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Vermögensverwaltung : Was gegen Inflation hilft

Bild: Rüchel, Dieter

Anleger haben Angst vor der Inflation. Sie wollen ihr Portefolio vor der Geldentwertung schützen. Wie das in der Praxis am besten gelingt, hat eine Studie am Beispiel der Schweiz untersucht.

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          Die Inflationsraten sind nach wie vor im historischen Vergleich niedrig, aber nicht wenige Anleger fürchten in den kommenden Jahren eine Beschleunigung der Geldentwertung und wollen ihre Portfolios auf ein solches Szenario ausrichten. Über die unterschiedliche Eignung verschiedener Anlageformen als Schutz gegen Inflation kursieren viele Ansichten.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Aber wie sieht es in der Praxis aus? Die PPCmetrics AG, eine in Zürich ansässige Beratungsgesellschaft für institutionelle Anleger, hat in einer ausführlichen Studie untersucht, wie in den vergangenen Jahrzehnten in der Schweiz die Renditen unterschiedlicher Anlageklassen auf den Wechsel von meist niedrigen zu in seltenen Fällen hohen Inflationsraten reagiert haben.

          Inflationsentwicklung in der Schweiz seit 1950
          Inflationsentwicklung in der Schweiz seit 1950 : Bild: F.A.Z.

          Konkret werden jährliche Durchschnittsrenditen über einen langfristigen Zeitraum von bis zu 51 Jahren verglichen mit jährlichen Durchschnittsrenditen in Zeiten höherer Inflation. Jene Anlageformen, die in Inflationsperioden höhere Renditen erbracht haben als im langfristigen Durchschnitt, werden in der Studie als brauchbarer Inflationsschutz verstanden.

          Eine solche - wenn auch bescheidene - Überrendite in Inflationszeiten haben in der Schweiz kurzfristige Zinsanlagen. Darunter werden Geldmarktanlagen und Anleihen mit Restlaufzeiten bis zu einem Jahr verstanden. In Zeiten steigender Inflationsraten passen sich die Renditen neuer kurz laufender Papiere meist schnell an, während die niedrig verzinslichen älteren Papiere schnell auslaufen und getilgt werden. „Aus diesem Grund sollte ein Anleger in Geldmarktinstrumenten kurz- sowie langfristig gegen Inflation geschützt sein“, heißt es in der Untersuchung. Allerdings gilt es auch zu bedenken: „Dieser kurz- und langfristige Inflationsschutz wird durch eine tiefe Rendite erkauft.“

          Immobilien und Aktien schneiden als Inflationsschutz weniger überzeugend ab

          Die andere Anlagekategorie, die nach der historischen Erfahrung der Schweiz Schutz gegen Inflation verheißt, sind die Rohstoffe unter Einbeziehung von Gold - allerdings mit Einschränkungen. Rohstoffe gelten traditionell als Versicherung gegen Geldentwertung, und so lässt sich der seit einiger Zeit beobachtbare Rückzug vieler Anleger aus Rohstoffen auch als ein Zeichen von Sorglosigkeit gegenüber künftiger Geldentwertung interpretieren. Die Experten von PPCmetrics gelangen in ihrer Untersuchung für die Schweiz zu einem Schluss, der aus Studien über die Vereinigten Staaten von Amerika bekannt ist: „Rohstoffe bieten erwartungsgemäß einen Schutz vor der Schweizer Inflation. Dies ist sowohl kurz- wie auch langfristig der Fall.“ Im Unterschied zu Geldmarktanlagen lassen sich mit Rohstoffen höhere Renditen anpeilen, verbunden allerdings auch mit höheren Risiken: „Die Rendite von Rohstoffen ist jedoch sehr volatil.“ Außerdem existierten neben der Inflation weitere Einflussfaktoren auf die Preisbildung bei Rohstoffen.

          In die Betrachtung der Rohstoffe ist das Gold nicht einbezogen, das vielen Anlegern als ein Inflationsschutz par excellence gilt. Die Studie für die Schweiz kommt zu Ergebnissen, die im Grundsatz auch aus anderen Ländern bekannt sind: „Gold bietet erwartungsgemäß einen Schutz vor Inflation. Der Schutz ist jedoch nicht besser als bei Rohstoff-Indexinvestitionen.“ Gold überzeugt eher bei kurzfristigen Betrachtungen: „Zudem ist der längerfristige Zusammenhang statistisch schwächer.“

          Zwei andere Anlageklassen, die traditionell als Inflationsschutz gelten, schneiden weniger überzeugend ab. Das sind zum einen Immobilien: „Kurzfristig bieten schweizerische Immobilien keinen Schutz vor einem (unerwarteten) Anstieg der Inflation in der Schweiz, sondern verlieren eher an Wert. Längerfristig scheint aber ein leichter Schutz zu bestehen.“ Die zweite Anlageklasse, die vielleicht etwas unter den Erwartungen abschneidet, sind Aktien. Nun ist aus einer Vielzahl von Untersuchungen, die sich über Jahrzehnte und zahlreiche Länder erstrecken, bekannt, dass ein Zusammenhang zwischen Inflation und Überrenditen von Aktienanlagen zwar gelegentlich, aber keineswegs durchgängig festgestellt werden kann. Vielmehr orientieren sich Aktienkurse oft auch an erwarteten Dividenden und dem erwarteten Realzins als Alternativanlage. Ein Zusammenhang zwischen der Wertentwicklung Schweizer Aktien und der Schweizer Inflation ist nicht nachweisbar.

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