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Unternehmensanleihen : Glatteis bei ATU

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Zu viele Reifen, zu wenig Käufer Bild: dpa

Bis unter 40 Prozent stürzte der Kurs der Anleihe der Autofachmarkt-Kette ATU am Montag ab. Die Kapitalspritze des Anteilseigners KKR macht ATU zwar wieder flott, zeigt aber auch ein hohes Unfallrisiko.

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          Die Lage von Unternehmen, die im Zuge des Übernahmebooms von Finanzinvestoren gekauft wurden, ist nicht immer rosig. In einigen Fällen zahlten sich die Käufer selbst hohe Ausschüttungen und entzogen den Unternehmen Eigenkapital, fast immer aber bürdeten sie ihnen mittels hoch verzinslicher Kredite und Anleihen einen Teil des nicht selten überzogenen Übernahmepreises auf.

          Das führte oft genug zu einer hohen Zinslast, und wenn dann die operative Wende nicht oder nicht im geplanten Umfang gelingt, geraten die finanziell nicht sehr üppig ausgestatten bisweilen in akute Nöte.

          Schlechte Straßenbedingungen

          ATU-Gründer Peter Unger verkaufte die nach ihm bekannte Werkstatt- und Autozubehör-Handelskette bereits zur Jahresmitte 2002 an den Finanzinvestor Doughty Hanson und wird seitdem von Wirtschaftsblättern auf der Liste der superreichen Deutschen geführt.

          Weniger gut geht es dagegen der früheren Firma. Nachdem ATU bereits im Sommer 2007 eine Erleichterung des Kreditpakets mit den Gläubigerbanken ausgehandelt hatte, weil die geschäftliche Entwicklung nicht den Kreditbedingungen entsprach, musste das Unternehmen Anfang Januar die Anleiheinhaber erneut über eine Zielverfehlung informieren.

          Der ungewöhnlich milde Winter hatte dem Auto-Zubehör-Spezialisten zugesetzt, weil sich Winterartikel schlechter als erwartet verkauften. Dies war bereits Ende des vergangenen Jahres zu erwarten gewesen, da der November der wichtigste Monat im Verkauf von Winterausrüstung, vor allem von Winterreifen ist und Reifenverbände und -hersteller über Umsatzeinbrüche klagten. Die Reifenproduzenten würden das Jahr bestenfalls mit einem Minus von 17,4 Prozent im Winterreifenabsatz beenden, sagte Peter Hülzer, Vorsitzender des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV).

          Qualmende Bremsen statt Vollgas

          Zwar veröffentlicht ATU keinerlei Zahlen, Bankenkreisen zufolge verdiente ATU operativ aber 2007 nur knapp über 100 Millionen Euro nach 160 Millionen Euro im Jahr zuvor. Nach Angaben der Financial Times Deutschland (FTD) lag diese Größe noch deutlich unter der schon revidierten Unternehmenserwartung von 138 Millionen Euro.

          Diese Zahl war von einem ATU-Sprecher allerdings nicht bestätigt worden. „Das stimmt so nicht“, hieß es seinerzeit. Ursprünglich hatten es einmal 210 Millionen Euro sein sollen. Unter dem Strich dürfte ohnehin ein sattes Minus stehen. Schon 2006, so die Neue Reifenzeitung sei der Konzernverlust von 12,1 auf 19,2 Millionen Euro gestiegen.

          Ratings rollen talwärts

          Druck gab es auch von den Rating-Agenturen. Moody's hatte bereits im Vorjahr die Bonitätsnote des Unternehmens von „B1“ auf „B2“ gesenkt, den Ausblick von „stabil“ auf „negativ“. und das Anleihen-Rating von „B3“ auf „Caa1“ und damit die drittschlechteste Rating-Stufe herabgesetzt.

          Standard & Poor's senkten die Bonitätsnote des Unternehmens von „B+“ auf „B“ und damit dasselbe Niveau wie Moody's. Ebenso folgte eine Herabsetzung des Anleihen-Ratings von „B-“ auf „CCC+“.

          Im Januar stufte Moody's dann das Unternehmensrating auf „Caa1“ herab und das der Anleihe auf „Caa3“ - die letzte Note bevor es in den Bereich der insolvenzgefährdeten Titel geht. Die operative Entwicklung habe sich verschlechtert, die Unterstützungsbereitschaft der Banken nicht mehr so groß wie einst.

          Vor wenigen Tagen folgten dann Standard& Poor's mit einer Senkung auf „B-“ bzw. „CCC+“. Das schwache Marktumfeld habe die Bedenken vergrößert, dass ATU seine Kreditverpflichtungen nicht einhalten könnte, erläuterte die zuständige Analystin Anna Stegert. ATU leidet nicht nur unter dem schlechten Geschäft mit Winterreifen.

          Anleihe auf Crash-Kurs

          Informierten Kreisen zufolge ist das Unternehmen mit rund 800 Millionen Euro verschuldet. Nach einem Bericht der Reifenzeitung hatte KKR schon im Januar Kredite im Volumen von knapp 400 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

          Die Indikatoren des Kreditschutzes hätten sich deutlich verschlechtert, sagt Stegert. „Die Ratings spiegeln unsere Erwartung wider, dass das Management mit einer Anpassung der Kapitalstruktur die schwache operative Geschäftslage kompensieren will.“ Das Unternehmen bleibe weiter auf der Beobachtungsliste mit einem negativen Ausblick.

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