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Kaufprogramm : EZB sorgt mit ihren Anleihekäufen für Engpässe

Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt Bild: dpa

Analysten schauen vor allem auf Bundesanleihen. Zweijährige sinken auf niedrigstes Renditeniveau aller Zeiten. Banken rechnen derweil mit einer geringen Profitabilität, weil die EZB-Käufe ihre Margen belasten.

          Bei einer Ausweitung ihres Kaufprogramms kann die Europäische Zentralbank (EZB) schnell an Grenzen stoßen. Insbesondere bei Bundesanleihen befürchten die Fachleute der Banken Engpässe. Am Freitag legten die Anleihemärkte eine Verschnaufpause ein. Die Kursgewinne und damit die sinkenden Renditen vom Vortag setzten sich nicht fort. Allerdings blieben die Marktzinsen auf einem niedrigen Niveau. So lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe zeitweise unter 0,5 Prozent. Die zweijährige Bundesanleihe fiel sogar auf minus 0,35 Prozent, ihr niedrigstes Renditeniveau aller Zeiten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der fünfjährigen Laufzeit lagen die Renditen von Deutschland, der Slowakei, der Niederlande, Österreich und Finnland im negativen Bereich. Bei zweijährigen Anleihen kamen aus dem Euroraum noch weitere fünf Länder hinzu, deren Marktzinsen negativ waren. Dazu zählten neben Frankreich und Belgien auch das einstige Krisenland Irland sowie Lettland und Slowenien. Die zweijährigen Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen sind zeitweise ebenfalls in den negativen Bereich gesunken und pendelten um die Marke von null Prozent. Durch die Rede von EZB-Präsident Mario Draghi hatte sich am Donnerstag das Universum europäischer Staatsanleihen mit negativer Rendite um 190 Milliarden Euro erhöht. Nach Zählung der Nachrichtenagentur Bloomberg wiesen vor Draghis Rede im Euroraum Staatsanleihen über 1,38 Billionen Euro eine negative Rendite auf, danach waren es 1,57 Billionen Euro.

          Inzwischen rätseln die Analysten in den Banken, wie die EZB ihr Kaufprogramm ausweiten kann. Dafür ist auch die von Draghi angekündigte Senkung des Einlagensatzes maßgeblich. Derzeit müssen die Banken zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Zentralbank parken. Die Analysten der britischen Großbank HSBC erwarten eine Senkung des Einlagensatzes von derzeit minus0,2 auf 0,3 Prozent. Sie halten sogar noch niedrigere Sätze für möglich und verweisen auf Dänemark und die Schweiz, wo der Einlagensatz für Banken schon minus 0,75 Prozent beträgt. Auch wenn in der Schweiz eine kleine Bank erstmals negative Zinsen für Privatkunden einführt, ist das bislang die Ausnahme. In Dänemark erhalten die Privatkunden noch einen positiven Zins für ihre Bankguthaben, jedoch sind die Zinsen für Unternehmen, Banken, Versicherer und Pensionsfonds schon negativ.

          Will die EZB noch mehr?

          Die HSBC-Analysten warnen vor den Folgen für die Ertragslage der Banken. Denn wenn sie die Strafzinsen nicht in Form höherer Gebühren weiterreichen können, dann dürften sie auch nicht ihre Kreditzinsen senken. Dann drohe mehr Schaden, warnen die Analysten. In der jüngsten EZB-Umfrage zum Kreditgeschäft rechnen die Banken mit einer geringeren Profitabilität, weil die EZB-Käufe ihre Margen belasten.

          Dass Draghi auf die Flexibilität des Kaufprogramms hingewiesen hat, verdeutlicht nach Ansicht von Andreas Busch, Chefanalyst des auf Anleihen spezialisierten Vermögensverwalters Bantleon, wie nahe die EZB schon vor der „Lancierung weiterer Stimuli“ stehe. Er rechnet mit einer Ausweitung der monatlichen Käufe von 60 auf 90 Milliarden Euro, so dass das Gesamtvolumen um 500 bis 600 Milliarden Euro steigen könnte. Bislang waren es 1,1 Billionen Euro, die bis September 2016 erworben werden sollen. Sollte die EZB ihre monatlichen Käufe von 60 auf 80 Milliarden Euro erhöhen, würde sie nach Berechnung der Analysten der DZ Bank für 15,3 statt 11,5 Milliarden Euro Bundesanleihen im Monat kaufen. Dann hätte sie im August 2016 ihr maximales Volumen ausgeschöpft.

          Die Analysten halten einen Engpass bei Bundesanleihen für wahrscheinlich, wenn die Ankaufkriterien unverändert bleiben. Derzeit kauft die EZB noch Anleihen mit einer Laufzeit zwischen zwei und 30 Jahren. Deren Rendite muss über dem Einlagensatz von minus 0,2 Prozent liegen. Die EZB darf seit September ein Drittel des Volumens einer Emission kaufen. Schon das war eine Lockerung, weil sie mit dem bis dahin geltenden Limit von 25 Prozent früher an ihre Grenzen gestoßen wäre.

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