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Unternehmensanleihen : Dunkle Wolken über spekulativen Werten

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Hartnäckig bleiben die Ausfallraten niedrig, auch wenn sich die Kreditqualität in Europa zusehends verschlechtert, konstatiert die Rating-Agentur S&P. Doch die Analysten glauben nicht, dass das so bleiben wird. Auch zwei deutsche Unternehmen stehen auf der Liste der schwächsten Emittenten.

          Hartnäckig widerstehen die Ausfallraten für europäische Unternehmensanleihen dem prognostizierten Trend zum Anstieg. Doch die Vorzeichen verschlechtern sich zusehends. Im laufenden Jahr, so die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) ist die Kreditqualität deutlich abgesunken.

          Auf eine Heraufstufung der Bonitätsnote entfielen in den ersten sieben Monaten des Jahres mittlerweile zwei Herabstufungen, so dass der Anteil der Herabstufungen an dem gesamten Rating-Veränderungen mittlerweile das Niveau des Jahres 2003 wieder erreicht hat (siehe Infografik).

          Druck vor allem in der Finanzbrache

          Zudem ist für jeden fünften Emittenten der Ausblick negativ. Das sind so viele wie seit 2004 nicht mehr. Ursache dessen ist, wie sollte es anders sein, die Kreditkrise, die vor allem den Ausblick für Finanzdienstleister stark eingetrübt hat. War es 2007 noch jeder zwanzigste, für den der Ausblick negativ war, so ist es derzeit mehr als jeder sechste.

          Und dennoch lassen die Ausfälle auf sich warten. Mit lediglich drei Emittenten, dem französischen Schnapsbrenner Belvedere, der britischen Baumarktkette DIY und dem Aluminiumhersteller Luxfer, haben seit Anfang 2007 nur wenige Schuldner die Waffen wirklich strecken müssen, obwohl es in einigen Fällen eng geworden ist und zumindest gerüchteweise einige Anleihen, wie etwa der Autowerkstattkette A.T.U., dem österreichischen Sägewerk Klausner und dem irischen Luxusgüterhersteller Waterford Wedgwood vom akuten Ausfall bedroht waren oder sind (vgl. Glatteis für ATU-Anleihe; Klausner in der Krise; Unternehmensanleihen: Möglicher Rosenthal-Verkauf macht Hoffnung für Waterford).

          Warnungen aus der jüngsten Vergangenheit

          S&P erwartet angesichts der angespannten Kreditmärkte und der verschlechterten Kreditqualität, dass die Ausfallraten weiter stiegen werden. Die Hartnäckigkeit, mit der sich die Fakten gegen die Prognosen wehren, beeindruckt die Analysten dabei wenig. Sie verweisen auf den bislang letzten Kreditzyklus der Jahre 2001/2002, während dessen die Ausfallraten sehr schnell gestiegen seien. Innerhalb eines Jahres kletterte die Ausfallrate damals von 1,5 auf 10,6 Prozent.

          Mehr als die Hälfte der CCC-Anleihen fiel damals aus. Auffallend sei, dass die heutige Rating-Struktur der aus dem Frühjahr 2001 frappierend gleiche. Projiziere man die damalige Entwicklung auf die heutigen Umstände, können die Ausfallrate bis zum kommenden Frühjahr 9,5 Prozent erreichen, nachdem sie im Juni bei 0 und im Juli durch den Ausfall von Belvedere bei 0,47 Prozent lag. Allerdings schätzen die Analysten Europa als stärker ein wie im Jahr 2001. Vor allem sei die Abhängigkeit von der Weltwirtschaft sei nicht so groß wie seinerzeit.

          A.T.U. und Raunheimer Folienhersteller Treofan auf der Liste der Schwächsten

          Unter den Anleihen, die S&P derzeit als am stärksten gefährdet ansieht, befinden sich alte Bekannte wie Waterford Wedgwood oder auch A.T.U. Aber auch den Raunheimer Folienhersteller Treofan beurteilt S&P negativ. Die Bilanz des Unternehmens sei stark gehebelt, der Wettbewerb stark und die operativen Ergebnisse bislang schwach.

          Zwar gelang Treofan 2007 ein spürbarer Umsatzanstieg von 5,3 Prozent auf 483 Millionen Euro, doch der operative Verlust stieg von 1,7 auf 5,2 Millionen an. Das ist zwar immer noch ein deutliche Verbesserung gegenüber 2005 als sich dieser auf 54,5 Millionen Euro belief.

          Dennoch rutschte die Eigenkapitalquote nach einem Wert von vier Prozent zum Jahresende 2006 schon zum 30. September 2007 erneut in den negativen Bereich und hat mittlerweile minus 13,3 Prozent erreicht. Die Nettofinanzverschuldung ist seit Ende 2005 stetig gestiegen und beläuft sich auf mehr als 200 Millionen Euro. Während die langfristige Verschuldung fast konstant geblieben ist, haben vor allem die kurzfristigen Schulden deutlich zugenommen.

          Die steigenden Preise für den Rohstoff Kunstharz, der starke Euro und Preisdruck aufgrund geringer Verbraucherausgaben machen dem Unternehmen zu schaffen, dem die Kreditanalysten eine gute Positionierung dank starker Nischen, resultierend aus langfristigen Kundenbeziehungen und einer guten Diversifikation sowohl regional als auch bei den Kunden bescheinigen.

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