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Unternehmensanleihen : Neue Banken-Ratings von Moody's machen Anleihenkauf nicht einfacher

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Bild: FAZ.NET

Die Agentur Moody's hat ihre Ratring-Methodik für die Beurteilung der Banken-Bonität geändert. Für die Anleger macht dies die Dinge nicht einfacher: sie müssen künftig mit zum Teil deutlichen Rating-Diskrepanzen leben.

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          Ratings gehören zum A und O des Anleihenmarkts. Das Urteil einer anerkannten Agentur entscheidet darüber, in welchen Dimensionen sich die Finanzierungskonditionen eines Unternehmens bewegen und ob Anleger zu einem bestimmten Papier greifen oder nicht.

          Insofern ist von einschneidender Bedeutung, wie diese Ratings überhaupt entstehen und so kann jede Änderung an der Methodik zu deutlichen Verschiebungen am Aktienmarkt führen. Bereits Mitte 2005 hatte die Agentur Moody's bekannt gemacht, dass man die Ratingmethodik für Banken überarbeiten werde. Den neuen Ansatz hat das Unternehmen am vergangenen Wochenende veröffentlicht und damit begonnen, die ersten Ratings von Banken zu ändern.

          Unterstützungen spielen künftig eine bedeutendere Rolle

          Grundlage der Neubeurteilung ist die Ansicht der Agentur, dass bei der Beurteilung die Wahrscheinlichkeit externer Unterstützungsmechanismen stärker zum Tragen kommen sollte. Das Stichwort lautet verbundene Ausfallanalyse „Joint Default Analysis“ und soll potentielle Quellen der Unterstützung von außen in die Beurteilung einbringen, so dass das Langfristrating stärker auf der Analyse der finanziellen Stärke basiert..

          Konkret geht es dabei sowohl um die Unterstützung eines Instituts im Konzernverbund oder einem Verband wie etwa bei den Genossenschaftsbanken als auch die durch staatliche Stellen oder innerhalb des Finanzsystems in Form der Bereitstellung von Liquidität, Bilanzhilfen, regulatorischen Vergünstigungen oder der Neigung durch Ad-hoc-Maßnahmen wie Fusionen oder Rekapitalisierungen einzugreifen.

          Jede dieser Quellen wird nach ihrem eigenen Rating beurteilt, der Wahrscheinlichkeit, dass Unterstützung gewährt wird und schließlich der gemeinsamen Ausfallwahrscheinlichkeit der Bank und der unterstützenden Einheit. Der Nutzen systemischer Unterstützungen sei bisher unterschätzt worden.

          Ungewöhnliche Resultate

          Bereits am Wochenende hat Moody's die Ratings einiger Banken angepasst. So wurde das Rating für die niederländische ABN Amro von AA3 auf Aa1 und für die finnische Sampo Bank sogar von Aa2 auf Aaa heraufgesetzt. In der Folge zogen die Kurse der Anleihen an.

          Indes sind nicht alle Marktteilnehmer davon sonderlich begeistert, so die Analysten der Raiffeisen Zentralbank (RZB). So wird eingewendet, der neue Ratingansatz führe zu teilweise ungewöhnlichen Ergebnissen. Beispielsweise wurde die isländische Kaupthing Bank äquivalent zum Rating des Staates Island auf Aaa heraufgestuft und verfügt damit über ein gleichwertiges Rating wie die Vereinigten Staaten, das zudem über dem der wesentlich größeren ABN Amro liege, die über erheblich mehr Erfahrung verfüge.

          Für die RZB-Analysten gewinnen dadurch die Ratings anderer Agenturen an Bedeutung, da sie nunmehr Bonitätsunterschiede deutlicher machten, nicht zuletzt auch deswegen, weil nun zwischen dem Rating von Moody's und jenem anderer Agenturen eine große Diskrepanz, bestehen werde.

          Deutliche Diskrepanzen

          So vergibt Fitch, ebenso wie Standard & Poor's für ABN Amro das Rating „AA-“, was dem früheren Moody's-Rating von „Aa3“ entspricht. Für die Kaupthing Bank lautete es aber „A“ und liegt damit fünf Stufen unter der neuen Moody's-Note. S&P ratet die Kaupthing Bank nicht.

          Was aus der Sicht von Moody's sicherlich gut und richtig sein mag, ist für die Käufer von Bank-Anleihen, vor allem aus dem Kreis der Privatanleger zunächst einmal nicht sehr hilfreich. Schon bisher war den meisten Privatanlegern die Methodik relativ gleichgültig. Sie verließen sich einfach auf die Aussagekraft der Note.

          Wenn sie die Noten verschiedener Agenturen verglichen, so doch meistens nur um einen Konsens oder Durchschnitt festzustellen. Die Aussagekraft eines sogenannten „Composite Rating“, das nunmehr fünf Rating-Stufen zu überbrücken hat, wird beeinträchtigt, lautete es doch im Falle Kaupthing „AA“ und läge damit im Niemandsland der Beurteilung.

          Anlegern wird daher nichts weiter übrig bleiben, als bei Bank-Anleihen eben doch mehrere Ratings zu vergleichen und sich über gegebenenfalls auftretende Differenzen eine Meinung zu bilden. Das macht den Anleihenkauf nicht unbedingt einfacher. Positiv gewendet könnte es natürlich zu durchdachteren Entscheidungen zwingen, obwohl, wie die RZB-Analysten schreiben, die Verunsicherung unter den Marktteilnehmern derzeit jedoch groß ist.

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