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Unternehmensanleihen : Premiere-Pläne ändern nichts am Risiko der KDG-Anleihen

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Kabel Deutschland ist hoch verschuldet Bild: KDG

Bis 2008 will Kabel-Deutschland-Chef Wahl in die schwarzen Zahlen vorstoßen. Dabei soll auch eine Kooperation mit Premiere helfen. Fortschritte sind nötig, denn die Schulden des Unternehmens sind hoch.

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          Junkbonds erfreuen sich wieder großer Beliebtheit. Nachdem sich im Rahmen der Konsolidierung zahlreiche Anleger daraus verabschiedeten, konnten die Kurse der Anleihen in den vergangenen Monaten wieder anziehen.

          So auch die Euro-Anleihe des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland, die von einem Höchstkurs im Mai bei 113,55 Prozent Ende Juni auf 107 Prozent gefallen war und nunmehr bei 111,33 Prozent wieder deutlich höher notiert.

          Operativer Gewinn im ersten Quartal geschrumpft

          Daß es dem Papier bislang nicht gelungen ist, an die alte Form anzuknüpfen, könnte vielleicht auch damit zusammenhängen, daß es dem Unternehmen nicht gelungen ist, in der Gewinnzone zu bleiben.

          Bild: FAZ.NET

          Nach den Ende August vorgelegten Zahlen für das erste Quartal des im April begonnenen neuen Geschäftsjahres hat Deutschlands größter Fernsehkabelnetzbetreiber in diesem Zeitraum einen Nettoverlust von 15,8 Millionen Euro verbucht, nachdem es im Vorjahreszeitraum noch einen Gewinn von 8,9 Millionen Euro gegeben hatte. Zugleich schrumpfte der operative Gewinn (Ebitda) auf 90,5 (107,4) Millionen Euro.

          Grund seien höhere Anlaufverluste im Geschäft mit Bezahlfernsehen und Internetzugängen. Der Umsatz legte dagegen um 5,8 Prozent auf 265,7 Millionen Euro zu. Die Abonnentenzahl für die KDG-Bezahlfernsehpakete hat sich auf 549.000 Kunden verdoppelt. Der Netzbetreiber hatte außerdem zur Jahresmitte mit 162.000 mehr als zehnmal so viel Kunden, die den Kabelanschluß auch als Internetzugang und zum Telefonieren nutzten.

          Harter Wettbewerb im „Triple Play“

          Diese sollen Kabel Deutschland (KDG) in etwa eineinhalb Jahren dazu verhelfen, auch unter dem Strich die Gewinnschwelle zu erreichen. „Ich hoffe, daß wir Anfang 2008 die Null-Linie durchstoßen werden“, sagte KDG-Chef Christof Wahl der Tageszeitung „Die Welt“ (Montagausgabe). Dazu sollen zusätzliche Geschäftsfelder beitragen.

          Große Hoffnungen setzt Wahl auf sogenannte Triple-Play-Angebote, also die Mischung aus Fernsehen, Telefon und Breitbandinternet aus einer Hand. Doch auch Telekommunikationsfirmen vermarkten zunehmend entsprechende Angebote, so daß die Konkurrenzsituation stark ist. Obendrein befinden sich die Kabelnetzbetreiber aufgrund ungleicher regulatorischer Voraussetzungen in der unterlegenen Position, so Firmenchef Wahl, der eine Änderung der Gesetzeslage fordert.

          Praktisch überschuldet

          Derzeit befindet sich KDG in intensiven Gesprächen mit dem Münchner Bezahlfernsehsender Premiere über eine Vermarktungskooperation. „Der Sender ist attraktiv, da Premiere über 3,5 Millionen Endkundenbeziehungen verfügt“, sagt Wahl. Vorstellbar sei beispielsweise, daß Premiere seinen Kunden KDG-Produkte anbietet.

          Im vergangenen Jahr belief sich der Verlust auf 76,8 Millionen Euro, nach 102,6 Millionen im Vorjahr und 151,9 Millionen im Geschäftsjahr 2003/2004, so daß die Tendenz deutlich nach oben geht. Allerdings hat das erste Quartal diese Hoffnungen nun ja nicht bestätigen können.

          Die einstige Telekom-Tochter KDG gehört dem Finanzinvestor Providence Equity Partners. Wie bei Käufen durch Finanzinvestoren üblich, ist das Unternehmen durch Anleiheschulden in hohem Umfang belastet. Die Gesellschaft ist im Grunde überschuldet. Zum 30. Juni 2006 betrugen die Verbindlichkeiten der Kabel Deutschland GmbH 2,49 Milliarden Euro, denen nur 1,66 Milliarden Euro an Vermögenswerten gegenüber stehen.

          Dies ist insolvenzrechtlich insofern nicht ausschlaggebend, als sich dieses danach richtet, ob die Fortführung des Unternehmens nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich ist. Das Defizit ist gegenüber dem ersten Quartal um zwei Prozent auf 827 Millionen Euro angewachsen. Im März 2005 betrug es noch 754,8 Millionen und ein Jahr davor 79,6 Millionen Euro.

          Vor allem Anleiheschulden drücken

          Dazu hat vor allem die Emission zweier Anleihen mit einem bilanziell wirksamen Volumen von seinerzeit 680,7 Millionen Euro im Juli 2004 beigetragen. Da der größere Teil in einer nicht in Deutschland handelbaren Dollar-Emission bestand, sind die Anleiheschulden aktuell auf 692,3 Millionen angewachsen.

          Die Euro-Tranche der Emission hat ein Volumen von 250 Millionen Euro und rentiert aktuell mit 8,893 Prozent. Sie wird 2014 fällig und ist wie die Dollartranche durch die Kabel Deutschland Vertrieb und Service GmbH & Co. KG besichert - allerdings nachrangig. Daher sind auch die Bankschulden mit „B+“eingestuft, die Anleihen indes nur mit „B-“.

          Hinzu kommt, daß die Muttergesellschaft Kabel Deutschland Holding GmbH & Co. KG noch schlechter dasteht. Ihre Schulden betrugen am 30. Juni fast drei Milliarden Euro, ihr Vermögen 1,67 Milliarden. Im Juli 2004 hatte diese eine variabel verzinsliche Dollar-Anleihe im Volumen von 755,6 Millionen Euro begeben, die zum Teil jetzt durch einen Kredit zu ähnlichen Konditionen abgelöst wurde. Die Anleihe wird gleichfalls mit „B-“ eingestuft.

          Anleihe vorzeitig kündbar

          Auf die Meldungen des Tages reagierte die Anleihe bislang nicht. So attraktiv scheinen aber die Anleihen von Kabelnetzbetreibern derzeit nicht zu sein. Das dürfte an der verschärften Konkurrenzsituation im Bereich der „Triple Plays“ liegen. Auch die Papiere der Unity Media, der Mutter von Arena, dümpeln derzeit seitwärts - trotz der Bundesligarechte.

          Und angesichts der enormen Verschuldung erscheint „Kaufen und Halten“ bei einer Laufzeit bis 2014 doch nicht unbedingt als die beste Empfehlung. Ein Lichtblick ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß die Anleihen vorzeitig kündbar sind, erstmalig zum 1. Juli 2009. Dann bringt die Anleihe zwar rund 1,8 Prozentpunkte weniger Rendite, doch läßt sich dies bei fünf Jahren weniger Laufzeit verschmerzen.

          Ob sich indes das Risiko lohnt, ist wieder eine andere Frage - zumal es Alternativen gibt. So rentiert die Anleihe der Grohe Holding bei einem Rating von „B+“ und vergleichbarer Laufzeit ähnlich hoch.

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