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Unternehmensanleihen : Tivoli-Anleihe: Produkt für Aachen-Fans

  • Aktualisiert am

Kommt auch vor auf dem Tivoli: Fans wollen mitspielen Bild: picture-alliance/ dpa

Lange war nach dem deutlichen Anstieg der Zinsen der Markt für Privatplazierungen ausgetrocknet. Nun kommt ein neuer Emittent: Zweitligist Alemannia Aachen sammelt Geld für den Stadionneubau ein.

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          Die Saison mit der „spannendsten 2. Liga aller Zeiten“ ist vorbei: Hoffenheim ist auf dem Weg in die Champions League, Mainz mal wieder Vierter, Kaiserslautern bleibt drin und Offenbach stiegt einmal mehr ab.

          Nicht für alle Vereine war das Saisonfinale noch von Bedeutung, auch nicht für Alemannia Aachen, die im vergangenen Jahr noch in der ersten Liga spielten und sich früh vom Thema Wiederaufstieg in die graue Mitte verabschiedeten.

          Vom Landgut zur Arena

          Daher beschäftigten sich die Verantwortlichen des Klubs auch schon vorher mit ganz anderen Dingen, wie etwa dem Neubau des Stadions unter dem alten Traditionsnamen Tivoli, ist doch das Stadion etwas in die Jahre gekommen und für die heutigen Bedürfnisse mit 21.300 Plätzen einfach zu klein. Seit 1908 spielt der Verein auf dem ehemaligen Landgut, 1928 wurde das Stadion eingeweiht, in den Fünfziger Jahren erweitert und seitdem mehrfach modernisiert. Bis heute aber sind mehr als die Hälfte der Plätze nicht überdacht.

          Um Tradition und Modernität zu verbinden, will der Verein den alten Namen für das neue Stadion erhalten und auf einen lukrativen Verkauf des Namens verzichten. Daher sucht man nun diese Gelder auf andere Weise zu ersetzen und ist bestrebt, durch Begebung einer als „Tivoli-Anleihe“ bezeichneten Inhaber-Schuldverschreibung ein Volumen von insgesamt fünf Millionen Euro zu erlösen, was rund zehn Prozent der veranschlagten Baukosten entspricht.

          Die Anleihe richtet sich in erster Linie an Vereinsanhänger und ist daher mit Stückelungen von 100, 200 und 500 Euro recht handlich aufgeteilt. Als zusätzlichen Anreiz gibt es eine Schmuckurkunde mit Fotos aus der über hundertjährigen Vereinsgeschichte.

          Hohe Eigenkapitalquote und Liquidität

          Verzinst wird die bis zum 31. August zeichenbare Schuldverschreibung mit einer Laufzeit bis zum 16. August 2013 und Zinslauf ab dem 16. Mai 2008 mit sechs Prozent, für das längere erste Zinsjahr mit 7,5 Prozent, womit der Zinsnachteil ausgeglichen ist.

          Der wirtschaftliche Erfolg der Alemannia Aachen GmbH ist in hohem Maße vom sportlichen Erfolg der Lizenzspielermannschaft abhängig. Für das Geschäftsjahr 2007, in dem man zum Teil noch in der 1. Liga spielte, weist der Verein Umsatzerlöse von 26,55 Millionen Euro aus. Eine Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr ist schwierig, da nur Daten eines am 22. Juni begonnenen Rumpfgeschäftsjahres zur Verfügung. Immerhin gelang es 2007 sowohl operativ als auch unter dem Strich mit einem Gewinn von 2,74 bzw. 1,32 Millionen Euro in die Gewinnzone vorzustoßen.

          Die GmbH weist zum 31.12.2007 eine Eigenkapitalquote von 44,5 Prozent aus und mit 3,36 Millionen Euro eine Liquidität, die den des bilanzierten Firmenwerts von rund zwei und den Wert der Spieler von rund 1,9 Millionen Euro deutlich übertrifft. Immerhin ist man weitgehend schuldenfrei - die Passivseite besteht überwiegend aus Rückstellungen und laufenden Verbindlichkeiten aus Transfers, Waren und Sozialversicherungsbeiträgen.

          Sanierung durch UEFA-Cup

          Das war nicht immer so: In den achtziger Jahren stand dem Verein das Wasser bis zum Hals und auch die Jahre 2001 bis 2003 waren wirtschaftlich schwer. Erfolge wie die Finalteilnahme im DFB-Pokal 2004 und darauf folgend das Erreichen der dritten Runde des UEFA-Cups machten 2004 zum wirtschaftlich erfolgreichsten Jahr der Vereinsgeschichte und sanierten diesen.

          Die Fähigkeit zur Rückzahlung der Anleihe hängt von den sportlichen Erfolgen ab. Gelingt dem verein der Aufstieg und kann sich dieser in der ersten Liga festsetzen, so sollte diese nicht in Frage gestellt sein, auch in der 2. Liga dürfte das außer Frage stehen.

          Ein Fan-Produkt

          Schwieriger wird es bei einem Abstieg in die 3. Profiliga, deren Erfolg noch ungewiss ist. Das scheint zwar derzeit wenig wahrscheinlich, allerdings wird der Stadionneubau die finanziellen Möglichkeiten zunächst einengen, bevor er sie erweitern kann. Auch ist offen, wie sich der Transfermarkt weiter entwickelt. Sollten das Beispiel Dietmar Hopp Schule machen und noch mehr Milliardäre auf die Idee verfallen, derzeit noch fünft- oder niedrigklassigere Vereine in die Bundesliga kaufen zu wollen, könnte das - nicht nur - Alemannia Aachen unter finanziellen und sportlichen Druck bringen.

          Auch für rein renditeorientierte Anleger spielt die Tivoli-Anleihe nicht ohne weiteres in der ersten Liga, entsprechen doch Rendite und Laufzeit derzeit in etwa einer Bonitätsnote von „Baa2“, dem niedrigen Investment-Grade-Bereich also. Zu allem Überfluss wird die Aachener Anleihe nicht in den Handel eingeführt werden, muss also bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Sie ist insofern ein Fan-Produkt, das sich auch für nicht-aachener Fußball-Fans eignet.

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