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Unternehmensanleihen : Hochzinsanleihen unter Druck

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Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Hochzinsanleihen, vor Jahresfrist noch gesucht und gehätschelt, stehen unter Druck. Insbesondere so manches, aus Übernahmen durch Finanzinvestoren hervorgegangenes Papier steht jetzt auf den Verkaufslisten.

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          Es war einige Jahre lang ein gutes Geschäft. Finanzinvestoren übernahmen ein nicht ganz so florierendes Unternehmen, das aber über einen gewissen Verschuldungsspielraum verfügte, finanzierten einen Teil durch eingelegte Gelder von Investoren und bürdeten den Rest dem Unternehmen auf. Das nahm Kredit auf oder brachte eine Hochzinsanleihe auf den Markt.

          Auf diese Weise hatten im Umfeld sinkender Zinsen auch die Fondsmanager und Privatanleger noch etwas davon, in dem sie satte Zinsen einstreichen konnten. Angesichts sinkender Ausfallraten und dem schwungvollen Eigentümer-wechsel-Dich-Spielchen schienen das ertragreiche und gar nicht so riskante Geldanlagen zu sein.

          Kurse auf dem Weg nach unten

          Doch dann kam die Kreditkrise und seitdem ist alles ganz anders. Aus der Zockerei mit Hochzinsanleihen ist eine Art Schwarze-Peter-Spiel geworden. Die im Mai noch bei 8,123 Prozent liegende Rendite für C-Anleihen ist auf mittlerweile 14,768 Prozent geklettert, den höchsten Stand seit drei Jahren. B-Anleihen rentieren sogar mit 11,114 Prozent nahezu auf einem Fünf-Jahres-Hoch.

          Besonders heftig hat es unter den Hochzinsanleihen just die Rentenpapiere getroffen, die zur Finanzierung von Übernahmen oder später von Unternehmen ausgegeben wurden, die sich in den Händen von Finanzinvestoren befinden.

          Die Kurse der Anleihen des amerikanischen Immobilienmaklers Realogy etwa werden nur noch mit 61 Cent je Dollar Nominalwert gehandelt. Die Kreditausfallversicherungen (CDS) auf die Anleihen zeigen eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent, dass das Unternehmen seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen kann.

          Gerüchte um A.T.U.

          Vor noch nicht einmal einem Jahr hatte der Finanzinvestor Apollo das Unternehmen zum Preis von 6,6 Milliarden Dollar übernommen. Rund zwei Milliarden Dollar hatte Apollo selbst aufgebracht. „Wenn Anleihen zu 50 oder 60 Cent je Dollar gehandelt werden, sagt der Markt, dass der Emittent auf die Insolvenz zusteuert“, sagt Sabur Moini, Vermögensverwalter bei Payden & Ragel.

          Und nicht nur die Kurse der Reaolgy-Bonds sind tief gefallen. Auch europäische Papiere der gleichen Kategorie hatten heftig zu leiden. Allen voran gingen dabei A.T.U. Eine unklare Personalsituation, begleitet von Herabstufungen und ein erneuter Bruch der Anleihebedingungen trieben den Kurs des Floaters um mehr als 30 Prozent seit Jahresbeginn nach unten.

          Der milde Winter hatte für schwachen Ergebnisse im vierten Quartal gesorgt. Mittlerweile wird gemutmaßt, der Finanzinvestor KKR werde neues Eigenkapital nachschießen müssen. Statt wie erwartet beim Sechsfachen des operativen Ergebnisses lägen die die Verbindlichkeiten jetzt beim 6,8-fachen, schrieb zuletzt die Zeitschrift Finance.

          Europcar unter Druck

          Um Europcar ist es dagegen vergleichsweise still. Zuletzt aber hatte die Rating-Agentur Moody's die Bonitätsnoten im Oktober gesenkt. Das war nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass ein Drittel der Finanzschulden des Unternehmen in einer nicht abgesicherten variabel verzinslichen Anleihe besteht und die steigenden Zinskosten die Kreditmetrik ungünstig beeinflussten. Zudem hatten die Kosten für den Flottenbetrieb die Einsparungen bei den Verwaltungskosten aufgezehrt.

          Auf dem erheblich größeren amerikanischen Markt gelten von einem Emissionsvolumen von 74 Milliarden Dollar an Anleihen, die in den vergangenen zwei Jahren für fremdfinanzierte Übernahmen aufgelegt wurden, mittlerweile 27 Prozent als „Distressed“. Das bedeutet, dass sie mit einem Renditeaufschlag von mindestens zehn Prozentpunkten auf amerikanische Staatsanleihen gehandelt werden.

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