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Vereinigten Staaten : Wer kauft noch amerikanische Treasuries?

  • Aktualisiert am

Bild: Global Macro Monitor

Obwohl die Staatsschulden in den Vereinigten Staaten stark steigen, sind die Kurse der Treasuries zuletzt deutlich gestiegen. Dafür jedoch waren primär staatliche Stützungskäufe verantwortlich. Was aber passiert, wenn diese beendet werden?

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          Obwohl die Staatsschulden in den Vereinigten Staaten aufgrund unglaublich hoher Staatsdefizite stark steigen, sind die Kurse der amerikanischen Staatsanleihen in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen und die Renditen sind gefallen.

          Staatspapiere mit einer Laufzeit von zwei Jahren bieten eine magere Rendite von 0,4 Prozent, Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentieren mit etwas mehr als drei Prozent und entsprechende Papiere mit einer Laufzeit von 30 Jahren rentieren mit knapp 4,3 Prozent.

          Amerikanische Staatsanleihen konnten zuletzt Kursgewinne verzeichnen

          Auf der anderen Seite hat der Preisauftrieb im Lande in den vergangenen Monaten zugenommen. Die am Mittwoch veröffentlichte, offizielle Inflationsrate lag bei 3,6 Prozent und damit über den Erwartungen. Inoffizielle Daten zum Preisauftrieb, die „schönenende“ statistische Anpassungen ausklammern, liegen deutlich höher. Der Erzeugerpreisindex für den Monat Mai ist sogar um 7,3 Prozent gestiegen.

          Der Preisauftrieb kommt sowohl vom vergleichsweise schwachen Außenwert des Dollars, der Importe teurer macht und der Anleger zusammen mit den stark negativen Realzinsen Anleger in den vergangenen Jahren zur Verlagerung von Mitteln in den Rohstoffsektor bewogen hat. Die teuer gewordenen Rohstoffe schlagen sich nun unmittelbar in Form einer geringeren Kaufkraft der Privathaushalte nieder, indem sie die Wirtschaftsentwicklung bremsen.

          Während der Preisauftrieb in den Vereinigten Staaten am oberen Ende der Erwartungen liegt, fielen viele andere Konjunkturdaten zuletzt enttäuschend aus. Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, der Immobilienmarkt bleibt schwach, die Stimmung unter Konsumenten und kleineren und mittleren Unternehmen gibt auf tiefem Niveau nach, die Einzelhandelsumsätze stagnieren und die Industrieproduktion nimmt bei abnehmenden Auftragseingängen kaum noch zu.

          Während der Privatsektor in den vergangenen Quartale seine Kreditnachfrage stark reduzierte, wurde die deflationären Effekte, die zum Kursauftrieb bei Treasuries beigetragen haben mögen, von der expansiven Aktivität des öffentlichen Sektors ausgeglichen. Der verschuldete sich in diesem Rahmen immer stärker und gab immer mehr Staatsanleihen aus. Allerdings wurden diese in den vergangenen Quartalen nicht mehr von privaten Anlegern übernommen, sondern primär von der amerikanischen Zentralbank. Die amerikanischen Privatanleger sind im ersten Quartal sogar als massive Verkäufer aufgetreten, wie zumindest die so genannten Flow of Funds Daten der amerikanischen Zentralbank zeigen.

          Was passiert nach dem Auslaufen der staatlichen Anleihekaufprogramme?

          Auch ausländische Anleger zeigten immer geringeres Interesse an den amerikanischen Staatspapieren. Dieser Trend setzt sich fort, wie am Mittwoch veröffentlichte TIC-Daten zeigen. Ausländische Investoren haben im April unterm Strich weniger Kapital in den Vereinigten Staaten investiert. Netto verbuchte die größte Volkswirtschaft der Welt einen Zufluss von 68,2 Milliarden Dollar, nach einem Zufluss von revidiert 127,1 Milliarden Dollar im März. So stellt sich die Frage, woher nach dem Auslaufen staatlicher Ankaufprogramme (QEII) im Juni die Liquidität kommen soll, die die Kurse an den Finanzmärkten treiben kann.

          Skeptiker rechnen mit einem Nullsummenspiel, in dem es zu Umschichtungen von einem Marktsegment in andere kommen wird. Während es beispielsweise bei Rohstoffen und amerikanischen Staatsanleihen - unter anderem auch wegen dem andauernden Streit über die Schuldengrenze - zu Gewinnmitnahmen und entsprechenden Kurseinbußen kommen könne, seien bei solide bewerteter Aktien größerer Unternehmen Kursgewinnen denkbar, heißt es. Diese Kategorie von Wertpapieren sei die einzige, die im gegenwärtigen Umfeld noch vernünftig bewertet sei, hatten jüngst die meist gut liegenden Marktfundamentalisten von GMO erklärt.

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