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Wall Street nervös : Massenabstufung durch Moody’s befürchtet

  • -Aktualisiert am

Ratingagentur Moody’s: Wegen Herabstufung in der Kritik der Banken Bild: dpa

Neue Bonitätsnoten könnten die Machtbalance zwischen den Investmentbanken ändern. Goldman Sachs und Deutsche Bank wären Gewinner, Morgan Stanley gehörte zu den Verlierern.

          An der Wall Street wächst die Nervosität wegen der sich abzeichnenden Herabstufung von Banken durch die Ratingagentur Moody’s. „Wir sind mit einigen Dingen, die Moody’s in ihren Berichten aufgeführt hat, ganz und gar nicht einverstanden“, sagte David Viniar, der Finanzchef der Wall-Street-Bank Goldman Sachs bei einer Telefonkonferenz mit Analysten auf eine Frage nach der möglichen Herabstufung. „Obwohl wir alles analysieren, kapieren wir nicht, wie sie zu ihren Ergebnissen kommen“, kritisierte Viniar Moody’s in ungewöhnlich scharfer Form. Keine der angedrohten Maßnahmen sei gerechtfertigt. Das gelte auch für viele Konkurrenten von Goldman Sachs.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Niedrigere Bonitätsnoten für die Bankenbranche könnten die Machtverhältnisse an der Wall Street neu ordnen. Moody’s hatte Mitte Februar angekündigt, die Kreditwürdigkeit von weltweit mehr als 100 Kreditinstituten, darunter internationale Großbanken wie die Deutsche Bank, zu überprüfen. Die meisten Sorgen macht sich Moody’s um das Kapitalmarktgeschäft der Banken, das zu „komplexen Bilanzen“ und einem hohem Verschuldungsgrad geführt habe. Zudem seien die Bilanzen mit „undurchsichtigen Risiken“ belastet, die sich rapide verändern könnten.

          Mit einer Entscheidung wird bis Juni gerechnet

          Für die Banken würde eine Herabstufung der Bonität deutlich höhere Kosten verursachen, weil sich ihre Refinanzierung am Kapitalmarkt dadurch verteuert. Zudem müssten sie im Handel mit Derivaten, von traditionellen Wertpapieren abgeleiteten Finanzprodukten, höhere Sicherheiten vorhalten. Nach Medienberichten wehrt sich besonders die Wall-Street-Bank Morgan Stanley gegen Moody’s, da die Ratingagentur eine Senkung der Bonität um gleich drei Stufen erwägt.

          Morgan Stanley kalkuliert, dass dadurch möglicherweise zusätzliche Kosten von 6,5 Milliarden Dollar in Form von höheren Sicherheiten oder Zahlungen für die Auflösung von Handelskontrakten anfallen könnten. Die Finanzchefin von Morgan Stanley, Ruth Porat, bezeichnete die Auswirkungen einer Abstufung dennoch als „überschaubar“. „Wir haben eine Menge getan, um die Konsequenzen einer möglichen Ratingveränderung zu begrenzen“, sagte sie. Morgan Stanley habe das Geschäft mit bestimmten Derivaten zurückgefahren. Zudem könnten Geschäfte über eine höher bewertete Tochtergesellschaft abgewickelt werden. Moody’s sei auch nicht die einzige Ratingagentur, auf die sich Kunden von Morgan Stanley verließen. „Eine Menge Kunden bewerten die Kreditwürdigkeit selbst“, sagte Porat.

          Morgan Stanley und die Schweizer UBS sind die einzigen Banken, denen eine Abstufung um drei Schritte droht. Für Goldman Sachs hatte Moody’s nur eine Reduzierung um eine oder zwei Stufen avisiert. Mit einer Entscheidung wird bis Juni gerechnet.

          „Wir konnten den fundamentalen Argumenten nicht mehr folgen“

          Sollte Moody’s die avisierten Herabstufungen maximal ausreizen, kämen nach Angaben des Informationsdienstes Bloomberg die Deutsche Bank, die Schweizer Credit Suisse und die größte amerikanische Bank JP Morgan Chase auf die beste Bonität (A2) unter den neun größten Investmentbanken. Goldman Sachs, die britische Barclays und die UBS lägen eine Stufe darunter. Morgan Stanley, die Citigroup, und die Bank of America befänden sich schon drei Stufen unter dem Spitzentrio. Unter den amerikanischen Adressen zählt Analyst Brad Hintz vom Wertpapierhaus Sanford C. Bernstein daher neben JP Morgan auch Goldman Sachs zu den möglichen Gewinnern einer Neubewertung. „Die Verlierer werden die Citigroup, Bank of America und Morgan Stanley sein“, meint Hintz.

          Die Bewertungsmethoden der Ratingagenturen sind in die Kritik geraten, weil sie amerikanische Hypothekenanleihen vor der Finanzkrise des Jahres 2008 teilweise auf Druck von Emittenten zu hoch bewertet hatten. Diese Wertpapiere standen schließlich im Zentrum der Krise. Mehrere dänische Banken, große Emittenten von Hypothekenanleihen, haben kürzlich ihre Geschäftsbeziehungen mit Moody’s beendet, nachdem die Agentur die Branche kritisch bewertet hatte. „Wir konnten den fundamentalen Argumenten von Moody’s nicht mehr folgen“, sagte ein Bankmanager. Trotz der harschen Kritik an Fehleinschätzungen scheinen Ratingagenturen aber immer noch Einfluss zu haben. Laurence Fink, Vorstandsvorsitzender der großen Fondsgesellschaft Blackrock, kündigte an, wegen vertraglicher Vereinbarungen möglicherweise Handelsgeschäft zu höher bewerteten Banken umzuleiten. „Ich glaube, das hat ernste Konsequenzen“, sagte Fink.

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