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Unternehmensanleihen : Zentralbanken sehen in LBOs noch keine Gefahren für die Finanzmärkte

  • Aktualisiert am

Bild: Deutsche Bundesbank

Die Preise, die Finanzinvestoren bei Übernahmen zahlen, steigen, Buyout-Fonds werden immer größer, Hebel und Verschuldung nehmen zu. Die Zentralbanken sehen aktuell noch keine Gefahren für das Finanzsystem, halten aber nicht für unmöglich, dass sich das ändert.

          Nichts bewegt die Finanzmärkte derzeit so sehr wie Übernahmen. Ein Großteil davon ist der vermehrten Aktivität von Finanzinvestoren zu verdanken, die bereit sind, hohe Preise auch für angeschlagene Unternehmen zu bezahlen, um unter dem Strich durch den Weiterverkauf entsprechend hohe Renditen zu erzielen.

          So trieb der Bieterkampf zwischen zwei Private-Equity-Gesellschaft den Preis für die britische Drogerie- und Apothekenkette Alliance Boots auf über elf Milliarden Pfund. Der Kurs der Aktien war dadurch in den vergangenen zwölf Monaten um 64 Prozent gestiegen. Dabei ist der Einzelhandelssekro nicht sonderlich dynamisch. Nach Ansicht von Analysten ist das Gewinnwachstum der europäischen Branchengrößen im Januar auf 12,7 Prozent gefallen. Damit steht der Sektor lediglich im Mittelfeld.

          Und angesichts steigender Steuern in Deutschland und Italien und höherer Kreditkosten könnten die Verbraucher ihre Ausgaben senken. „Aus fundamentaler Sicht steht der Einzelhandelssektor vor einer schwierigen Zeit, da der Druck auf die Konsumenten weitergeht“, sagt Stratege Henk Potts von Barclays Stockbrokers in London. Die jüngsten Kursgewinne seien auf die Offerten der Finanzinvestoren zurück zu führen.

          Lockeres Kreditangebot treibt die Verschuldungverschuldung

          Diese kurstreibenden Übernahmekämpfe sind nichts ungewöhnliches und werden begünstigt von der leichten Verfügbarkeit von Krediten für den Unternehmenssektor, durch die sich ein Teil des Kaufpreises zulasten des Kaufobjekts verhältnismäßig leicht finanzieren lässt. „Es steckt zu viel Liquidität im System“, sagt auch Philip Yea, Vorstandsvorsitzender der Buyout- und Risikokapitalgesellschaft 3i Group. Das treibe die bei Übernahmen gezahlten Preise in extreme Höhen.

          Nach Angaben der Ratingagentur Fitch stieg dabei im vergangenen Jahr die Verschuldung der so gekauften Gesellschaften im Mittel auf das 6,1fache des operativen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Im ersten Quartal stieg diese Quote sogar noch einmal auf das 6,2fache (vgl. auch Infografik).

          Indes geht das Spiel munter weiter. Erst in dieser Woche hat die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ihren bislang größten Buyoutfonds im Volumen 20 Milliarden Dollar aufgelegt. Der Finanzinvestor Blackstone plant einen ebenso großen Fonds, der bereits zu 90 Prozent gezeichnet ist (siehe auch Infografiken). Goldman Sachs bringt dabei neun Milliarden Dollar auf und damit mehr als das Dreifache als noch vor zwei Jahren.

          Zunehmende Gigantomanie

          „Ich denke, dass in den kommenden zwölf Monaten jemand diese hohe Anlagesumme noch übertrumpfen wird“, sagt Colin Blaydon, Direktor am Center for Private Equity an der Tuck School of Business.

          Auch die Größe der Buyouts steigt. So kostete der texanische Versorger TXU im Februar die Rekordsumme von 44 Milliarden Dollar. Blaydon sieht ökonomische Gründe hinter dem Trend zur Größe. Diese Unternehmen verfügten in der Regel über höhere Barreserven und wiesen ein besseres Verhältnis von Cash-Flow zu Unternehmenswert auf.

          Mittlerweile hat die Verschuldung der übernommenen Gesellschaften einen Stand erreicht, der zuletzt in den achtziger Jahren beobachtet wurde. Banken, Private-Equity-Gesellschaften und Investoren hegen zunehmend Bedenken wegen einer Kreditblase und befürchten, dass die Buyout-Gesellschaften die Gläubiger bei einer Störung nicht mehr wie vorgesehen aus dem Cashflow der Übernahmeobjekte bedienen können, so dass das System kollabiert.

          Zentralbanken aufmerksam, aber noch gelassen

          Auch die Zentralbanken beobachten den Markt genau, sehen aber aktuell noch keine Gefahren für das Finanzsystem. Nach dem Dafürhalten der Bundesbank könnte das rasante Zunehmen fremdfinanzierter Übernahmen aber zu einer Destabilisierung führen. „Der nach wie vor junge Markt für LBO-Finanzierungen hat insofern eine wirkliche Belastungsprobe noch vor sich“, hieß es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Bank.

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