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Unternehmensanleihen : In der Versicherungskrise

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Herabstufung des Ratings des Anleihenversicherers Ambac hat nicht nur die Aktienkurse ins Rutschen gebracht. Auch die Renditeaufschläge und Ausfallraten von Unternehmensanleihen dürften im Zuge dieser Krise weiter steigen.

          Schon am Donnerstag schickte die Ankündigung der Ratingagentur Moody's dem Anleihenversicherer Ambac die beste Bonitätsnote Aaa zu entziehen, den Kurs der Aktie des Unternehmen aus Talfahrt und bis über 60 Prozent ins Minus. Auch der Aktienkurs des Wettbewerbers MBIA fiel um mehr als 30 Prozent.

          Gleichzeitig wurde an den Finanzmärkten das Risiko deutlich höher eingeschätzt, dass die Firmen zahlungsunfähig werden. Bei Ambac sind Bonds im Wert von über 550 Milliarden Dollar versichert, insgesamt versichert die Branche Anleihen im Volumen von 2,5 Billionen Dollar.

          Druck auf Anleiheversicherer nimmt zu

          Senken die Ratingagenturen die Einstufung der Firmen, sind davon gleichzeitig auch viele der von ihnen versicherten Anleihen betroffen. Viele Anleger müssen die Papiere in ihren Portfolios dann neu bewerten. Die auch als Monoliner bekannten Firmen haben auch Garantien für mit Hypotheken besicherte Anleihen übernommen, die wegen der Krise am Immobilienmarkt vermehrt ausfallen. Das führt nun zu Verlusten, die am Kapital der Versicherer zehren.

          Ambac hatte am Mittwoch noch eine Kapitalerhöhung um mindestens eine Milliarde Dollar sowie eine Dividendenkürzung um zwei Drittel angekündigt, um sein Kapital zu stärken. Die Firma musste die Kapitalbeschaffung nunmehr absagen.

          Beobachter werteten die Ankündigung als weiteres Zeichen dafür, dass Ambac seine Top-Note verlieren könnte. Nägel mit Köpfen machte bereits die Agentur Fitch, die das Rating auf „AA“ herabsetzte und damit auf die Absage der Kapitalerhöhung reagierte. Im Dezember hatte Fitch erklärt, eine Senkung des „AAA“-Ratings zu prüfen, falls es Ambac nicht gelänge, binnen sechs Wochen eine Milliarde Dollar frisches Kapital zu besorgen.

          „Bedeutsame Unsicherheiten“ hinsichtlich des Geschäftsmodells

          Schon Mitte Januar hatte Ambac eine Milliarde Dollar durch den Verkauf von nachrangigen Schuldverschreibungen (“surplus notes“) eingenommen und im Dezember mit dem Finanzinvestor Warburg Pincus eine Beteiligung in Höhe von einer weiteren Milliarde Dollar vereinbart. Die Rendite der „surplus notes“ stieg am Freitag auf 25 Prozent, die der bis 2037 laufenden und mit 6,15 Prozent verzinsten Anleihe auf 17,6 Prozent.

          Es gebe „bedeutsame Unsicherheiten“ hinsichtlich des Unternehmens, des Geschäftsmodells und der strategischen Ausrichtung, schreibt nun Fitch. Ein Dreifach-“A“-Rating ist für das Geschäftsmodell des Anleiheversichers von besonderer Bedeutung, da Ambac Zins- und Kapitalzahlungen von Anleihen versichert. Top-Bonitätsnoten sind Voraussetzung für das Geschäftsmodell der Bond-Versicherer, da sie damit Zins- und Rückzahlungen von Anleihen garantieren können.

          Damit gilt auch der Schutz von Anleihekäufern durch bei Ambac abgeschlossene Policen als nicht mehr so sicher wie zuvor, denn wenn die Versicherer ausfallen, so wird der Schutz ungewisser oder ganz hinfällig.

          Herabstufung könnte „Anfang des Zusammenbruchs“ sein

          Die sieben ursprünglich mit „AAA“ bewerteten Kreditversicherer versichern einen Markt von 2,4 Billionen Dollar. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg beziffert die möglichen Verluste für die Anleger und Kreditnehmer auf 200 Milliarden Dollar, sollten alle Versicherer ihre Spitzennoten verlieren.

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