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Unternehmensanleihen : Erfolge vor Gericht kommen Altria-Anleihen zugute

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Binnen eines Monats hat der Tabakkonzern Altria zwei Erfolge vor Gerichten in Amerika errungen, vor denen Schadenersatzansprüche kranker Raucher verhandelt werden. Dies hilft den Anleihen des Konzerns.

          Im April hatte ein Gerichtsbeschluß, demzufolge der Tabakkonzern Altria im Zusammenhang mit einem Prozeß eine Kaution von zwölf Milliarden Dollar zahlen sollte, den Atem von Anlegern stocken lassen. Denn die Anleihen von Altria, der Mutter von Philipp Morris (“Marlboro“) sackten binnen kürzester Zeit extrem stark ab. Zum Beispiel gab der Kurs des 2008 fällligen Euro-Titels von rund 108 auf gut 88 Prozent nach. Statt 1080 Euro war eine der 1.000-Euro-Stückelung unterliegenden Anleihe auf einmal nur noch 880 Euro wert.

          Wer als betroffener Investor die Nerven behalten hat, leidet zwar immer noch unter Kursverlusten. Doch fallen diese bei weitem nicht mehr so stark aus wie seinerzeit: Die besagte Anleihe (Bond) notiert aktuell bei 102 Prozent, das sind umgerechnet 1.020 Euro. Und der Titel hat gute Chancen, sich weiter zu verteuern, ebenso der 2006 fällige Altria-Bond (ISIN: DE0002967205).

          Keine existenzbedrohende Kaution für Berufungsklage nötig

          Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen hat der Konzern binnen eines Monats im Streit mit kranken Rauchern zwei für ihn vorteilhafte Gerichtsbeschlüsse erreicht. Im September entschied der Oberste Gerichtshofes des Bundesstaates Illinois, Altria müsse nun doch keine Kaution von zwölf Milliarden Dollar zahlen, um Berufung gegen ein im März gesprochenes Urteil einzulegen. Zur Erinnerung: Die amerikanische Tabak-Tochtergesellschaft Philip Morris USA war damals wegen Täuschung von Verbrauchern bei der Vermarktung von "Lights-"-Zigaretten zu einer Strafe von 10,1 Milliarden Dollar verurteilt worden. Nach Ansicht des Gerichts hatte das Unternehmen Verbrauchern eingeredet, "Lights-"Zigaretten seien weniger gesundheitsschädlich als andere Marken. Nachdem der Richter die ursprüngliche Kaution festgelegt hatte, drohte Altria mit der Insolvenz seiner Tochtergesellschaft. Daraufhin reduzierte der Richter in Illinois zunächst die Kaution auf rund sieben Milliarden Dollar. Diese Entscheidung wurde aber im Juli von einem Berufungsgericht wiederaufgehoben.

          Vor ein Tagen kam der zweite Erfolg: Der amerikanische Supreme Court hat den Fall eines Klägers an die unteren Instanzen zurückverwiesen. Der Gerichtshof befand den Schadensersatz von knapp 80 Millionen Dollar als zu hoch. Denn das Verhältnis von Straf- und Schadenszahlung betrage hier 97:1 - während der Supreme Court 10:1 als angemessen erachtet. Dies wird unter anderem von Analysten der DZ Bank als Zeichen interpretiert, das auf geringere Strafzahlungen zu Lasten von Altria hoffen lasse.

          Deutlicher Zinsvorsprung im Vergleich zu Bundestiteln

          Deshalb rät die DZ Bank zum Kauf der nominell mit 4,5 Prozent verzinsten und 2006 fälligen Altria-Anleihe wie des 2008 auslaufenden und mit 5,625 Prozent verzinsten und ebenfalls mit Investmentgrad (Baa2/BBB+) gelisteten Titels. Das erste Papier rentiert aktuell mit gut 4,1 Prozent und weist damit einen Zinsvorsprung von 112 Basispunkten oder 1,12 Prozent zur entsprechend kurz laufenden deutschen Bundesanleihe auf. 173 Basispunkte rentierlicher als der noch fünf Jahre laufende Bundestitel stellt sich derzeit die 2008 fällige Altria-Anleihe dar. Auch bei ihr sieht die DZ Bank noch Kurspotential.

          Allerdings tritt das Papier seit einigen Tagen ziemlich auf der Stelle und kommt über 102 Prozent nicht hinaus, nachdem sie seit Ende August rund 475 Basispunkte gutgemacht hatte. Nicht nur deshalb scheint die Einschränkung der DZ Bank, diese Titel nur risikobewußten Anlegern zu empfehlen, richtig: Die Altria-Anleihen sind in der Vergangenheit durch heftige Kursschwankungen aufgefallen. Zudem können Anleger nicht sicher sein, daß es nicht doch noch für den Konzern nachteilige Urteile geben wird. Sollten solche Fälle eintreten, würden die Anleihen gewiß wieder leiden. Dies sollten Investoren bedenken, denen der Zinsvorsprung verlockend erscheint.

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