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Unternehmensanleihen : Morales kann Ölanleihen nichts anhaben

  • Aktualisiert am

Enteignet: Repsol soll in Bolivien nicht mehr Eigentümer der Anlagen sein Bild: Repsol YPF

Politisch sorgte Boliviens Präsident durch die Verstaatlichung der Gas- und Ölindustrie für Aufsehen. An den Anleihemärkten wurde er dagegen kam bemerkt. Die Anleihen der betroffenen Firmen zeigen sich unbewegt.

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          Die Inhaber von Anleihen des spanisch-argentinischen Öl- und Gaskonzern Repsol YPF kommen auch nicht so recht zur Ruhe. Zunächst gerieten die Rentenpapiere vor einigen Monaten unter Druck, weil der Konzern einräumen mußte, daß die nachgewiesenen Reserven um 25 Prozent niedriger waren als bis zu diesem Zeitpunkt ausgewiesen, weil durch Gesetzesänderungen in Bolivien Felder unprofitabel wurden und daher aus der Bewertung herausgenommen werden mußten.

          Dann trieben Übernahmegerüchte die Kurse wieder nach oben. Jetzt beunruhigt die Verstaatlichung der Erdgasindustrie die Anleger abermals, nachdem die neue bolivianische Regierung Ernst mit ihrer Ankündigung machte, sämtliche Öl- und Gasreserven auf ihrem Territorium als ihr Eigentum zu reklamieren.

          „Schlimmer als erwartet“

          Indes hatte Repsol durch die Abschreibungsmaßnahmen im Februar für den Fall schon größtenteils vorgesorgt. Europas fünfgrößtes Ölunternehmen und Boliviens größter Gasproduzent hatte seinerzeit bereits einen Investitionsstop in Bolivien verhängt. Repsol hat in dem Andenstaat mehr als eine Milliarde Dollar seit 1995 investiert.

          Bild: FAZ.NET

          Ein anderer betroffener Produzent ist die brasilianische Petrobras, die in Bolivien 1,5 Milliarden Dollar investiert hat. Petrobras kontrollierte bisher beide bolivianische Raffinerien und damit die gesamte Benzin- und 60 Prozent der Dieselölproduktion des Landes.

          „Das ist schlimmer als erwartet“, sagt Lucrecia Tam, Ölanalystin bei der Deutschen Bank. Sie erwartet Abschreibungen in den Bilanzen. Wenngleich auch Brasilien die Hälfte seines Erdgasverbrauchs durch Importe aus Bolivien deckt, so machen die dortigen Reserven nur 2,8 Prozent der Öl- und Gasvorkommen unter Verfügungsgewalt von Petrobras aus.

          „Für diese Unternehmen kaum ein Unterschied“

          Pavel Molchanov, Analyst bei Raymond James sieht die Dinge daher eher gelassen. „Bolivien kann durch diese Maßnahme seine Einnahmensituation verbessern. Aber für diese Unternehmen macht das kaum einen Unterschied.“ Was Wunder also, wenn die Anleihen von Repsol und anderen Ölfirmen am Dienstag eher unbeeindruckt blieben, zum Teil sogar zulegten.

          Und so liegt es weniger an Boliviens Präsident Morales, denn an der Rendite der Anleihen, daß sich Repsol-Anleihen eher von der weniger attraktiven Seite zeigen. Anleihen mit einem Rating von „Baa1“. So rentiert die siebenjährige Repsol-Anleihe mit aktuell 4,64 Prozent. der Tabakkonzern B.A.T. bietet dagegen 4,7 Prozent bei nahezu identischer Laufzeit und geringerem Zinsrisiko. Keine direkten Alternativen gibt es zur vier- und achtjährigen Anleihe.

          Petrobras hat lediglich auf Dollar lautende Anleihen auf dem Markt. Die hochverzinslichen Bonds haben aufgrund unterschiedlicher Ausgestaltung unterschiedliche Ratings. Empfehlenswerter sind dabei jedenfalls die A2-Anleihen. Von der Rendite her sind sie vergleichbaren Vodafone-Anleihen deutlich überlegen. Indes will angesichts des volatilen Dollars und schwacher Anleihenmärkte eine Investition in Dollar-Bonds sehr gut überlegt sein. Zieht man das Risiko in betracht, so sind Repsol-Anleihen letztlich attraktiver.

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