https://www.faz.net/-gv6-qhju

Wandelanleihen : Das Beste von Aktien und Anleihen

Bild: F.A.Z.

Wandelanleihe heißt ein Wertpapier, das die Sicherheit von Anleihen mit den Chancen von Aktien kombiniert. Diese Anlageklasse gilt derzeit als günstig.

          2 Min.

          Jeder hätte gerne eine Geldanlage, deren Kurs sicher ist und die trotzdem mit dem Aktienmarkt gewinnen kann. So etwas gibt es tatsächlich: Wandelanleihen heißen diese Wertpapiere. Sie funktionieren erst mal wie normale Anleihen: Der Besitzer bekommt jedes Jahr einen Zins und später sein Geld zurück.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber: Wenn der Aktienkurs des Unternehmens steigt, dann bekommt der Besitzer kein Geld zurück, sondern Aktien. Man sagt: Die Anleihe wird „gewandelt“. Die Aktien sind dann mehr wert, der Besitzer profitiert also vollständig von der Kurssteigerung.

          Eurokrise drückte Bewertungen

          Natürlich sind auch diese Vorteile nicht kostenlos. Wandelanleihen sind relativ niedrig verzinst. Eine Wandelanleihe von Tui beispielsweise bringt 5,5 Prozent Rendite, solange sie nicht gewandelt wird - eine herkömmliche Anleihe bringt fast 7 Prozent. Dafür allerdings kann sich der Besitzer das Geld in Tui-Aktien zurückzahlen lassen. Dann erhält er 2014 den Kursgewinn ab 5,63 Euro. Im Moment beträgt der Kurs 8,15 Euro.

          Bilderstrecke
          Wandelanleihen : Das Beste von Aktien und Anleihen

          Derzeit sind Wandelanleihen relativ günstig und renditestark. Denn in der Euro-Krise hatten es die Anleger mit der Angst bekommen. Wenn ein Unternehmen pleitegeht, sind auch seine Wandelanleihen wertlos. Die Flucht hatte zwar nicht das große Ausmaß aus der Finanzkrise im Jahr 2008, reicht aber, um Wandelanleihen wieder attraktiver zu machen.

          „Jetzt sieht man, dass die Nachfrage langsam zurückkehrt“, sagt Wandelanleihen-Manager Bruno Achermann von der Fondsgesellschaft Man. Sein Kollege Marc-Alexander Kniess von der Fondsgesellschaft DWS stimmt zu: „Im Augenblick sind Wandelanleihen günstig bis fair bewertet.“

          Für Privatanleger nicht einfach zu kaufen

          Steigende Aktienkurse wären noch attraktiver, aber darauf können sich Anleger auch im beginnenden Aufschwung nicht verlassen. Zwar geht es den Firmen wieder gut. Doch die Börse scheint mit dieser Erholung bereits gerechnet zu haben - die Kursgewinne waren klein, auch wenn der Deutsche Aktienindex vergangene Woche zwischenzeitlich ein neues Jahreshoch erreicht hat. Dazu kommen Risiken aus China, das bisher den deutschen Aufschwung treibt.

          Für Privatanleger sind Wandelanleihen kaum direkt zu bekommen, meist werden als Mindestanlage 50.000 Euro oder mehr verlangt. Allenfalls „Aktienanleihen“ bieten die Banken ihren Kunden an, doch die sollten Anleger nicht verwechseln: Mit Wandelanleihen bekommen sie Aktien, wenn deren Kurse hoch sind - mit Aktienanleihen bekommen sie Aktien, wenn deren Kurse niedrig sind. Dort ist das Verlustrisiko viel höher.

          Privatanlegern bleibt die Anlage in speziellen Wandelanleihen-Fonds. Die Tabelle zeigt Fonds, die von Testern der Firma Morningstar gut bewertet worden sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schnelle Produktion: Ein Brückenträger für Genua, geschweißt in der Werft, montiert auf der Baustelle

          Brücken vom Dock : Wie Italiens Werften Brücken bauen

          Deutschland hat stillgelegte Werften und kaputte Brücken. Was man daraus machen kann, zeigt Italien in vorbildlicher Manier. Der Schiffsbaukonzern Fincantieri denkt die Stahlverarbeitung breiter.