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Geldpolitik in Amerika : Was eine Zinserhöhung der Fed bewirken könnte

  • Aktualisiert am

Anleger warten heute gespannt auf die Entscheidung der amerikanischen Notenbank zu den Leitzinsen. Bild: dpa

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve wird heute Abend wahrscheinlich den Leitzins anheben. Ein kleiner Schritt für die Zentralbanker mit großer Wirkung weltweit.

          Wer Donald Trump im Wahlkampf zuhörte, mag den Eindruck bekommen haben, der wirtschaftliche Zustand der Vereinigten Staaten sei desaströs. Das Gegenteil ist der Fall. Die größte Volkswirtschaft der Welt läuft weitgehend rund, die Arbeitslosigkeit ist mit einer Quote von 4,6 Prozent im Griff, die Inflation zieht wieder an. Die Notenbank Federal Reserve wird am Mittwoch nach Lage der Dinge deshalb den Leitzins leicht erhöhen - doch wie geht es weiter im Land von Donald Trump? Die wichtigsten Fragen zur amerikanischen Notenbankpolitik:

          Warum ist eine Zinserhöhung überhaupt notwendig oder sinnvoll?

          Wenn die Finanzmärkte mit billigem Geld überschwemmt werden, kann es zur Bildung gefährlicher Blasen kommen - etwa auf dem Immobilienmarkt. Platzen diesen Blasen, hat das zumeist katastrophale Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Das will die Notenbank verhindern. Sie muss aber auch versuchen, den richtigen Moment zu erwischen. Zieht die Inflation zu stark an, bevor die Zinsschraube weiter festgedreht wird, kann es zu spät sein. Ein zu frühes Eingreifen kann aber auch die sich erholende Wirtschaft abwürgen.

          Hat die Zentralbank soviel Macht, dass eine kleine Stellschraube eine riesige Volkswirtschaft wie die Amerikas beeinflusst?

          Darüber streiten sich die Experten. Jerry Jordan, früher Chef der Zentralbank des amerikanischen Bundesstaates Ohio in Cleveland, bestreitet das. Die Erhöhung des Leitzinses werde keine Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. „Sie stellt lediglich einen Transfer von Steuergeldern hin zu Banken und Großinvestoren dar“, sagt Jordan. Tatsächlich bedeutet die Zinserhöhung, dass der Staat mehr Zinsen auf das Geld zahlen muss, das Anleger wie Banken oder Fonds bei ihm gelagert haben.

          Welche Auswirkungen sind konkret zu erwarten, sollte die Federal Reserve die Zinsen anheben?

          Der ohnehin schon starke Dollar könnte noch stärker werden - etwa im Vergleich zum Euro oder zum japanischen Yen. Das verteuert das Einkaufen in den Vereinigten Staaten. Das gilt sowohl für private Weihnachtstouristen in New York oder Urlauber in Florida als auch für Firmen, die Produkte amerikanischer Firmen ordern - von den Flugzeugen des Herstellers Boeing bis zum Whiskey aus Kentucky. Andererseits erlaubt es den Firmen in den Vereinigten Staaten, im Ausland billiger einzukaufen, sofern die Geschäfte nicht in Dollar abgewickelt werden. Das gilt auch für Einkäufe bei deutschen Zulieferern.

          Was bedeutet es für das Ausland?

          Vor allem Entwicklungsländer, in denen Staatshaushalte und Privatunternehmen hohe Schuldenberge in amerikanischem Dollar halten, könnten Probleme bekommen. Diese Schulden werden - umgerechnet in die jeweilige Landeswährung - durch einen stärker werdenden Dollar plötzlich noch größer. Allerdings hatten diese Länder auch sehr viel Zeit, sich auf die Situation vorzubereiten. Die jüngste Zinserhöhung in Amerika liegt bereits ein Jahr zurück.

          Wird Europa nachziehen?

          Europa und die Europäische Zentralbank sind noch nicht soweit. Anders als in den Vereinigten Staaten sind die Voraussetzungen - nämlich ein stabiler Arbeitsmarkt und eine anziehende Inflation - noch nicht überall in der Eurozone gegeben. Die EZB hat erst vorige Woche den Geldhahn noch einmal kräftig aufgedreht und weitere milliardenschwere Anleihekäufe angekündigt. Das bedeutet, dass die ultraniedrigen Zinsen in der Eurozone noch eine Zeit lang anhalten werden. Allerdings gab es auch aus Frankfurt erste Signale, dass ein Richtungswechsel irgendwann fällig sein wird.

          Wird die amerikanische Notenbank die Zinsen bald noch weiter erhöhen?

          Das steht in den Sternen. Und es ist auch ein Politikum. Donald Trump hat in die neue Regierung Amerikas eine Reihe von Großinvestoren und Investmentbankern berufen - sie dürften sich für weitere Zinserhöhungen stark machen. Die derzeitige Führung der Notenbank um Chefin Janet Yellen ist von den Demokraten Barack Obamas berufen. Die Fed ist schon wegen dieser delikaten Gemengelage derzeit äußerst vorsichtig. Experten gehen von möglicherweise zwei Zinserhöhungen im Jahr 2017 in Amerika aus.

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