https://www.faz.net/-gv6-nujj

Unternehmensanleihen : Erster arabischer Euro-Bond begrenzt attraktiv

  • Aktualisiert am

Boomland Dubai: Billigere Re-Finanzierung in Europa Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Am Persischen Golf boomt die Wirtschaft. Saudi-Arabien, Katar, Bahrein und andere Staaten verzeichnen ein reges Wachstum. Zur Re-Finanzierung haben die dortigen Banken jetzt den Euro-Raum entdeckt. Die erste Anleihe von „Gulf Investments“ ist begrenzt attraktiv.

          3 Min.

          Investments am Persischen Golf gehörten im vergangenen Jahr zu einer der beliebtesten Anlageklassen. Acht der zehn Aktienindizes mit der besten Wertentwicklung stammten aus dem arabischen Raum. Nach dem ägyptischen Case-Index zeichneten sich die Indizes Börsen von Dubai und Saudi-Arabien durch hohe Kursgewinne aus.

          In diesem Jahr fällt die Bilanz dagegen tendenziell verheerend aus. Dubai hat seit dem Hoch vom November mehr als 60 Prozent verloren und befindet sich praktisch im freien Fall wie der Markt in Saudi-Arabien, der seit Februar 49 Prozent verloren hat. Weniger hart verläuft die Konsolidierung in Bahrein und Kuwait, wo die Indizes seit November bzw. Februar 15 respektive 19 Prozent verloren haben. Richtiggehend positiv nimmt sich der Aktienhandel in Oman aus, wo der Kursrückgang schon im Juni 2005 einsetzte. Mittlerweile notiert der Markt hier 13 Prozent tiefer.

          Staatliche Holding bringt den ersten Euro-Bond

          Für die dort tätigen Unternehmen bedeutet diese Entwicklung unter anderem, daß sie sich andere Finanzierungswege einfallen lassen müssen, da Kapitalerhöhungen momentan eher schwer zu plazieren sind.

          Bevorzugt sind derzeit unter anderem Euro-Anleihen, vor allem weil das Zinsniveau in der Eurozone deutlich unter dem des Dollarraums liegt, der zuvor die favorisierte Emissionsregion war. Besonders Banken und andere Finanzdienstleister machen den Anfang, allen voran die Gulf Investment Corporation, ein von Bahrein, Kuweit, Oman, Qatar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten kontrollierter Finanzdienstleister und die Saudi British Bank, die zu 40 Prozent zur britischen HSBC gehört.

          Gulf Investment hat gerade eine erste, variabel verzinsliche Euro-Anleihe im Volumen von 400 Millionen Euro auf den Markt gebracht und 45 Prozent in Europa plaziert (Isin: XS02556962587). Das variabel verzinste Papier mit fünfjähriger Laufzeit wurde zu 30 Basispunkten über dem europäischen Interbankensatz Euribor gepreist, so daß der Kupon aktuell 3,213 Prozent beträgt. Bei einem Kurs von aktuell 99,79 Prozent rentiert sie daher mit 3,26 Prozent.

          Der hohe Ölpreis hat die Kassen der Banken und Unternehmen der Golf-Region gefüllt und macht sie zu attraktiveren Schuldnern. Moody's bewertet das Papier Anleihe mit „A2“, Standard & Poor's mit „A-“. Abgesehen von einer Anleihe über 150 Millionen Hongkong-Dollar (15 Millionen Euro), die Gulf Investment im März aufgelegt hat, sind die 1,3 Milliarden Dollar der Verbindlichkeiten der Gesellschaft nach Angaben von Bloomberg in amerikanischen Dollar denominiert.

          Im vergangenen Jahr vom Börsenboom profitiert

          Im vergangenen Jahr hat Gulf Investments den Reingewinn auf 272,8 Millionen Dollar verdoppelt. Indes ging das Zinsergebnis um zwei Drittel auf 20,6 Millionen Dollar infolge steigender Zinsen zurück, obwohl das Bruttozinseinkommen um 17 Prozent zugelegt hatte. Dabei profitierte Gulf Investments vor allem von Börsenboom in der Region. Die Gewinne aus dem Wertpapierhandel stiegen um 77 Prozent auf 61 Millionen Dollar, den Löwenanteil brachten Hedge Fonds ein, Aktien immerhin noch 22 Millionen.

