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Unternehmensanleihen : Gute Stimmung stützt Unternehmensanleihen

  • Aktualisiert am

Bild: Raiffeisen Research

Konnten fundamental gestützte Modelle den Anstieg der Kurse der Unternehmensanleihen in der Vergangenheit gut erklären, tun sie sich mit der aktuellen Seitwärtsbewegung schwer. Dafür könnte eine widersprüchlich gute Stimmung verantwortlich sein.

          Der Markt für Euro-Unternehmensanleihen ist momentan nicht sonderlich aufregend. Nach einem rasanten Anstieg des EMU Large Cap Investment Grade Index zwischen Anfang 2003 und Herbst 2005 befindet sich der Index seither tendenziell in einer längerfristigen Seitwärtsbewegung.

          Zwar erreichte der Index im Dezember bei 191,312 Punkten ein Allzeithoch, doch fiel er danach postwendend auf aktuell 188,847 Punkte zurück und damit unter die Höchststände des Jahres 2005. Dabei ist aus fundamentaler Sicht eigentlich weniger die Tatsache verwunderlich, dass sich die Hausse nicht weiter fortsetzt, sonder vielmehr das Ausbleiben einer Korrektur.

          Sentiment stützt Unternehmensanleihen

          Denn folgt man denselben Modellen, die den Aufstieg der Märkte zwischen 2003 und 2005 gut erklärten, so sind Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Bereich derzeit überbewertet. Dennoch halten sich die Spreads, also der Abstand der Renditen zu denen von laufzeitäquivalenten Staatsanleihen, schon längere Zeit stabil im Bereich von 60 Basispunkten.

          Im Rahmen der Aktienanalyse nutzt man schon länger Sentiment-Indikatoren, um die unzureichende Erklärungskraft von fundamentalgestützten Modellen in bestimmten Marktphasen zu ergänzen. Auf den Anleihemärkten ist so ein Vorgehen bislang noch weniger verbreitet.

          Dabei könnten Stimmungsfaktoren, glaubt man einer Studie der Forschungsabteilung der Raiffeisenbank, gerade derzeit einen wichtigen Beitrag zur Analyse der Rentenmärkte liefern. Die Wiener Analysten haben ein Stimmungs-Modell der Bondmärkte entworfen, das zum Ergebnis gelangt, dass eine Unterbewertung von Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Status signalisiert. Dieser Widerspruch zwischen Fundamental- und Stimmungssignalen könnte die derzeitige Seitwärtsbewegung vielleicht erklären, so Analyst Christoph Klaper.

          Interessante Erweiterung der Marktanalyse

          Herangezogen wurden vier Stimmungsindikatoren aus dem Aktienbereich, die wesentliche Einflussgruppen für die Marktstimmung abdecken sollen: die Liquiditätshaltung der amerikanischen Aktienfonds stellvertretend für die Fondsbranche, der „Investor Optimism Index Personal“ der UBS für private Investoren, der VStoxx, der Volatilitätsindex des Eurostoxx 50 als Index der impliziten Volatilität, sowie die Bull-Bear-Ratio aus dem amerikanischen Investor Intelligence Index stellvertretend für die Börsenbriefe.

          Aus den berechneten historischen Korrelationen wurden dann Projektionen entwickelt, die die Credit-Spread-Entwicklung zu 93 Prozent erklären könnte. Nicht alle Indikatoren sind dabei gleich wichtig. So ist die Erklärungskraft des Investor Optimism Index Personal, für den allmonatlich private Investoren in den Vereinigten Staaten nach ihrer persönlichen finanziellen und ihrer Meinung und Erwartungen zu eigenen Portfolioerträgen sowie dem richtigen Investitionszeitpunkt befragt werden, vergleichsweise gering. Ihr kommt eher ergänzender Charakter zu.

          Das Ergebnis des Modells ist sehr interessant und bereichert die Analyse der Anleihenmärkte um eine neue Komponente. Gleichzeitig lässt sich wie an jedem Modell natürlich Kritik üben. So handelt es sich vorwiegend um amerikanische Indikatoren, die aber den Euro-Bondsmarkt erklären sollen. Zudem werden mangels geeigneter Daten eigentlich für den Aktienmarkt erhobene Indikatoren auf den Anleihenmarkt projiziert, so dass es hier um diesen Zusammenhang geht. Es wäre daher begrüßenswert, wenn die Sentimentanalyse auch für die Anleihenmärkte unmittelbarere Beachtung fände.

          Spinnt man die Aussagen des Sentiment-Modells fort, so haben die Anleihenmärkte bei unveränderter fundamentaler Situation dann wieder eine Chancen auf einen Aufschwung, wenn die liquiden Mittel der Investmentfonds sänken und die Volatilitäten abnähmen, ferner die privaten Investoren und die Börsenbriefe pessimistischer würden. Angesichts aber eines relativ hohen Investitionsniveaus der Fonds und relativ niedriger Volatilitäten erscheinen die Chancen dafür aber eher gering.

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