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Unternehmensanleihen : Perspektiven für GM-Gläubiger trüben sich ein

Schieflage Bild: AP

Während Kongress, Noch-Präsident Bush und Bald-Präsident Obama um Staatshilfen für Amerikas Autobauer rangeln, kommt General Motors jeden Tag der Pleite ein Stück näher. Doch auch mit einem Rettungspaket könnten die Gläubiger nicht aus dem Schneider sein.

          Es ist keine zwei Wochen her, da erlebten die Anleihenkurse der Finanzierungstochter GMAC des amerikanischen Autobauers General Motors (GM) deutliche Kursaufschläge. An einem Tag fielen Renditen um bis zu 25 Prozentpunkte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anlass war die Tatsache, dass die Finanzierungstochter eine Zusage der amerikanischen Notenbank Fed erhalten hatte, zur Teilnahme am Geldmarktprogramm zugelassen zu werden. Zudem hatte GMAC angekündigt, sich zu einer Bank wandeln zu wollen, was ihr die Möglichkeit eröffnen würde, Mittel aus dem Rettungspaket des amerikanischen Finanzministeriums zu beantragen und notleidende Subprime-Kredite zu verkaufen.

          Für Aktionäre bleibt nichts übrig

          Kredit-Analysten blieben seinerzeit zu recht vorsichtig. Die jüngsten Entwicklungen suggerieren, dass sie recht zu behalten scheinen. Die Anleihenkurse von GMAC und des Mutterkonzerns GM stehen stark unter Druck und geben bis zu 22 Prozent nach.

          Denn die Situation des Auto-Konzerns und seiner Finanzierungstochter hat sich weiter zugespitzt. Die Krone der negativen Entwicklung setzten am Montag die Analysten der Deutschen Bank auf, die das Kursziel für die GM-Aktie auf 0 Dollar senkten.

          Ohne ein Einschreiten der amerikanischen Regierung sei der Autobauer wahrscheinlich nicht in der Lage, seinen Betrieb in den Vereinigten Staaten über den Dezember hinaus zu finanzieren, schrieb Deutsche-Bank-Analyst Rod Lache in einer Studie. Selbst wenn GM einen Bankrott mit Hilfe des Staates abwenden könne, dürfte für die Aktionäre nichts übrig bleiben, begründete der Analyst sein neues Kursziel.

          Kein Geld, keine Lieferversicherungen

          Den Berechnungen des Analysten zufolge wird sich der Bestand an liquiden Mitteln bei GM bis Ende Dezember auf weniger als fünf Milliarden Dollar belaufen. Dieses Niveau dürfte Lache zufolge von im frühen Januar fälligen Verbindlichkeiten überbelastet werden. Barclays-Analyst Brian Johnson senkte sein Kursziel für die GM-Aktie auf 1 Dollar. Er rechnet ohne Staatshilfe mit Liquiditätsnöten im ersten Quartal 2009. GM hatte erst am Freitag davor gewarnt, ohne staatliche Hilfen womöglich bis zur Jahresmitte 2009 pleite zu sein.

          Der internationale Kreditversicherer Euler Hermes hat den Lieferanten von GM und Ford mittlerweile den Versicherungsschutz aufgekündigt. Weil das Risiko zu groß sei, dass die Konzerne die Rechnungen ihrer Zulieferer nicht mehr bezahlen, seien die Lieferungen bereits seit zwei Wochen nicht mehr versichert. Die Lieferanten könnten daher in Zukunft dazu übergehen, nur noch gegen Vorkasse zu liefern oder extrem kurze Zahlungsziele setzen.

          Opel und Delphi in Not

          Und was für die Mutter schon existenzbedrohend ist, könnte für die Töchter tödlich sein. Die Adam Opel AG wandte sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel und bat um Hilfe für die Automobilindustrie in Europa. GM Europa, zu der auch Saab gehört, solle nächstes Jahr 750 Millionen Euro einsparen, die Beschäftigten auf Lohnerhöhungen verzichten, wird kolportiert. Opel leidet darunter, dass GM durch Verrechnung Verluste aus den Vereinigten Staaten nach Europa abschiebt.

          Auch für den Automobilzulieferer Delphi, der sich bereits im Konkursverfahren befindet, ist es eng. Zwar verbuchte Delphi im dritten Quartal einen Gewinn von 5,2 Milliarden Dollar, doch wurden dabei Hilfszahlungen von GM verbucht. Tatsächlich fiel der Umsatz im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar und hätte ohne die Zahlungen von GM abermals einen Verlust verbucht. GM hält es selbst für unwahrscheinlich, dass Delphi das Konkursverfahren in der kurzen Frist abschließen kann - wenn dies überhaupt möglich sei.

          Rescap auf der Kippe

          Ähnliche Zweifel hegt man angesichts eingefrorener Kreditmärkte für Residential Capital (Rescap), die Hypothekentochter von GMAC. GM ist noch zu 49 Prozent an GMAC beteiligt. Rescap, einst zwölftgrößter Kreditgeber für Schuldner schlechter Bonität (Subprime), ist die Hauptursache für GMACs Überlebenskampf.

          Laut GM musste der Hypothekenfinanzierer erst vor kurzem seine Position beim größten Aufkäufer und Garanten von Hypothekenkredite, Fannie Mae, stützen. Rescap hinterlegte weitere 200 Millionen Dollar an Sicherheiten und verkaufte die Zahlungsströme für ein Kreditvolumen von 12,7 Milliarden Dollar, das Rescap als Dienstleister für Fannie Mae verwaltet. .

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