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Unternehmensanleihen : Übernahmeangebot macht Logwin interessant

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Logwins Kontraktlogistik zeigte sich im dritten Quartal deutlich schwächer Bild: Logwin

Wieder in die roten Zahlen ist nach neun Monaten der Logistiker Logwin, ehemals Thiel Logistik gerutscht. Doch ein Übernahmeangebot des BMW-Großaktionärs Stefan Quandt macht die Anleihe für spekulative Investoren interessant.

          Seit Jahren schon bemüht sich der unter seinem früheren Namen Thiel Logistik noch immer bekanntere Logistik-Konzern Logwin, wieder richtig auf die Füße zu kommen. Die Jahre 2002 bis 2005 waren von Verlusten geprägt. Zudem verleideten immer wieder Revisionen der Prognosen den Anlegern den Spaß am Unternehmen, ebenso wie Querelen um die Besetzung der Führungsetage.

          Seit 2006 schien sich nun zumindest die Geschäftslage verbessert zu haben. Mit einem Gewinn von 1,7 Millionen Euro wurde zwar nur eine magere Marge von 0,85 Prozent erzielt, aber immerhin war es das beste Unternehmensergebnis in sechs Jahren.

          Nach neun Monaten wieder in der Verlustzone

          Leider scheint der Prozess im laufenden Jahr nicht anzuhalten. Schon zum Halbjahr wies der Logistiker nach Rückschlägen im Geschäftsfeld Solutions bei stagnierendem Umsatz einen leichten Rückgang des Betriebs- und Nettoergebnisses aus.

          Verantwortlich waren hohe Treibstoffkosten, Einmalaufwendungen und abgeschlossene Kundenprojekte, so das Unternehmen. Dennoch erwartete Logwin für das Gesamtjahr neben einer leichten Abschwächung des Umsatzwachstums eine geringe Steigerung des Nettoergebnisses.

          Doch nach neun Monaten stellt sich die Situation deutlich schwächer dar. Für die ersten neun Monate des Jahres verbucht Logwin nun einen Verlust von 90,3 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,4 Millionen Euro im selben Zeitraum des Vorjahres.

          Abschreibungen auf teure Akquisitionen belasten

          Ursächlich seien zum einen außerplanmäßige Firmenwertabschreibungen, bedingt durch die sich weltweit eintrübende Konjunktur und die Auswirkungen der Finanzkrise. Wie es heißt, wurden mit diesen Abschreibungen relativ hohe Firmenwerte berichtigt, die aus dem Ankauf von rund 200 Unternehmen durch den Firmengründer Günther Thiel in den Jahren bis 2003 zu teilweise hohen Preisen erfolgten.

          Ohne die Abschreibungen von 98 Millionen Euro hätte der Betriebsgewinn 25 Millionen Euro betragen. Das wäre zwar immer noch ein Rückgang von rund 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewesen, aber deutlich besser als der so entstandene Betriebsverlust von 73 Millionen Euro.

          Zum anderen habe sich die Auftragssituation konjunkturell bedingt wesentlich verschlechtert. Kundeneinschätzungen ließen auch für die nächsten Jahre eine erhebliche Eintrübung der Konjunktur erwarten. Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft erschwerten eine verlässliche Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Im vierten Quartal seien die operativen Ergebnisse noch erheblichen Unsicherheiten ausgesetzt. Der Umsatz werde im gesamten Jahr schwächer als erhofft steigen. Auch die Eigenkapitalquote rutschte deutlich um acht Prozentpunkte auf 26,7 Prozent ab.

          Schwaches Anleihen-Rating

          Ein großer Klotz am Bein ist nach wie vor das negative Finanzergebnis, das den Konzern seit Jahren belastet. Allein rund zehn Millionen Euro muss Logwin in jedem Jahr für die mit 8 Prozent verzinste nachrangige Anleihe aufbringen, die der Konzern 2004 begeben hatte. Die schwache Entwicklung der Geschäftszahlen führte dazu, dass das Rating der Anleihe seit langem schon mit „Caa1“ bzw. „B-“ im unteren spekulativen Bereich liegt.

          Der Kurs, der schon seit Mai rückläufig war, brach im Zuge der Turbulenzen Ende September deutlich ein. Lag die Rendite am 26. September noch bei 12,44 Prozent, so betrug sie am Freitag 23,86 Prozent und lag damit nahe des Tiefpunkts vom 8. Oktober von mehr als 25 Prozent.

          Quandt-Übernahmeangebot macht Anleihen interessant

          Indes könnte die Anleihe für spekulative Investoren interessanter werden. Denn zeitgleich mit den schwachen Unternehmenszahlen hat der Großaktionär Delton des BMW-Großaktionärs Stefan Quandt ein Angebot zur vollständig Übernahme von Logwin vorgelegt. Delton hält bereits 53,7 Prozent des Logwin-Kapitals und bietet nun 1,55 Euro für jede Logwin-Aktie, die am Freitag zuletzt mit 64 Cent notierte.

          Basierend auf diesem Angebot müsste Delton nur etwa 81 Millionen Euro aufbringen, um Alleineigentümer von Logwin zu werden. Da Delton auch zum Emissionszeitpunkt bereits mit 50,26 Prozent der Stimmrechte bestimmend bei Logwin war, ist auch unwahrscheinlich, dass die „Change-of-Control-Klausel“ des Prospekts zur Anwendung kommt, wonach die Anleihe zum Rückzahlungspreis von 101 Prozent fällig gestellt werden könnte.

          Kündigung im Dezember möglich

          In Branchenkreisen wird gemutmaßt, Quandt wolle möglicherweise Logwin wieder zu einem privaten Unternehmen machen und von der Börse nehmen. Quandt sei davon überzeugt, dass Logwin strukturell ein gesundes und zukunftsträchtiges Unternehmen sei.

          Angesichts des offenkundig großen Interesses des Unternehmers, lässt sich so mit einiger Berechtigung darauf bauen, dass Quandt auch das Anleihevolumen von 130 Millionen Euro bedienen wird. Indes könnte die Freude nur kurz sein, steht Logwin doch ab dem 15. Dezember die Option offen, die Anleihen zu 104 Prozent des Nominalwerts abzulösen. Auch auf dieser Basis böte sich auf Basis des Freitagskurses immer noch eine nicht unlukrative Renditechance von einem Bruttogewinn von rund 70 Prozent.

          Vorausgesetzt natürlich, die Spekulation geht auf. Ob Delton mit seinem Angebot auf große Resonanz stößt, ist zudem nicht unbedingt wahrscheinlich. Erst seit Anfang August notiert die Aktie unter dem Angebotskurs. Dieser bewertet das Gesamtunternehmen mit einem Buchwert von 845 Millionen Euro und einem Umsatz von rund 2 Milliarden Euro mit lediglich 172 Millionen Euro. Nach anfänglicher Zurückhaltung reagierten die Kurse deutlich. Der Aktienkurs steigt um rund 120 Prozent, der Anleihenkurs um rund neun Prozent.

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