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Staatsanleihen : Warum die amerikanischen Renditen weiter fallen werden

  • -Aktualisiert am

Im Blick der Finanzmärkte: Die amerikanische Notenbank Federal Reserve Bild: AFP

Am Trend bei den Staatsanleihen wird auch eine Zinserhöhung der Notenbank wenig ändern.

          Die amerikanische Notenbank Fed nervt. Nicht unbedingt einen technischen Analysten, aber gewiss den einen oder anderen fundamental ausgerichteten Kollegen. Tut sie’s nun oder tut sie es nicht? Steigen die amerikanischen Zinsen in der überschaubaren Zukunft - oder nicht? Fed-Präsidentin Janet Yellen kann sicher sein, dass jedes ihrer Worte in der ganzen Welt sorgsam gewogen, jedes Absetzen und jede Pause in ihren Reden notiert und ihre Mimik studiert wird. Selbst Zeit und Ort ihrer Ausführungen und die ihrer Adlaten, im Zweifel die Farbe ihres Outfits sind schon mal Gegenstand von Interpretationen. Nicht weniger als das Wohl und Wehe der Welt scheint für viele an ihren Lippen zu hängen.

          Dabei verlieren viele Beobachter drei wichtige Wahrheiten aus den Augen. Erstens: Auch bei der Fed kocht man nur mit Wasser. Volkswirtschaftliche Rahmendaten sind nun einmal so, wie sie sind, und spätestens seit es das Internet gibt auch weitestgehend rechtzeitig öffentlich zugänglich. Einzig die Frage der Interpretation dieser Daten ist manchmal eine offene . Aber Yellen hat genau dieses Fach gelehrt. Es ist unwahrscheinlich, dass sie von ihren Glaubensgrundsätzen abweicht.

          Zweitens vollziehen die Notenbanken seit geraumer Zeit im Regelfall nur das nach, was sich schon längst in den gehandelten Anleiherenditen manifestiert hat. So richtig spannend ist das, was verkündet wird, dann nicht mehr. Drittens gilt auch an den Zinsmärkten das eherne technische Gesetz des Trends: Nichts ist unwahrscheinlicher als seine unmittelbare Umkehr, und nichts ist über kurz oder lang wahrscheinlicher als seine Fortsetzung.

          Schaut man mit diesen Hintergedanken auf den abgebildeten Chart, dann scheint die anstehende Zukunft keine großen Geheimnisse zu bergen. Die 30-jährigen Renditen sind seit fast drei Jahrzehnten abwärts gerichtet, die Abwärtstrends sind auf allen Zeitebenen intakt, und die immer noch tieferen Tiefs folgen immer schneller aufeinander. Der jüngste „Höhepunkt“ dieser Entwicklung ist die Unterschreitung der bisherigen Zyklustiefs bei 2,25 Prozent.

          Mit einer Zinserhöhung in den nächsten Monaten ist kaum zu rechnen

          Mehr Abwärtstrend geht nicht. Mehr Bestätigung ist kaum vorstellbar. Alles andere als seine Fortsetzung in der nächsten Zeit käme angesichts dieser Entwicklung schon sehr überraschend. Damit darf man nicht ernsthaft rechnen. Die Wahrscheinlichkeit von Renditen noch spürbar unter 2,0 Prozent liegt in meinen Augen wenigstens bei zwei Dritteln. Mit einer Zinserhöhung in den nächsten Monaten ist deshalb auch kaum zu rechnen. Oder anders: Selbst wenn die Zinsen erhöht werden, wird sich wohl am Abwärtstrend der Renditen zunächst nicht viel ändern.

          Man könnte einwerfen, dass es kaum möglich sei, gerade die Entscheidungen einer Notenbank zu antizipieren. Deshalb wird die Prognose, dass die Zinsen weiter fallen werden, bis zu dem Tag gelten können, bis sich Yellen etwas anderes einfallen lässt. Dem kann ich sogar zustimmen. Entscheidend ist aber, dass sie dies nicht von heute auf morgen machen, sondern es früh genug, in gewohnt sehr vorsichtiger Manier ankündigen würde, die Märkte dies aufnehmen und die Charts neue, andere Signale entwickeln würden.

          Damit zum Dax, bei dem nach der Entscheidung der Briten krachende Irritationen und extreme Volatilität allemal möglich sein sollten. So ist es gekommen. Darüber hinaus war ich aber auch der Meinung, dass die Briten die Welt nicht aus den Angeln heben werden. Gerade was Wall Street, aber auch den britischen Aktienindex FTSE 100 betrifft, kann ich diese Aussage nur bekräftigen. Bei den europäischen Märkten treibt mich aber langsam doch die eine oder andere Sorge um.

          Wenn ein Kurseinschlag wie der vom 24. Juni, dem Tag nach dem Referendum, die Bären nicht an ihre Grenzen stoßen lässt und Erholungen so sang- und klanglos in sich zusammenbrechen, wie in den letzten Tagen geschehen, dann könnte der Moment, an dem Matthäi am Letzten ist, ein Stück näher gerückt sein.

          Jeder Schlusskurs unter 9200 Punkten gefährdet den langfristigen Aufwärtstrend, und jeder Schlusskurs unter etwa 9100 Punkten bricht ihn final. Sollte dies geschehen, dann würden wir mit zusätzlichen Verlusten von 10 Prozent noch glimpflich davonkommen. Solange das nicht geschieht, sind die Perspektiven nicht so schlecht. Für die nächsten sechs Monate darf per Saldo mit Gewinnen von 10 bis 15 Prozent gerechnet werden. Aber - und das lässt die unmittelbare Nähe zu den kritischen Zonen vermuten: Es bleibt ein Ritt auf der Rasierklinge. Selten waren Stopps, die einfachste aller Vermögensversicherungen, wichtiger als jetzt.

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