          Das Vermögen des Unternehmens besteht demnach vornehmlich aus Wertpapieren, die Liquidität ist sehr hoch und die Verschuldungsquote mit 6,4 Prozent sehr gering.

          Gegenüber festverzinslichen Anleihen westlicher Emittenten rentiert die Golf-Anleihe derzeit recht gering mit einem Abschlag von rund 90 Basispunkten. Indes befindet sich der Euribor derzeit in einer steilen Aufwärtsbewegung. Bei 2,919 Prozent notiert er so hoch wie zuletzt zu Beginn des Jahres 2003. Weitere Zinserhöhungen werden für den Euro-Raum erwartet und somit dürfte auch der Euribor weiter steigen, wohingegen die Kurse festverzinslicher Anleihen weiter konsolidieren dürften.

          Das Angebot an Anleihen aus der Golfregion dürfte einstweilen weiter zunehmen. „Es war nur eine Frage der Zeit, daß arabische Banken vom Dollar in den Euro diversifizieren“, sagt Richard Luddington, Leiter Anleihekapitalmärkte Osteuropa, Mittlerer Osten und Afrika bei der Schweizer UBS. „Der Markt für variabel verzinste Anleihen in Euro ist günstig und liquide“.

          Risiken einer Überhitzung

          Bereits angekündigt hat sich die Emirates Bank, die eine Anleihe im Volumen zwischen 250 und 500 Millionen Euro auf den Markt bringen will. Moody's bewertet die geplante Emission mit „A1“, Standard & Poor's und Fitch bei „A“.

          Die Wachstumserwartungen an die Region sind sehr hoch. Nach Prognosen des
          Internationalen Währungsfonds werden die Volkswirtschaften von Saudi-Arabien, Kuweit, Katar, Bahrein und den Vereinigten Arabischen Emiraten in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge um mehr als fünf Prozent wachsen.

          Dennoch sehen die Ratingagenturen auch Bonitätsrisiken und verweisen zum einen auf latente politische Risiken, die sich aus einem Übergreifen der Spannungen im Irak und zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten ergeben könnten.

          Außerdem sind die Finanzmärkte heiß gelaufen. das äußert sich nicht nur momentan in der drastischen Rückbildung der Aktienmärkte, sondern auch in einem schnellen Wachstum des Kreditvolumens in der Region und steigenden Immobilienpreisen - klassische Symptome einer Überhitzung in einer Boomregion.

          Auch wenn die Aussichten gut sind: Wann immer der Glaube an einen Boom soweit über die Stränge schlägt, daß kaum jemand glaubt, er könne enden, ist das das sicherste Zeichen für eine Überhitzung. Und ein unendlicher Boom ist zwar immer noch der Wunschtraum jedes Investors, hat aber mit der Wirklichkeit noch nie viel gemeinsam gehabt. Indes ist Gulf Investments gleichsam eine Staatsholding der dortigen Scheichtümer, so daß Liquiditätsrisiken überschaubar sein sollten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die „Bild“-Zeitung klagte an: Merkel nicht im Flutgebiet. Ja, weil der Bundespräsident an jenem Tag da war. Die Kanzlerin kam einen Tag später.

          Umgang mit Katastrophen : Mut in Zeiten der Flut

          In der Hochwasserkatastrophe halfen viele selbstlos. Andere aber begannen schon früh damit, eigene Ziele zu verfolgen. Selbstgerechter geht es nicht.

          Corona-Varianten : Was macht Delta so gefährlich?

          Immer neue Varianten von SARS-CoV-2 grassieren und lassen die Pandemie nicht enden, obwohl immer mehr Menschen geimpft sind. Forscher mühen sich, die nächsten Mutationen vorherzusagen. Warum gelingt das nicht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.