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Allianz kauft Tank & Rast : Was finden Anleger an Autobahnraststätten so sexy?

Da geht`s lang: Ein Schild weist auf eine Autobahnraststätte hin. Bild: vario images

Für etliche Milliarden kauft der Versicherungskonzern Allianz den Raststättenbetreiber Tank & Rast. Das ist gar nicht so verrückt, wie es sich anhört.

          Menschen, die sich in ihrem Leben noch nie mit den konzeptionellen Feinheiten einer Autobahnraststätte beschäftigt haben (mit anderen Worten: fast alle Menschen), konnten in der vergangenen Woche einen verheerenden Eindruck gewinnen: Da gab der Versicherungskonzern Allianz nämlich bekannt, dass man soeben eine ganz besondere Firma gekauft habe – Tank & Rast, in ganz Deutschland Betreiber von rund 390 Autobahnraststätten samt dazugehörigen Tankstellen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht wenige Autofahrer dürfte da das kalte Grausen packen: Hin und wieder kehrt schließlich fast jeder einmal notgedrungen in einer solchen Einrichtung ein und macht dann nicht selten die Erfahrung, dass die Currywurst lasch schmeckt und die Toiletten schmutzig sind. Was, bitte, will die Allianz damit anfangen? Dem Vorstand, so scheint es, ist die Hitze der vergangenen Woche wohl nicht wirklich gut bekommen. Zumal der Kaufpreis absonderlich hoch erscheint. Es handelt sich um sage und schreibe 3,5 Milliarden Euro.

          Einiges spricht dafür, dass Kauf kluge Entscheidung war

          Doch so verrückt sich das Ganze auch anhört: Viel spricht dafür, dass sich der Allianz-Vorstand die Sache gut überlegt hat und dass der Kauf eine ziemlich kluge Entscheidung war. Denn solche Investments in Infrastruktur (zu der im weitesten Sinne nicht nur Flughäfen und Gasnetze, sondern eben auch Raststätten gehören) sind derzeit am Kapitalmarkt heiß begehrt. Sie bringen nämlich ein, wonach sich viele Investoren in Zeiten niedriger Zinsen sehnen: auskömmliche Erträge bei vertretbarem Risiko. So gesehen, können auch Privatanleger aus diesem Deal eine Menge lernen.

          Ein erstes Anzeichen dafür, dass der Kauf keine völlig verrückte Idee sein kann, sind die Namen der beteiligten Firmen. Denn die Allianz kauft Tank & Rast nicht allein, sondern im Verbund mit namhaften Partnern: Die Meag, eine Tochtergesellschaft der Munich Re, ist dabei, ebenso der kanadische Pensionsfonds Borealis und der Staatsfonds aus Abu Dhabi. Gerade Letzterer ist nicht dafür bekannt, unnötig Geld auszugeben.

          Trotzdem werden auch in renommierten Firmen bisweilen gewaltige Fehlentscheidungen getroffen – warum sollte dies beim Kauf der Autobahnraststätten nicht auch möglich sein? Die jüngere Geschichte von Tank & Rast macht da nur wenig Mut. Seit 2004 nämlich befanden sich die Raststätten im Besitz des britischen Finanzinvestors Terra Firma. Jahrelang gelang es nicht, das Unternehmen weiterzuverkaufen: Elf Jahre war Terra Firma an den Raststätten beteiligt, für solche Investoren ist das eine Ewigkeit. Ihr Ziel lautet eigentlich: Nach spätestens fünf bis sieben Jahren muss man die Beteiligung wieder los sein – und zwar mit ordentlichem Gewinn. Dass dies bei Tank & Rast jahrelang nicht gelang, hat auch mit der enormen Schuldenlast des Unternehmens zu tun. Auf ihm lasten Verbindlichkeiten von 2,1 Milliarden Euro. Kein Wunder, dass manch erfahrene Manager aus der „Private Equity“-

          Anleihen und Raststätten haben Gemeinsamkeiten

          Szene nun lästern: „Der Kaufpreis ist deutlich zu hoch. Damit tut sich die Allianz keinen Gefallen.“ Dies sieht der Konzern naturgemäß anders. Und zwar aus gutem Grund. Denn anders als die schnelllebige „Private Equity“-Szene, in der sich das eingesetzte Geld so rasch wie möglich vervielfachen soll, haben Versicherungsunternehmen wie die Allianz ein anderes Interesse: Ihnen geht es um Stabilität – also um stetige, über Jahrzehnte gesicherte Einnahmen. „Lange Zeit ließen sich solche Erträge mühelos mit Staatsanleihen erzielen“, sagt Stefan Bund, Chefanalyst der Ratingagentur Scope. „Doch gerade in Zeiten niedriger Zinsen suchen Großanleger händeringend nach Alternativen.“ Wie sie da ausgerechnet auf Autobahnraststätten kommen, erschließt sich trotzdem nicht sofort. Anleihen und Rasthöfe haben auf den ersten Blick schließlich gar nichts miteinander zu tun.

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