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Unternehmensanleihen : Repsol-Anleihen erholen sich dank Übernahmegerüchten

  • Aktualisiert am

Eingang zur Konzernzentrale von Repsol YPF Bild: Repsol YPF

Das Fusionsfieber geht wieder um. Kaum hat Mittal Steel die Stahlbranche erst so richtig in Unruhe versetzt, geht es auch schon bei den Versorgern weiter. Zum Beispiel bei Repsol, bei der Aktien und Anleihen jüngst unter Druck standen.

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          Das Fusionsfieber treibt wieder die Finanzmärkte. Kaum hat Mittal Steel die Stahlbranche erst so richtig in Unruhe versetzt, geht es auch schon bei den Versorgern weiter.

          Diesmal geht es um den spanisch-argentinischen Öl- und Gaskonzern Repsol YPF, der ins Zentrum neuer Übernahmegerüchte geraten ist. Sowohl der italienische Konkurrent Eni als auch die britische BP erwögen, Angebote abzugeben, berichtete die Madrider Zeitung „El Mundo“ am Montag. Das Blatt nannte keine Quelle.

          Anleihen stark unter Druck geraten

          Mit dem Kauf von Repsol würden beide Unternehmen dem Blatt zufolge Marktführer im Öl-Geschäft in Spanien und Argentinien. Repsol hat einen Börsenwert von 27 Milliarden Euro. Der Zeitpunkt ist für einen potentiellen Käufer günstig. Denn der Repsol-Aktienkurs ist stark gefallen. Und nicht nur der.

          Bild: FAZ.NET

          Auch die Anleihen des Konzerns kamen Anfang Januar stark unter Druck. Die bis 2013 laufende und mit fünf Prozent verzinste Euro-Anleihe sackte deutlich von 107,70 Prozent bis auf 104,80 Prozent durch. Das bedeutete immerhin einen Kursverlust von knapp drei Prozent und einen Renditeanstieg von 0,44 Prozentpunkten.

          Ebenfalls unter Druck geriet die bis 2014 laufende und mit 4,625 Prozent laufende Anleihe, deren Kurs von 105,50 auf 102,43 Prozent durchsackte und deren Rendite um 41 Basispunkte nach oben kletterte.

          Reserven deutlich überschätzt

          Der Grund war, daß der Konzern Repsol einräumen mußte, daß die nachgewiesenen Reserven 1.254 Millionen Barrel oder 25 Prozent niedriger sind als bis dahin ausgewiesen. Durch eine Änderung der Gesetzeslage in Bolivien wurden einige Felder unprofitabel und mußten daher herausgenommen werden. Die Branche muß künftig Steuern und Abgaben in Höhe von 50 Prozent auf ihre Einnahmen zahlen, bisher hatte diese Quote lediglich 18 Prozent betragen.

          Schwerer wog an den Finanzmärkten indes, daß bekannt wurde, die Schätzungen der Reserven für Argentinien und Bolivien seien zu optimistisch gewesen. Die Lebensdauer der Vorkommen sank bezogen auf die Fördermengen des Jahres 2005 dementsprechend nach den Schätzungen der Helaba Trust von 14,4 Jahren auf nur noch rund 8,3 Jahre.

          Nach Angaben von Repsol-Chef Antonio Brufau verringert sich damit der Wert aller Konzern-Reserven um gut 50 Millionen Euro und weitere Abschreibungen wurden nicht ausgeschlossen. Zudem sollen auch noch die ursprünglich für die Jahre 2005 bis 2009 geplanten Förderquoten in Argentinien und Bolivien gesenkt werden.

          Politische Unbillen

          Auch politische Unbillen standen ins Haus. Die neue bolivianische Regierung erklärte vor vierzehn Tagen, daß sie sämtliche Öl- und Gasreserven auf ihrem Territorium als ihr Eigentum reklamieren werde. Analysten befürchten daher, daß Repsol sämtliche Vorkommen auf bolivianischem Boden nicht mehr als die eigenen wird registrieren lassen können.

          In der Folge muß Repsol jetzt investieren. „Das ist der schlimmste Fall für Repsol in diesem Moment: Daß das Unternehmen tiefer als geplant in die Tasche greifen muß, um seine Reserven aufzustocken, und das zu einer Zeit, wo die die Preise auf ihrem Höchststand angekommen sind“, sagte ein Analyst einer europäischen Bank. Ein weiterer Experte bei der spanischen Caja Madrid Bolsa mutmaßte, Repsol werde wohl entsprechende Abschreibungen in der Bilanz vornehmen müssen.

          Diese Geschehnisse erinnerten Anleger fatal an das Jahr 2004 als der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell ein Viertel seiner Reserven abschreiben mußte, so daß Repsol-Titel auf die Abschußliste kamen.

          Wieder deutliche Kursaufschläge

          Das ist an diesem Montag wieder anders. Denn was dem einen sin Uhl ist, muß dem andern sin Nachtigall werden. Die spanische Regierung hat mit Wirkung von Montag an ihr Veto-Recht gegen feindliche Übernahmeversuche bei Repsol aufgegeben. Genau dieser Schritt könnte BP oder Eni bewogen haben, jetzt verstärkt über eine Übernahme nachzudenken. Zumal beide Firmen damit auch Einfluß auf den neuen spanischen Energieriesen gewinnen würden, der aus der geplanten Fusion von Gas Natural und Endesa entstehen soll. Repsol hält 30,8 Prozent an Gas Natural.

          Dementsprechend reagierten die Repsol-Anleihen am Montag positiv und zogen in einem sonst eher wenig veränderten Marktumfeld mit Aufschlägen zwischen 0,25 und 0,45 Prozent deutlich an und rentieren mit 4,14 bzw. 4,19 Prozent.

          Unter Anleihen mit einem Rating von Baa1 liegen die Repsol-Anleihen damit weit vorne im Rennen. Renditetechnisch an der Spitze liegt eine Anleihe des britischen Versorgers National Grid, die bei einer Rendite von 4,44 Prozent und einem Kupon von 4,375 Prozent allerdings noch eine Restlaufzeit von 14 Jahren hat. Sollten sich die Übernahmegerüchte bewahrheiten - und sie sind so unwahrscheinlich nicht - könnten sich die Kurse noch weiter befestigen.

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