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Unternehmensanleihen : Lego erwägt Anleihenemission

Lego als Völkerverständigung: Dänemarks Kronprinz Henrik in Vietnam Bild: AFP

Der Spielzeughersteller Lego erwägt die Begebung einer Anleihe. Dies wäre ein großer Schritt für das bisher so sehr auf seine Eigenständigkeit bedachte Unternehmen.

          Das Management des weltbekannten Spielzeugherstellers Lego denkt offenbar über den Gang an den Kapitalmarkt nach. In einem Online-TV-Interview bezeichnete Finanzvorstand Sten Daugaard die Begebung einer Unternehmensanleihe als „Möglichkeit“, um neue Projekte zu finanzieren, falls das momentan noch sehr starke Wachstum nachlassen sollte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Moment könne das Unternehmen sein Wachstum aber noch aus dem Cashflow finanzieren. Einen Börsengang schloss Daugaard hingegen kategorisch aus: „Die Eigentümerfamilie hat kein Interesse daran, Anteile abzugeben“, sagte er Finance-TV.

          Ein Wandel in der Unternehmenskultur

          Damit deutet Daugaard ein Umdenken der Führungsspitze des dänischen Konzerns an, denn bislang ist Lego noch nicht am Kapitalmarkt vertreten. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass bei dem bisher eher zurückhaltenden Spielzeughersteller eine neue Ära beginnt.

          Diese zeigt sich auch in einer tiefgreifenden Umstrukturierung der Führungsebene zu Beginn des neuen Jahres, mit der die Flexibilität und die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns erhöht werden soll. Dem Vorstandsvorsitzenden Jørgen Vig Knudstorp sollen künftig insgesamt 21 weitere Führungsmitglieder zur Seite stehen. Im Zuge der personellen Neuordnung wird Daugaard, der 2008 vom Wiesbadener Graphitelektroden-Hersteller SGL kam, allerdings ausscheiden.

          Lehren aus der Existenzkrise

          Laut Daugaard ist es künftig zentrale Aufgabe des Managements, das Wachstum zu fokussieren und zu verhindern, dass sich eine Unternehmenskrise wie Mitte des vergangenen Jahrzehnts wiederholt, als sich Lego mit zahllosen neuen Projekten hoffnungslos verzettelt hatte und ernsthaft in Schieflage geraten war.

          Zwischen 2002 und 2004 schrumpfte der Umsatz um ein Drittel auf 6,7 Milliarden Kronen (905 Millionen Euro), nach einem Gewinn von 326 Millionen Kronen im Jahr 2002 folgten zwei Verlustjahre mit einem Minus von insgesamt 2,86 Milliarden Kronen. Vor allem die Themenparks hatten dem Konzern hohe Verluste eingebracht, ausgenommen der im heimischen Billund.

          Auf Wachstumskurs

          Mit knapper Mühe konnte Lego damals seine Eigenständigkeit bewahren. „Wir achten stark darauf, dass Lego das Kerngeschäft nicht ein weiteres Mal aus den Augen verliert“, sagte Daugaard. „Wir haben aber die Herausforderung, dass unser Markt nur so stark wie die Weltwirtschaft wächst.“

          Nichtsdestoweniger bezifferte der Däne das Umsatzwachstum für das laufende Jahr auf mehr als 20 Prozent im Umsatz. Damit ernte Lego die Früchte des größten Investitionsprogramms der Konzerngeschichte, das Lego in den vergangenen drei Jahren aufgesetzt hat.

          Im vergangenen Jahr war der Umsatz des Familienunternehmens um 37 Prozent auf 16 Milliarden Kronen (2,14 Milliarden Euro) gestiegen. Dabei hatte Lego einen um 69 Prozent höheren Reingewinn von 3,7 Milliarden Kronen (496 Millionen Euro) erzielt. Vor allem in Amerika, Großbritannien, Russland und Osteuropa war Lego sehr gefragt gewesen. Der Anteil am Weltmarkt für Spielwaren war von 4,8 auf 5,9 Prozent gestiegen.

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