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Unternehmensanleihen : Nachdenken bei Neuemissionen

Bild: F.A.Z.

Urplötzlich sind Privatanleger wieder gefragt. Die jüngste Flut an Unternehmensanleihen glänzt wieder mit niedrigen Stückelungen. Doch gerade das lässt stutzen.

          Es ist schon auffällig, wie sich der Usus bei Anleihenemittenten verändert. Während der Finanzkrise wurde die überwältigende Mehrzahl der Anleiheemissionen mit kurzen Laufzeiten unter 5 Jahren und Mindestanlagesummen und Stückelungen von 1000 Euro begeben - mundgerecht für Privatanleger, die seinerzeit nach sicheren Anlagen strebten, derweil institutionelle Investoren noch damit beschäftigt waren, ihre Depots zu restrukturieren und deren Interesse an Neuemissionen eher gering war.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Je mehr sich die Verhältnisse stabilisierten, um so rarer wurden solche Emissionen: Die Laufzeiten stiegen, die Mindestanlagesummen schossen auf 50.000 und 100.000 Euro in die Höhe. Privatanlegern bleiben fast nur noch Mittelstandsanleihen. Doch in den vergangenen Wochen hat sich das Blatt erneut gewendet: Ob Gerresheimer oder Würth, Gea oder Lanxess, plötzlich kommen von allen Seiten wieder Neuemissionen mit geringen Mindestanlagesummen.

          Angst vor höheren Zinsen und griechischen Erschütterungen

          Häufig gehörte Begründung für so manch überraschende Emission ist, man wolle das derzeit noch günstige Kapitalmarktumfeld nutzen. Denn die EZB hat deutlich gemacht, dass sie die Zinsen heraufzusetzen gedenkt, was die Kapitalbeschaffung verteuern wird. Und noch eines beschäftigt die Unternehmen: Niemand wisse, wann Griechenland zahlungsunfähig werde und sich damit das Umfeld verschlechtere, sagte Hans-Peter Haselsteiner, Vorstandsvorsitzender des österreichischen Baukonzerns Strabag.

          Doch offenbar ist auf institutionelle Investoren dabei kein Verlass mehr und daher sind Privatanleger plötzlich wieder gefragt, wenn es darum geht mit einem schwachen Investment-Grad-Rating noch schnell einen Fünfprozenter mit siebenjähriger Laufzeit unterzubringen oder gar wie der österreichische Mineralölkonzern OMV eine 2049 fällige Hybrid-Anleihe mit einem bis 2018 fixierten Zins von 6,75 Prozent.

          Neuemissionen eher weniger attraktiv

          Angesichts dieser Entwicklung ist doch zu überlegen, ob sich Privatanleger bei den Emissionen, die etwa im Mittelfeld dessen gepreist sind, was der Markt hergibt, manchmal sogar noch etwas besser, beteiligen sollten oder nicht darauf spekulieren, dass noch lukrativere Gelegenheiten kommen. Allerdings steht dann zu befürchten, dass sie dann wieder im Regen stehen, weil die Papiere bei institutionellen Investoren wieder leichter und rascher unterzubringen sind.

          Die jüngsten Emissionen sind für Privatanleger zudem nicht besonders attraktiv. Der Industriegase-Hersteller, dessen Anleihen von Moody's in der Regel ein Rating von „A3“ im mittleren Investment-Grad-Bereich erhalten, bietet eine Anleihe zu 3,875 Prozent an - dies allerdings mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Vergleichen mit anderen Anleihen dieser Rating-Kategorie ist die Rendite der Linde-Anleihe mit 3,93 Prozent eher niedrig. Auch die Rendite der jüngsten Anleihe des Bierkonzerns Anheuser-Busch Inbev liegt mit 4,1 Prozent unter der vergleichbarerer Anleihen.

          Diese Abschläge sind zwar eher geringfügig. In einem Umfeld steigender Zinsen aber dürften die Kurse auch dieser Anleihen weiter nachgeben und so sind sie gerade aufgrund ihrer langen Laufzeiten derzeit vielleicht nicht die erste Wahl für Anleihenkäufer. Das gilt allerdings auch für ältere Anleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit.

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