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Unverschämte Anschreiben : Sparer sind über die Finanzagentur verärgert

  • -Aktualisiert am

Symbol der Agentur Bild: Zimmermann, Julia

Die Kunden der Finanzagentur des Bundes schimpfen über unverständliche und unverschämte Anschreiben und drohen mit Kündigung. Die Telefonleitungen sind besetzt.

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          Der Zorn der Sparer über den Umgang der Finanzagentur des Bundes mit dem Geldwäschegesetz wächst. Reihenweise senden Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Anschreiben ein, mit denen die Finanzagentur Bundesrepublik Deutschland mbH in für sie unverständlicher Form Informationen abgefragt und zur Mitwirkung aufgerufen hat. Im August und dann noch einmal im Dezember hat die Agentur, über die der Bund seine Schulden finanziert und die Privatanlegern die gebührenfreie Verwahrung der Schuldtitel anbietet, ihre rund 400.000 Kunden angeschrieben. Die Agentur verwahrt in den Depots unter anderem Bundesschatzbriefe und eine Tagesanleihe.

          Die zusätzlichen Informationen musste sie einholen, um die Anforderungen des Geldwäschegesetzes zu erfüllen, das seit April vergangenen Jahres auch für die Finanzagentur gilt. Doch insbesondere das erste Anschreiben ist so unverständlich formuliert, dass selbst Fachleute Schwierigkeiten damit haben. Ein Leser, der selbst in einer Bank arbeitet, konnte im August sogar nach eingehender Lektüre nicht erkennen, was von ihm erwartet wurde. Ausführlich wird über die Besonderheiten des Geldwäschegesetzes gegenüber der bislang für die Finanzagentur maßgeblichen Abgabenordnung informiert.

          Dass deshalb einfach nur nach Staatsbürgerschaft und Geburtsort gefragt werden muss, ist nicht hervorgehoben. Der betroffene Leser wurde nicht schlau daraus und versuchte sich deshalb über die im Brief genannte Service-Nummer zu informieren. Doch statt eines Ratschlags hörte er bei 30 Versuchen 29 Mal das Besetztzeichen und einmal eine endlose Warteschleife. Und so entging dem frustrierten Sparer der entscheidende Satz des Briefes: „Die bei der Nacherfassung zu erhebenden Daten sind unter Berücksichtigung von §6 Abs. 2 Nr. 2 GwG mittels einer beglaubigten Ausweiskopie zu bestätigen."

          Ständig besetztes Service-Telefon

          Das ist nicht etwa eine Selbstvergewisserung der Bürokraten, dass sie sich für die Eingabe der Daten eine Ausweiskopie verschaffen müssen. Vielmehr wollte die ehemalige Behörde ihren Kunden mitteilen: Wir brauchen Geburtsdatum, Geburtsort und Staatsangehörigkeit; außerdem geht bitte zum nächsten Notar oder besser noch zum Pfarrer - da ist es meist billiger - und lasst eine Kopie des Personalausweises beglaubigen.

          So hätte es vermutlich fast jeder verstanden, über den bürokratischen Aufwand gestöhnt und hätte geantwortet. Doch derart einfach könne eine rechtlich so bedeutsame Aufforderung, die zur Kündigung des Depots führen könne, nicht formuliert werden, sagte am Freitag ein Sprecher der Finanzagentur. Die Folge: Nur ein Viertel der angeschriebenen Kunden antwortete vollständig und mitsamt beglaubigter Ausweiskopie.

          Der Ärger der anderen rund 300.000 Kunden der Agentur steigerte sich im Dezember, als sie ein zweiter Brief erreichte, der zwar klarer, aber im Ton noch ungeschickter als der erste formuliert war. Darin wurde gleich in der Betreffzeile gedroht: „BEI WEITERHIN UNZUREICHENDER MITWIRKUNG" drohe zum 31. Januar die Kündigung des Schuldbuchkontos. Viele Kunden verstehen das als Unverschämtheit angesichts des verklausulierten ersten Anschreibens und des ständig besetzten Service-Telefons. Die Zahl von 15 Telefonisten für 400.000 mögliche Anrufer, lässt erahnen, dass nicht alle beraten werden konnten. Die Verärgerung mancher Kunden der Finanzagentur ist offenbar so groß, dass die Geschäftsführer Carl Heinz Daube und Carsten Lehr erste Widersprüche gegen die Kündigung erreichen. In einem Widerspruch heißt es: „Was soll dieser aggressive, überhebliche Ton? Wollen Sie kleine Anleger damit vergraulen?"

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