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Unternehmensanleihen : Höherstufung bestätigt guten Weg von ABB

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Bild: FAZ.NET

Der Schweizer Maschinenbauer ABB hat seine Krise endgültig überwunden. Statt einer exorbitanten Verschuldung wie vor fünf Jahren verfügt das Unternehmen wieder über ein Nettofinanzvermögen. Das macht sich auch im Rating bemerkbar.

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          Wenn ein Konzern in die Krise gerät, ist dies für Anleiheinhaber und Aktionäre allles andere als erfreulich. Die Kurse stürzen ab und Anleiheinhaber müssen um ihr eingesetztes Kapital bangen.

          Auch die Gläubiger des 1988 aus der Fusion der schwedischen Asea mit der schweizerischen BBC Brown Boveri hervorgegangenen Konzerns ABB haben solche schweren Zeiten hinter sich gebracht.

          2002 geriet der Technologiekonzern in eine schwere Krise, als das Gearing, also das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital bei ener Nettoverschuldung von über fünf Milliarden Dollar den Wert 4,0 erreichte.

          Im Zuge der Krise fiel das Rating der Anleihen innerhalb von nur einem Jahr von ehemals Aa2 im Moody's-Ranking bis auf B1 und damit von der drittbesten Note um elf Stufen tief in den spekulativen Bereich.

          Seitdem aber wurde die Wende geschafft. Gruppengesellschaften im Gesamtvolumen von rund fünf Milliarden Dollar wurden teilweise mit erheblichem Verlust verkauft. Damit wurde aber erreicht, dass der Umsatz nunmehr wieder steigt. 2005 wurde wieder ein Nettogewinn erwirtschaftet und die Nettoverschuldung unter eine Milliarde Dollar gedrückt. Auch der frei Cashflow ist seitdem wieder positiv.

          Heute verfügt ABB über flüssige Mittel von fünf Milliarden Dollar, eine gute Ertragskraft und eine deutlich verbesserte Kapitalstruktur. Der in den Bereichen Energie- und Automationstechnik zu den führenden Anbietern gehörende Konzern konnte aufgrund des weltweit günstigen Absatzklimas und aufgrund des Erfolgs der Restrukturierungs- und Kostensenkungsprogramme 2006 den Umsatz um elf Prozent auf 24,4 Milliarden Dollar erhöhen und dabei den Gewinn von 735 Millionen auf 1,39 Milliarden Dollar beinahe verdoppeln.

          Die Ebit-Marge (vor Zinsen und Steuern) wurde von 8,1 Prozent auf ansprechende 10,6 Prozent verbessert. Sämtliche Sparten mit Ausnahme der Division Robotics die für 2009 gesetzten Margenziele bereits jetzt. Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit stieg von einer Milliarde Dollar auf 1,94 Milliarden.

          Von Nettoschulden zum Nettoguthaben

          Zusammen mit der frühzeitigen Wandlung einer Anleihe im Volumen von 968 Millionen Dollar konnte ABB damit aus der Nettoverschuldung von 513 Millionen Dollar im Jahr 2005 ein Nettofinanzvermögen von 1,5 Milliarden Dollar machen, so dass das Gearing nunmehr im negativen Bereich liegt.

          Die deutlich gesteigerte Ertragskraft und der verbesserten Kapitalstruktur bewogen nunmehr auch die Rating-Agentur Standard & Poor's die Bonitätsnote von BBB- auf BBB+ anzuheben und damit den Schritt nachzuvollziehen, den Moody's bereits im Dezember vorgenommen hatte.

          Dass die Bonitätsnote noch immer so deutlich unter dem früheren Niveau liegt, ist indes der Eigenkapitalquote geschuldet, die sich zwar von 15,6 auf 24 Prozent erhöhte, aber nach wie vor verbesserungswürdig ist. Zudem, so die Analysten der Züricher Kantonalbank, beläuft sich der Anteil des Firmenwerts am Eigenkapital auf relativ hohe 42 Prozent.

          Anleihen erscheine beruhigend sicher

          Andererseits verfüge ABB über eine starke Marktstellung in den relevanten Märkten, das Unternehmen sei bezüglich Produkten und Absatzmärkten gut diversifiziert. Im weltweiten Markt für Stromübertragung und -verteilung hält man einen Marktanteil von etwa 20 Prozent und ist in allen Produktbereichen Marktführer. Wachstumspotential sehen die Analysten in Elektrifizierungsprojekte in wenig entwickelten Regionen und dem Erneuerungsbedarf in Amerika und Europa.

          Zwei festverzinsliche Eurobonds hat ABB auf dem deutschen Markt. Beide haben sich in seit Jahresanfang deutlich erholt. Das 2008 fällige Papier mit einem Kupon von 4,625 Prozent rentiert mit 4,56 Prozent, der 2011 fällige und mit 6,5 Prozent verzinste Bond mit 4,37 Prozent noch niedriger. Nichtsdestoweniger bieten beide Anleihen im aktuellen Umfeld sicherlich eine beruhigend sichere und recht ansehnlich rentierliche Anlage mit einem überschaubaren Horizont.

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