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Unternehmensanleihen : Fiat bietet Zinschance für Risiko

  • Aktualisiert am

Fiats strahlender Werbeträger mit dem Alfa 159 Bild: Fiat Group

Angeschlagen ist der italienische Autokonzern Fiat schon lange. Zahlreiche Sonderfaktoren haben die Situation gebessert, doch der Weg ist noch weit. Jetzt holt sich der Autobauer Geld am Rentenmarkt und zahlt hohe Zinsen.

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          Automobil-Anleihen erfreuen sich derzeit eines etwas gemischten Rufes. Während Porsche-Anleihen eher mit Entzücken betrachtet werden, kann man das von den Papieren der amerikanischen Autobauer Ford und General Motors nun schon seit Monaten nicht mehr behaupten.

          Grund sind die immensen, größtenteils hausgemachten Schwierigkeiten, mit denen die zwei amerikanischen Giganten zu kämpfen haben. Auch andere Autobauer sind nicht gerade erfolgsverwöhnt. Peugeot brachte zuletzt eher entmutigende Zahlen, auch Renault konnte schon heller glänzen.

          Seit Jahren in der Krise

          Auch Fiat gehört bereits seit Jahren nicht zu den erfolgsverwöhnten Kfz-Machern. Bereits 1998 geriete das Umsatzwachstum in Stocken. 2000 gab es noch mal einen Umsatzschub, den das Unternehmen aber nicht halten konnte. Im Gegenteil fiel der Umsatz infolge von Umstrukturierungsmaßnahmen in den Jahren 2003 und 2004 auf das Niveau der späten Neunziger zurück. Auch das vergangene Jahr dürfte keinen Umsatzschub gebracht haben.

          Flottes Sorgenkind: Alfa Romeo

          Noch dramatischer verlief die Gewinnentwicklung. Nach einem Einbruch des Betriebsgewinns 1996 gab es im Folgejahr eine scheinbare Erholung, dann sackte das Betriebsgewinn zunächst auf ein niedrigeres Niveau, fiel um fast zwei Drittel im Jahr 2001 und rutschte im Folgejahr ins Minus. 2004 kam dann die Wende mit einem bescheidenen Betriebsgewinn von 22 Millionen Euro. Stark zeigte sich dann das vergangene Jahr, als Fiat mit einem Betriebsgewinn von 1,45 Milliarden Euro wieder an die neunziger Jahre anknüpfen konnte. Auch der Cashflow hat sich wieder verbessert.

          Geld braucht das Unternehmen dennoch und so hat das Unternehmen aus dem Veranstaltungsort der Winterspiele abermals eine neue Anleihe aufgelegt. In einem derzeit eher emissionsunfreudigen Umfeld ist Fiat mit einem Volumen von einer Milliarde Euro eine Ausnahmeerscheinung.

          Erstmals ein Junkbond

          Fiat zapft zum ersten Mal seit vier Jahren wieder den Anleihenmarkt an - und zum ersten Mal seit die internationalen Rating-Agenturen dem Konzern im Jahr 2002 den Investment-Grade-Status aberkannten. Mit einer Bewertung von Ba3 durch Moody's und BB- durch Fitch und Standard & Poor's, werden die Zinspapiere der Italiener drei Stufen unterhalb dessen eingeordnet, was als investmentwürdig gilt.

          Entsprechend hoch ist mit 6,625 Prozent der Kupon, mit dem die Anleihe ausgestattet ist und mit einem Ausgabekurs von Pari ist dies auch die Emissionsrendite. Sieben Jahre lang läuft das Papier. Das ist eine ziemlich lange Laufzeit, betrachtet man die derzeitigen Verhältnisse am Kfz-Markt und die bewegten Jahre, die Fiat hinter sich hat.

          Der Automarkt ist stark im Umbruch und es ist nicht gesagt, daß im Jahr 2013, wenn die Fiat-Anleihe fällig wird, auch Fiat noch da ist, um die Schulden zu begleichen. Betrachtet man zum Beispiel die Bilanz des vergangenen Jahrers, relativieren sich die Erfolge.

          Sonderfaktoren beleben die Gewinne

          So enthielt das Nettoergebnis eine Vielzahl außerordentlicher Erträge wie die 857 Millionen Euro aus der Entschädigungszahlung von General Motors dafür, daß die Fiat-Holding nicht auf ihrem Andienungsrecht für das verlustbringende Autogeschäft bestand. 858 Millionen war der Gewinn aus der den Banken abgetrotzten Umwandlung einer Anleihe in Aktien. Die Ausübung von Andienungsrechten für Anteile am Energiekonzern Edison brachte weitere 901 Millionen Euro, der Verkauf von Immobilien 117 Millionen Euro an Sondererträgen.

          Fiat-Chef Sergio Marchionne rechnete jedoch bei der Präsentation seiner Jahresergebnisse vor, daß der Fiat-Konzern auch ohne jeglichen außerordentlichen Effekt einen Nettogewinn von gerade einmal fünf Millionen Euro erzielt hätte. Zwar hat sich die Ertragslage in den Sparten Traktoren, Lastwagen, Anlagenbau und Auto-Zulieferteilen verbessert. Doch aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit machen die Marken Fiat, Alfa Romeo und Lancia immer noch Verluste, wenngleich sich diese verringert haben.

          Verhaltener Börsenstart

          2006 will Marchionne ohne außerordentliche Erträge einen Nettogewinn von 700 Millionen Euro erwirtschaften. CNH soll 2006 nach den Vorgaben von Marchionne mit einer Umsatzrendite von sieben Prozent die ertragsstärkste Tochtergesellschaft werden, vor Iveco mit mindestens 5,5 Prozent und der gesamten Autosparte mit 0,5 bis einem Prozent Umsatzrendite. Diese Ziele erscheinen auch erreichbar. Immerhin haben die Ratingagenturen die Aussichten für Fiat auch von „negativ“ auf „stabil“ aufgewertet.

          Fiat setzt künftig auf mehr Partnerschaften im Ausland und will so Kosten senken und die Autosparte bis 2007 wieder in die Gewinnzone bringen. Zu den Partnern gehören neben der gleichfalls angeschlagenen auch die indische Tata Motors.

          Angesichts des Verhältnisses zwischen Emissionsrendite und der der derzeit noch am Markt befindlichen Anleihen scheinen die Aussichten auf Kursgewinne für das neue Papier in den kommenden Tagen eher begrenzt zu sein. Das bis 2010 laufende Papier rentiert mit 5,34 Prozent und das bis 2011 laufende mit 5,85 Prozent. Rechnet man überschlägig pro Jahr Laufzeit einen Renditeaufschlag von 50 Basispunkten, so müßte die faire Bewertung bei einer Rendite von 6,85 Prozent liegen. Das Marktdebüt war indes verhalten optimistisch. Das Papier legte bis zum Dienstag mittag auf 100,50 Prozent zu.

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