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Unternehmensanleihen : Historisches Tief der Ausfallraten könnte ein Wendepunkt sein

  • Aktualisiert am

Bild: Moody’s

Entgegen allen Voraussagen sind die Ausfallraten im Jahr 2006 weiter gefallen. Nichtsdestoweniger geht auch die Rating-Agentur Moody's davon aus, dass sie in diesem Jahr drastisch steigen werden.

          Wer mit Anleihen Geld verdienen wollte, kam 2006 an Hochzinsanleihen kaum vorbei. Möglich machten es rekordniedrige Ausfallraten, besonders bei Anleihen von Industrieunternehmen mit spekulativem Rating.

          Nachdem sich bereits das Jahr 2005 laut der Rating-Agentur Moody's mit einer Ausfallrate von 1,8 Prozent äußerst niedrig war, ging diese 2006 auf 1,57 Prozent und damit den niedrigsten Stand zum Jahresende seit 1981 zurück.

          Wende im Kreditzyklus verschoben

          Die Ausfallrate für sämtliche von Moody's beurteilten Emittenten aus dem Industriesektor fiel entsprechend von 0,65 Prozent im Jahr 2005 auf 0,54 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren.

          „2006 war ein unerwartet starkes Jahr für die mit den größten Risiken behafteten Emittenten von Industrieanleihen“, so David T. Hamilton, Leiter des Bereichs „Ausfall-Research - Industrie“ bei Moody's.

          Bereits für 2006 hatte Moody's einen Wendepunkt im Kreditzyklus erwartet und sieht diesen nun auf 2007 verschoben an. Entsprechend rechet die Agentur für das laufende Jahr von einer annähernden Verdoppelung auf 3,07 Prozent bis Ende des Jahres aus. Diese läge dann aber immer noch unter dem Durchschnitt seit 1983 von 4,9 Prozent.

          Hohe Liquidität verhindert Pleiten

          Obgleich die Ausfallquote nun fünf Jahre in Folge rückläufig war, ist dies bei weitem kein Rekord. Zwischen dem Ende des 2. Weltkrieges und den sechziger Jahren lagen die Ausfallraten nämlich konstant zwischen null und zwei Prozent (siehe Infografik).

          „Die im Markt vorhandene Liquidität war mit ausschlaggebend dafür, dass sich die Ausfallrate 2006 weiter auf einem niedrigen Niveau bewegt hat. Allerdings glauben wir nicht, dass sich an der Beziehung zwischen fundamentaler Kreditqualität und später verzeichneten Ausfallraten etwas geändert hat“, erläutert Hamilton.

          Der Analyst verweist diesbezüglich auf den engen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt einer Schuldtitelemission und seiner anfänglichen Kreditqualität einerseits und dem späteren Ausfallrisiko andererseits.

          Kritische Jahre stehen erst noch bevor

          „Die Kohorten mit den risikoreichen Schuldtitelemissionen der Jahre 2003 und 2004 werden schon bald in die Phase eintreten, in der historisch gesehen das höchste Ausfallrisiko besteht, nämlich im dritten und vierten Jahr nach Begebung. Angesichts der im Schnitt geringen anfänglichen Kreditqualität dieser Kohorten, von denen viele schlechter als B eingestuft sind, dürften die Ausfallraten 2007 und 2008 wieder ansteigen.“

          Darüber hinaus hat sich die Kreditqualität auf dem Primärmarkt in den Jahren 2004 bis 2006 deutlich verschlechtert. Der Anteil der Neuemissionen mit einem Rating unter der B-Kategorie war noch nie so hoch wie in den vergangenen Jahren. 2004 waren es beispielsweise 25 Prozent der Emissionen und 17 Prozent des Volumens. Die meisten Zahlungsausfälle in dieser Emittentenkategorie ereignen sich im dritten und vierten Jahr nach der Emission (siehe Infografik).

          Zu der guten Nachricht über die niedrigen Ausfallraten gesellt sich die Nachricht, dass die Rückkaufswerte ausgefallener Schuldverschreibungen unabhängig von ihrem Rang innerhalb der Kapitalstruktur im vergangenen Jahr durchweg nahezu auf Rekordniveau geklettert sind.

          Rückkaufswerte ausgefallener Schuldverschreibungen könnten Höchststand erreicht haben

          Die durchschnittliche Rückzahlungsquote für vorrangige unbesicherte Anleihen stieg von 55,5 Prozent im Jahr 2005 auf 58,3 Prozent und liegt damit nach wie vor deutlich über dem historischen Durchschnittswert von 38,4 Prozent. Höher war sie nur in den Jahren 1985, 1987 und 1996, wobei die Ausfallraten in den achtziger Jahren deutlich höher lagen (siehe Infografik).

          Indes, so Moody's, dürften die Rückzahlungsquoten für ausgefallene Schuldverschreibungen mit einer Wende im Kreditzyklus sinken. „Der Wert von Vermögensgegenständen, einschließlich ausgefallener Anleihen, und der Konjunktur- und Kreditzyklus sind positiv korreliert. Unsere Prognose steigender Ausfallraten lässt darauf schließen, dass die Rückkaufswerte ausgefallener Schuldverschreibungen ihren Höchststand bereits erreicht haben könnten“, so Hamilton.

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