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Unternehmensanleihen : Privatanleger haben kaum Anteil am ABS-Boom

  • Aktualisiert am

Besichern Tickets für Wayne Rooney bald eine Anleihe? Bild: dpa

Unternehmensanleihen sind bei Emittenten derzeit weniger beliebt. En vogue sind dagegen verbriefte Forderungen, die den Klassikern mittlerweile den Rang abgelaufen haben. Indes haben Privatanleger davon eher wenig.

          5 Min.

          Finanzinvestoren sind nicht wählerisch. Womit ein Unternehmen letztlich Geld verdient, ist eigentlich gleichgültig, solange sich durch Kapitalmaßnahmen oder den Weiterverkauf Profit machen lässt.

          Das hat so mancher Firma ein hartes Los beschert und auch den Fußball-Club Manchester United nicht verschont. Als „ManU“ im Jahr 2005 vom amerikanischen Milliardär Malcolm Glazer für rund 1,1 Milliarden übernommen wurde, finanzierte dieser das mit Krediten zulasten des Vereins, der auf diese bis zu 20 Prozent Zinsen zahlen muss.

          Verbriefte Forderungen liegen im Trend

          Im Juli 2006 hatte der Verein seine jährlichen Zinskosten durch eine Umschuldung bereits um umgerechnet rund 42,4 Millionen Euro gesenkt, doch war die Gesamtkreditaufnahme im Gegenzug um 14 Prozent gestiegen.

          Nunmehr erwägt der Club die Zinsbelastung durch neue Maßnahmen zu senken. Im Gespräch ist wohl auch eine durch Eintrittskartenverkäufe unterlegte Anleihe, eine verbriefte Schuld, als Asset-Backed-Security (ABS) bezeichnet.

          Diese liegen derzeit auf dem Rentenmarkt im Trend. In Deutschland haben langfristige Verbriefungen im vergangenen Jahr Rekordzuwächse verzeichnet. Nach einer Übersicht der Rating-Agentur Moody's stieg die Zahl der Transaktionen gegenüber 2005 von 26 auf 54, das Risikotransfervolumen hat sich von 35 auf 67 Milliarden Euro annähernd verdoppelt.

          Hypotheken, Verbraucherkredite, Leasinggebühren

          Der Markt für strukturierte Finanzierungen gliedert sich in mehrere Segmente. Den größten Zuwachs verzeichneten 2006 Anleihen, die mit Krediten für Geschäftsimmobilien besichert sind (Commercial Mortgage Backed Securities, CMBS). Das Emissionsvolumen nahm von 5 auf 24,2 Milliarden Euro zu.

          Auf dem ABS-Markt gelten sie als mit einem etwas höheren Risiko behaftet. Nach Angaben der DZ Bank notieren AAA-Anleihen aus diesem Segment derzeit mit einem Spread von 18 bis 23 Basispunkten und BBB-Anleihen von 80 bis 90 Basispunkten.

          Ähnlich gepreist werden die Risiken riskanterer verbriefter Eigenheimhypotheken (Residential Mortgage Backed Securities, RMBS). Nachrangige britische und deutsche Papiere verzeichnen im AAA-Segment Spreads von 15 bis 18 Basispunkten und BBB-Anleihen von 75 bis 85 Basispunkten. Deutlich niedrigere Aufschläge verzeichnen dagegen niederländische und erstrangige britische Verbriefungen mit Spreads von zehn bis elf bzw. 45 bis 50 Basispunkten.

          Das zweitgrößte Marktsegment stellten 2006 aktivabesicherte Anleihen im engeren Sinne (Asset Backed Securities, ABS) mit 22 (Vorjahr 14) Milliarden Euro. Hinter dem Rekordemissionsvolumen stand vor allem die Verbriefung von Krediten an Mittelständler sowie von Verbraucherkrediten und Leasingeinnahmen. Hier zeigen die Spreads eine gewisse Breite. Im Allgemeinen gelten Leasingeinnahmen mit 13 bis 15 Basispunkten im AAA-Bereich als riskanter, rentieren doch verbraucherkreditbasierte ABS mitunter mit lediglich einem Aufschlag von neun Basispunkten.

          Günstigere Unternehmensfinanzierung

          Einen starken Zuwachs von 4,3 auf 9,1 Milliarden Emissionsvolumen gab es bei den Collateralized Debt Obligations (CDO), also Anleihen, die mit Krediten und ähnlichen Schuldtiteln besichert sind. Laut Moody's-Analyst Jörg Homey ist der deutsche Markt schneller gewachsen als der europäische. Hinter Großbritannien sei Deutschland 2006 in Europa der zweitgrößte Markt für strukturierte Verbriefungen gewesen. Abzuwarten bleibe, ob es 2007 hierzulande wieder so viele Großtransaktionen gebe wie im bisherigen Rekordjahr 2006.

          Hier kann der Renditeaufschlag schon einmal volle drei Prozentpunkte betragen, wie etwa bei CDOs auf ABS oder CDOs, bei denen es sich um derivative Verbriefungen handelt. Auch mit Anleihen oder Swaps besicherte Investment-Grade-CDOs erreichen bisweilen Spreads von 325 Basispunkten.

          Der Wert von ABS beruht auf dem Wert der unterlegten Forderungen, was auch die weite Spannbreite der Spreads begründet. Rein technisch müssen die Forderungsinhaber die Geldeingänge an die hinter den ABS stehenden Spezialgesellschaften weiterleiten, die die Forderungen bündeln und verwalten.

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