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Unternehmensanleihen : Renditedifferenz auf 25-Jahreshoch

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Bild: FAZ.NET

Bei den Unternehmensanleihen trennt sich seit ein paar Monaten wieder die Spreu vom Weizen. Die Renditedifferenz zwischen Papieren mit einem AAA-Rating und jenen mit einem Baa-Rating ist auf mehr als drei Prozentpunkte gestiegen.

          Bei den Unternehmensanleihen trennt sich seit ein paar Monaten wieder die Spreu vom Weizen. Waren im Rahmen der allgemeinen, Kredit getriebenen Euphorie die Renditeunterschiede zwischen Anleihen der Unternehmen guter Bonität und weniger guter Bonität auf Rekordtiefs gefallen, so haben sie inzwischen deutlich zugenommen.

          Inzwischen haben nicht nur die Renditen von Unternehmensanleihen deutlich zugenommen, sondern die Renditedifferenz zwischen Papieren mit einem AAA-Rating und jenen mit einem Baa-Rating ist auf mehr als drei Prozentpunkte gestiegen.

          Renditedifferenz auf 25-Jahreshoch

          Sie hat das höchste Niveau seit knapp 25 Jahren erreicht. Höher war sie nur während der wirtschaftlichen Depression in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals erreichte sie Spitzenwerte von bis zu 5,5 Prozentpunkten.

          Die Entwicklung lässt sich auf zwei wesentliche Faktoren zurückführen. Erstens spielt die Kreditkrise eine Rolle. Sie zwingt sowohl Banken als auch Anleger dazu, die Refinanzierungsbedingungen der Unternehmen kritisch zu überprüfen, nachdem sie in den vergangenen Jahren außerordentlich generös gewesen waren. Zweitens befindet sich die globale Wirtschaft im ersten global synchronen Abschwung der Geschichte. Bisher ist trotz des geld- und fiskalpolitischen Aktionismus nicht erkennbar, wie stark er letztlich sein wird und wie lange er dauern wird.

          Der Abschwung führt jedoch dazu, dass sich die Gewinnaussichten der meisten Unternehmen weltweit deutlich eintrüben. So nimmt auch ihre Fähigkeit ab, Verbindlichkeiten bedienen oder sich so günstig wie bisher refinanzieren zu können. Das heißt, Unternehmen mit hohen Schulden und anstehendem Refinanzierungsbedarf geraten gleich doppelt in die Defensive. Aus diesem Grund wird kaum verwundern, dass die Anleger inzwischen vergleichsweise hohe Risikoprämien in Form der gebotenen Renditen verlangen.

          Unternehmensanleihen mögen attraktiv sein, aber nur selektiv

          Inzwischen raten zwar einige Anlagestrategen zum Kauf von gewählten Unternehmensanleihen. Sie inzwischen interessanter als Aktien und Staatsanleihen geworden, heißt es. Diese Einschätzung mag vereinzelt zutreffen, sofern sich die Weltwirtschaft so rasch und so deutlich wie in vergangenen Konjunkturzyklen von ihrer Schwäche erholen wird.

          Viele mögen daran zweifeln. Immerhin wurde die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten in den angelsächsischen und in vielen Schwellenländerstaaten von der zunehmenden Verschuldung der Konsumenten getragen. Nun sind sie vielfach überschuldet und müssen erst einmal ihre privaten Bilanzen sanieren. Das gilt vor allem auch für die amerikanischen Haushalte. Sie dürften künftig nicht mehr so viele Produkte aus Asien importieren, wie in den vergangenen Jahren. Das lässt einen raschen Aufschwung kaum erwarten.

          Erst am Mittwoch prognostizierte Moody's zudem eine Verdreifachung der Ausfallraten bei Unternehmenskrediten innerhalb der kommenden zwölf Monate. Eine Studie der Konkurrenz von Standard & Poor's (S&P) auf Basis von 800 europäischen Emittenten zeigt außerdem, dass die Zahl der Verstöße gegen Kreditbedingungen im vergangenen und laufenden Jahr gegenüber 2006 explosionsartig gestiegen ist. Diese Kombination von Faktoren legt nahe, beim Kauf von Unternehmensanleihen sehr selektiv vorzugehen, auch wenn sie optisch noch so reizvoll aussehen mögen. Das relevante Unternehmen sollte über robust Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft verfügen.

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