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Chance für Anleger : Der VW-Skandal hat auch sein Gutes

Gute Zeiten für Neueinsteiger: Die VW-Aktie ist stark gefallen. Bild: dpa

VW-Anleihen haben durch den Abgasskandal stark an Wert verloren. Wer kauft, macht fast nichts falsch. Ein paar Fallstricke gibt es aber doch.

          Der VW-Skandal ist längst noch nicht vorbei. Am Freitag wurde bekannt, dass in Amerika mehr Autos manipuliert wurden als bisher erwartet. Und Händler berichten, dass sie Schwierigkeiten haben, ihre Wagen loszuwerden. In den nächsten Wochen könnten immer wieder neue Hiobsbotschaften auf den Konzern einprasseln. So hart das für das Image des Autobauers ist, es hat auch eine gute Seite. Anleger können davon profitieren.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          VW-Aktien sind günstiger zu haben, doch niemand weiß, ob die Kurse nicht danach noch viel weiter fallen. Etwas berechenbarer sind VW-Anleihen, die durch Stückelungen von meist 1000 Euro pro Stück auch für Privatanleger zu kaufen sind. Die Anleihen sind deutlich im Kurs gefallen. Wer sie kauft, weiß genau, was er verdienen wird. Aber nur unter zwei Bedingungen. Erstens: Er hält die Papiere bis zur Fälligkeit und erträgt die bis dahin zu erwartenden zwischenzeitlichen kräftigen Kursausschläge. Und zweitens: Volkswagen kann die Anleihe zurückzahlen, geht also nicht pleite.

          Es erscheint trotz allem unwahrscheinlich, dass Volkswagen unter der Last von Nachrüstkosten für die Autos, Strafen und Umsatzeinbrüchen durch den Imageschaden zusammenbricht. Denn zum einen erwirtschaftet der Konzern jährlich Milliarden, mit denen die Kosten – gestreckt über ein paar Jahre – getragen werden können. Im Notfall hat VW auch die Möglichkeit, aus seiner riesigen Sammlung an Automarken einzelne zu verkaufen (zum Beispiel Audi oder die Lkw-Sparte). Und selbst wenn all das nicht ausreicht, würde sicher das Land Niedersachsen einspringen. Es hält bereits 20 Prozent der Anteile und würde den größten Arbeitgeber des Landes vor der Insolvenz bewahren.

          Bis zu sechs Prozent im Jahr möglich

          Vor diesem Hintergrund werfen sogenannte Hybrid- oder Nachranganleihen von VW die höchsten Renditen ab. Bis zu sechs Prozent im Jahr sind derzeit möglich, was in den aktuellen Niedrigzinszeiten attraktiv ist. Sechs solcher Anleihen gibt es derzeit. Sie bergen drei Risiken: Falls es doch zu einer Pleite kommt, werden diese Anleihen als Letztes bedient, der Verlust ist besonders hoch.

          Zudem darf VW die Zinszahlung aussetzen. „Dieses Risiko sehen wir aber als überschaubar an“, sagt Gerhard Wolf, Anleiheanalyst der Landesbank Baden-Württemberg. „Am Markt gab es bisher kein Unternehmen, welches bei Hybridanleihen eine Zinszahlung ausgesetzt oder verschoben hat. Nicht einmal die seinerzeit finanziell schwer angeschlagene TUIi.“ Zudem wäre die Einsparung durch eine Aussetzung der Zinszahlung nicht sehr groß.

          Das zweite Risiko ist der sogenannte Call, der je nach Anleihe zwischen 2018 und 2030 erfolgen kann. Dabei handelt es sich um eine Art Kündigung und Rückzahlung oder Verlängerung der Anleihe. Normalerweise wäre eine Kündigung üblich. „Ökonomisch erscheint derzeit aber eine Verlängerung zu den dafür vereinbarten Konditionen sinnvoller“, sagt Gerhard Wolf. Sie würde aber einen Imageschaden bedeuten, weil sie die Rendite der Anleger senken könnte.

          Risikoärmer sind die klassischen VW-Anleihen. Sie bringen je nach Laufzeit bis zu drei Prozent im Jahr ein. Die Risiken der Hybridanleihen kennen sie nicht. Wer sich dafür entscheidet, hat zwei Emittentengruppen zur Auswahl: den VW-Konzern, der Anleihen über seine niederländische Gesellschaft VW International Finance NV ausgibt, und die VW-Tochterfirmen VW Leasing, VW Bank und VW Financial Services. Letztere haben den Vorteil, dass sie im Pleitefall der VW-Industriegeschäfts, also der Autoproduktion, nicht automatisch mit in die Insolvenz rutschen.

          Nicht alle VW-Anleihen sind gut zu handeln

          So war das zum Beispiel beim Konkurs von General Motors. Die Finanzierungsgesellschaft GMAC überlebte. Der Grund: Das Bank- und Leasinggeschäft kann weiterlaufen, denn die Autofahrer müssen weiter ihre Leasingraten bezahlen. Allerdings wäre natürlich das Neugeschäft negativ betroffen.

          Für Anleger heißt das, dass Anleihen der Finanzierungstochterfirmen von VW sicherer sind. Sie rentieren aber trotzdem kaum niedriger als die Anleihen, die das Industriegeschäft abbilden. Wichtig für die Auswahl ist: Nicht alle VW-Anleihen sind gut zu handeln, weil die Emissionen zu klein sind. Ein Volumen von mehr als 500 Millionen Euro sollte es schon sein, besser noch eine Milliarde Euro. Davon gibt es genug Papiere. Wer kleinere Anleihen kauft, verliert unnötig viel bei Kauf und Verkauf.

          Der VW-Skandal hält für Anleger sogar noch eine Pointe bereit. Attraktivere Renditen als die in Euro begebenen Papiere bieten VW-Anleihen, die in Dollar emittiert wurden. In Übersee locken höhere Zinsen von bis zu vier Prozent und Währungsgewinne, wenn die amerikanische Notenbank im Dezember tatsächlich die Zinsen anheben sollte. Allerdings sind die geforderten Mindestanlagebeträge sehr hoch.

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