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Wandelanleihen : Zeit der Zwitter

Das Beste aus beiden Welten: „Wandler“ kombinieren Elemente von Anleihen und Aktien Bild: (c) Roy Scott/Ikon Images/Corbis

Vielen Anlegern sind Anleihen zu unattraktiv und Aktien zu riskant. Eine Kombination von beidem kann vor Kursschwankungen schützen: Wandelanleihen sind in Deutschland noch relativ unbekannt.

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          Liebhaber bezeichnen sie nahezu zärtlich als „Wandler“, während viele Privatanleger nicht einmal von ihrer Existenz wissen dürften. Wandelanleihen sind eine von einigen Großanlegern als Depotergänzung gerne nachgefragte Wertpapiergattung, die Elemente von Anleihen und Aktien miteinander vereint und somit eine Art Zwitter unter den Kapitalanlagen darstellt. Wandelanleihen sind zunächst einmal Unternehmensanleihen mit einem Zinskupon und einer – von wenigen Ausnahmen abgesehen – endlichen Laufzeit.

          Die Kupons sind meist nicht sehr hoch, wie ein aktuelles Beispiel zeigt. So hat das deutsche ImmobilienunternehmenLEG ein siebenjähriges Papier über 300 Millionen Euro mit einem Kupon von 0,5 Prozent begeben. Aber dafür bieten Wandelanleihen einen zusätzlichen Reiz. Sie lassen sich zu einem vorab festgelegten Preis in Aktien des Unternehmens umtauschen.

          In Deutschland immer ein Nischenmarkt geblieben

          Somit entspricht ein „Wandler“ einer Anleihe, die mit einer Kaufoption auf Aktien versehen ist. Im Idealfall profitiert der Anleger von einer guten Entwicklung des Aktienmarktes, aber er ist durch den Einfluss der Anleihe auf die Bewertung eines „Wandlers“ ein Stück weit gegen die gelegentlich heftigen Kursschwankungen von Aktien geschützt. In einer aktuellen Studie arbeiten die Analysten der Allianz diese Vorzüge von Wandelanleihen heraus.

          Sie verschweigen allerdings auch nicht ein Szenario, in dem Wandelanleihen nicht sehr gut laufen dürften. Dieses von der Allianz derzeit aber nicht als sehr realistisch eingeschätzte Szenario stellte sich bei einer spürbaren Zunahme der Inflationsrate ein, als deren Folge die Anleihenrenditen steigen und die Aktienmärkte vermutlich eher schwach rentieren dürften.

          Wandelanleihen sind in Deutschland allerdings immer ein Nischenmarkt geblieben, während sie unter großen Anlegern in den Vereinigten Staaten, in Japan und in Frankreich eine größere Beliebtheit genießen. Da viele Wandelanleihen individuelle Gestaltungsmerkmale besitzen, eignen sie sich kaum für Privatanleger.

          Die Nachfrage ist nicht das Problem

          Für diese gibt es eine stattliche Zahl spezialisierter Wandelanleihenfonds, bei deren Kauf allerdings nicht nur auf den Erfolg des Fondsmanagements zu achten ist, sondern auch auf die gelegentlich recht stattlichen Gebühren. Wandelanleihenfonds werden sowohl von großen Fondsgesellschaften mit breiter Produktpalette wie von spezialisierten Häusern angeboten. Ein Blick auf die in den vergangenen Jahren erzielten Ergebnisse weist dabei große Unterschiede aus.

          Auf dem Markt für Wandelanleihen ist derzeit nicht die Nachfrage das Problem, sondern ein potentieller Engpass beim Angebot. Viele Unternehmen können zu sehr niedrigen Renditen normale Anleihen auflegen, so dass sie keine Notwendigkeit sehen, ihre Anleihen zusätzlich einem Wandlungsrecht in Aktien zu versehen. Andererseits bleibt der Markt für Wandelanleihen für Unternehmen ohne ein Rating oft die erste Möglichkeit, eine Anleihe zu plazieren.

          Genussscheine sind aus der Mode gekommen

          Eine anderer Zwitter ist der in den vergangenen Jahren auf größere Beliebtheit gestoßene Mischfonds, der Anlagen in Aktien und in Anleihen miteinander verbindet. Da solche Fonds unter anderem von Stiftungen nachgefragt werden, die mit einem geringen Teil ihrer Mittel in den Aktienmarkt gehen wollen, hat sich mit den sogenannten Stiftungsfonds ein spezielles Marktsegment unter den Mischfonds etabliert, das aber zumeist auch Privatanlegern frei steht.

          Nach Aufstellungen des Bundesverbands der Investmentgesellschaften haben von Januar bis April 2014 die Mischfonds Zuflüsse über 7,1 Milliarden Euro erhalten, während trotz der guten Lage aus der Börse aus Aktienfonds 2,9 Milliarden Euro abflossen. Diese Zahlen belegen das Sicherheitsbedürfnis vieler Anleger, die angesichts niedriger Renditen alleine mit Anleihen nicht glücklich sind, vor einer konsequenten Anlage in den Aktienmarkt allerdings zurück schrecken.

          Eine andere Mischform aus Aktie und Anleihe ist dagegen aus der Mode gekommen: Genussscheine spielen heute kaum noch eine Rolle auf den Kapitalmärkten.

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