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Unternehmensanleihen : Renten in Not

  • Aktualisiert am

Nach dem Abgang von Firmenchef Dangeard ist Thomsons Krise perfekt Bild: AFP

Der Kurs so mancher Hochzinsanleihe, der zu Jahresbeginn unter Druck stand, hat sich erholen können. Nicht so bei Thomson und Waterford Wedgwood: Die Krise beider Unternehmen hat sich jüngst erst dramatisch verschärft.

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          Nach der großen Panik zu Jahresbeginn, in deren Zug wahllos risikoträchtige Anleihen abgestoßen und Staatsanleihen gekauft wurden, ohne dass das eine oder andere immer vernünftig gewesen wäre, ist auch im Bereich der Hochzinsanleihen Ruhe eingekehrt.

          Zum Teil konnten sich Anleihenkurse wieder fangen, wie etwa der der mit 8,625 Prozent verzinsten Grohe-Anleihe (Isin XS0200848041) die seit ihrem Märztief mittlerweile 13 Prozent zulegen konnte oder die des Chemieunternehmens Cognis, das am Donnerstag zahlen vorlegen wird und deren Bond (Isin XS0191508281) sich mit 93,5 Prozent wieder normalen Kursniveaus nähert.

          Dividendenausfall bei Thomson schlecht auch für Gläubiger

          Die Kurse anderer Anleihen stehen dagegen völlig unter Wasser, beispielsweise der Hybrid-Bond des französischen Anbieters von Medientechnik, dessen Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen am Mittwoch um nicht weniger als 864 Basispunkte auf 2827 Basispunkte nach oben schoss, nachdem das Unternehmen entgegen seiner früheren Ankündigung für das vergangene Jahr keine Dividende ausschütten wird.

          Das Fatale für die Anleihegläubiger ist, dass die Zinsen nur gezahlt werden müssen, wenn auch eine Dividende ausgeschüttet werden muss und diese Zinsen auch nicht nachgezahlt werden müssen. Mit dem Moratorium würde Thomson 28,75 Millionen Euro jährlich einsparen können.

          Die Bonds, die in Stuttgart und Frankfurt noch mit rund 40 Prozent des Nominalwerts gelistet sind, werden nach Angaben der Royal Bank of Scotland derzeit tatsächlich noch zu 28 Prozent gehandelt.

          Komplett in der Krise

          Thomson steckt nicht nur in einer Führungskrise, nachdem Präsident Frank Dangeard das Unternehmen Anfang des Monats verließ, dem der Aufsichtsrat die jüngsten Verluste des Unternehmens ankreidet. Dangeard stieß vor drei Jahren zu Thomson und versuchte, das französische Unternehmen von der Unterhaltungselektronik für den Massenmarkt auf einen professionellen Anbieter der Medienbranche umzupolen. Viele Analysten verfolgten den Wandel jedoch mit Skepsis.

          Doch 2007 erlitt Thomson bei einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro einen Verlust von 23 Millionen Euro. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sank der Umsatz auf Basis konstanter Wechselkurse um 11 Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro. Nach Angaben von Thomson schlug sich der lange Streik der Drehbuchautoren in Hollywood negativ nieder, denn viele Fernsehproduktionen, die Thomson mit Filmtechnik beliefert, fielen aus.

          Zahlungsausfall droht nicht - Tilgung nicht unbedingt vorgesehen

          Im zweiten Quartal soll der Umsatz um weitere 6 bis 8 Prozent sinken, und aufgrund von Restrukturierungskosten werde im ersten Halbjahr ein Verlust anfallen. Ein Betriebsgewinn soll dagegen noch erwirtschaftet werden, kündigte das Unternehmen an.

          Jetzt setzt Thomson auf Kostensenkung - in diesem Jahr sollen die Betriebskosten um rund 50 Millionen Euro sinken - und auf die Verkäufe von kleineren Unternehmensbereichen. Das verlustreiche Silikon-Geschäft könnte dazu gehören, deutete Thomson an.

          Ein Zahlungsausfall der mit Ba3 bewerteten Anleihen steht nicht bevor - aufgrund der unbegrenzten Laufzeit. Indes läuft es auf dasselbe hinaus, wenn die Zinsen für längere Zeit nicht bezahlt werden.

          Nettoverschuldung von Waterford Wedgwood weiter gestiegen

          Ebenfalls jenseits von Gut und Böse befindet sich mittlerweile der Kurs des Bonds des irischen Kristallherstellers Waterford Wedgwood. Konnte sich der Kurs zum Jahreswechsel noch kurzzeitig von 46,6 Prozent bis auf 79 Prozent erholen, nachdem einer Tochter-Gesellschaft der amerikanisch-französischen Investmentbank Lazard fünf Millionen konvertible Vorzugsaktien aus einer Kapitalerhöhung zeichnete, so hatte der Bond bei 36,5 Prozent zu Monatsbeginn einen neuen Tiefststand erreicht.

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