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Unternehmensanleihen : KfW-Anleihen sind gefragt

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Bild: FAZ.NET

Anleihen der staatlichen Förderbank KfW erfreuen sich im derzeitigen Börsenumfeld großer Beliebtheit. Auch auf Wechselkurse lässt sich mit ihnen spekulieren.

          Risikoaversion heißt das Gebot der Stunde am Anleihenmarkt. Mit einem Mittel von 12,564 Prozent rentieren europäische C-Anleihen so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. Nicht anders sieht es für B- und BB-Anleihen aus.

          Entspannung gibt es dagegen im A-Bereich. Hier erreichten die Indizes ihre Höchststände Ende Dezember und haben seit dem deutlich nachgegeben. Nichtsdestoweniger notieren sie mit dem Stand von Anfang Dezember wesentlich höher als noch vor fünf Jahren.

          Großes Interesse an Neuemission

          Je besser das Rating aber, um so kauffreudiger die Anleger. Auch A-Anleihen verzeichneten im Dezember zwar ein Fünf-Jahres-Renditehoch, notieren aber mittlerweile wieder unter dem Niveau des Frühherbstes.

          AAA-Anleihen haben sich dagegen schon lange wieder beruhigt. Seit dem ersten Schreck im vergangenen Sommer, der auch ihr Renditeniveau auf ein Fünf-Jahres-Hoch trieb, sind ihre Renditen wieder auf ein deutlich niedrigeres Niveau gesunken, wenn auch der Handel volatil bleibt was in vierteljährlichen, regelmäßigen vorübergehenden Renditeausweitungen niederschlägt.

          Davon profitiert unter anderem die staatliche Förderbank KfW, die nach eigenem Bekunden mit ihrer ersten Euro-Benchmark-Anleihe in diesem Jahr auf rege Nachfrage gestoßen ist. Das Institut sammelte für den Bond mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei Investoren fünf Milliarden Euro ein, wie die KfW am Mittwoch mitteilte. Die Anleihe wird mit einem Kupon von 4,375 Prozent verzinst. Das entspreche einem Renditeaufschlag von 29,3 Basispunkten über der vergleichbaren zehnjährigen Bundesanleihe.

          Höherer Refinanzierungsbedarf wegen IKB-Krise

          Trotz des schwierigen Marktumfelds habe sich das Orderbuch zügig gefüllt, erklärte die KfW. 82 Prozent der Anleihe seien in Europa plaziert worden. Zwölf Prozent entfielen auf Asien, sechs Prozent auf Nordamerika.

          Auch für den geplanten Dollar-Bond fänden sich zahlreiche Abnehmer. Die dreijährige Benchmark-Anleihe soll nach Angaben von an der Transaktion beteiligten Banken mit einem Volumen von fünf Milliarden Dollar kommen und mit einem Kupon von 3,25 Prozent verzinst werden. Der Renditeabschlag soll 23 Basispunkte unter Swapmitte betragen.

          Die Anleihen sind Teil eines 70 Milliarden Euro umfassenden Refinanzierungsprogramms der Förderbank für dieses Jahr. Der Kapitalbedarf liegt zehn Prozent höher als 2007. Einer der Gründe dafür ist die Krise der IKB, für die die KfW als Hauptaktionär mit Milliardensummen für Risiken vorsorgen musste.

          Käufer springen ab

          Dies ist auch eine der Hauptsorgen, wohl nicht nur des Konzerns, sondern auch der Anleger. Denn nach der Commerzbank verlieren nun offenbar auch die Genossenschaftsbanken das Interesse an einer Übernahme der durch die Kreditkrise angeschlagenen Mittelstandsbank. „Das Interesse des genossenschaftlichen Verbunds ist heute sicher nicht mehr so groß wie noch vor einigen Monaten“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Christopher Pleister, der Tageszeitung „Die Welt“ von Donnerstag. „Die Ereignisse der vergangenen Monate haben die Attraktivität der Bank stark relativiert“, fügte er hinzu.

          Die IKB hatte erst Anfang der Woche mitgeteilt, sich eine Finanzspritze von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) besorgt zu haben. Die Staatsbank kaufte demnach eine Wandelschuldverschreibung, die der Düsseldorfer Bank 54 Millionen Euro brachte, komplett auf. Diese Transaktion war den Angaben zufolge Teil eines im November vereinbarten Rettungspakets.

          Der Anteil der KfW am IKB-Grundkapital wird sich nach der Wandlung von 37,8 auf bis zu 43,4 Prozent erhöhen -ganz im Gegensatz zum geforderten Rückzug der Förderbank aus dem maroden Institut. Die IKB rechnet wegen einer weiteren Änderung des Jahresergebnisses für 2006/07 mit einem weiteren Ergebnisrückgang.

          Rating basiert auf dem des Staates

          Die wesentliche Basis des Ratings der KfW ist aber nicht ihr eigenes Geschäftsmodell, als die staatliche Beteiligung, so dass ihr Rating im Grunde eine Reflektion des Ratings des Bundes ist. Solange dieser sein AAA-Rating behält und sich an den Eigentumsverhältnissen bei der KfW nichts ändert, muss schon viel geschehen, damit die Bonität der Förderbank niedriger eingestuft wird.

          Anleihen der KfW gibt es in zahllosen Währungen, so dass sie sich aufgrund des stabilen Ratings gut für Devisenspekulationen eignen. Indes hat sich das Spektrum eingeengt. Ausgelaufen sind oder werden bald beispielsweise die Anleihen in botswanischen Pula oder rumänischen Leu. Gerade erstere war für die KfW kein schlechtes Geschäft, fiel doch der Wert des Pula gegenüber dem Euro um rund vierzig Prozent während der Laufzeit.

          Für Devisenspekulationen geeignet

          Gefragt sind in jüngster Zeit vor allem die Franken-Anleihen. Das ergibt dahingehend Sinn, als dass die Risikoaversion zu einem Rückgang der in Franken ausgeführten Carry Trades geführt hat und gleichzeitig durch die anziehende Inflation in der Alpenrepublik sich eine gewisse Zinsphantasie ergeben hat. Zudem suchen die Pensionsfonds des Landes, dessen Rentensystem auf einer kapitalgedeckten Basis operierte nach sicheren Anlagemöglichkeiten.

          Der Großteil des Handels mit den Papieren findet auch in der Schweiz statt. Die deutschen Kurse weichen davon mitunter deutlich ab, wenngleich in beiden Richtungen. Alternativen bieten sich gerade in Franken durch Papiere der Österreichischen Kontrollbank, die bei vergleichbarerer Sicherheit mit leichten Renditeaufschlägen gehandelt werden.

          Euro-Papiere beider Emittenten eigen sich durchaus als sicherer Hafen. Indes dürfte ihre Attraktivität angesichts teilweise deutlicher Über-Pari-Kurse leiden, sobald an den Börsen wieder Ruhe und Sicherheit einkehrt. Indes könnte das noch etwas dauern.

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