch Vertreter deutscher Banken und Sparkassen erheblich zugenommen. Auch in Dänemark werden die Kosten der Geldpolitik für das Kreditgewerbe immer kritischer gesehen.

Risikolust könnte steigen

Dass bei einem Zinssatz um null Prozent das traditionelle Bankgeschäft seine Existenzberechtigung verliert, war Ökonomen schon vor hundert Jahren bekannt. Aber auch die Geschäftsmodelle vieler Vermögensverwalter, etwa von Lebensversicherern und Pensionskassen, geraten bei sehr niedrigen Zinsen auf die Dauer unter Druck. „Wenn in vielen Ländern Europas Altersvorsorgesysteme auf Dauer nicht mehr funktionieren, ist das ein gesellschaftliches Problem“, sagte dieser Tage Emmerich Müller, Partner im Frankfurter Bankhaus Metzler.

Schließlich können sehr niedrige Zinsen dazu verleiten, in der Kapitalanlage hohe Risiken einzugehen. Dies betrifft nicht nur Privatanleger. Studien zeigen, dass in einer solchen Situation auch Banken zu einem riskanteren Verhalten neigen, das, wenn es schiefgeht, nicht nur ihnen schaden mag, sondern auch dem Gemeinwesen.

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