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Unternehmensanleihen : Dufte Zinstitel-Premiere von Kaffeeröster Tchibo

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Rrrröstfrisch am Anleihemarkt: Tchibo Bild:

Mit Tchibo kommt der fünftgrößte Kaffeeproduzent erstmals an den Markt für Unternehmensanleihen. Der in Privat-Konzern besitzt zwar kein Rating, aber einen guten Ruf und macht stabil Gewinne. Die Anleihe wirkt dufte.

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          Tchibo ist der fünfgrößte Kaffeeproduzent der Welt. Doch Tchibo steht für weit mehr als lediglich Kaffee. Unter der Marke TCM verkauft der Konzern über seine 53.000 Verkaufsstellen in Deutschland, 900 eigene Filialen sowie sogenannte Depots allwöchentlich qualitativ gute und dabei günstige Gebrauchsgegenstände von Haushaltswaren über Unterwäsche bis hin zu Lederjacken und Läuferbekleidung. Zudem zählen zu dem Konzern eine Reihe starker Marken, die nicht aus dem Hause Tchibo stammen: Zuerst ist Nivea zu nennen, aber auch das ostdeutsche Pendant Florena sowie Hansaplast, Tesa, Labello oder die Deo-Linie 8x4.

          Diese Produkte werden von Beiersdorf hergestellt, und dieser Konsumgüterkonzern zählt seit dem Geschäftsabschluß im vergangenen Jahr, als die Allianz ihren Beiersdorf-Anteil an Tchibo sowie die Stadt Hamburg und andere Investoren verkaufte, mehrheitlich zu dem Kaffeeröster. Nivea & Co. waren Tchibo eine Milliardensumme wert. Nun sammelt der in Familienbesitz befindliche Konzern umgekehrt Geld ein - mit der ersten Anleihe.

          Operativer Gewinn seit 1993 stetig gestiegen

          Mit Tchibo debütiert ein Konzern am Markt für Unternehmensanleihen, der wirtschaftlich gesund ist. Zwei Drittel seines Umsatzes macht er mit Waren, die nicht zum Segment Lebensmittel gehören. Er ist Marktführer in Deutschland bei Röstkaffee mit einem Anteil von 27 Prozent, so die DZ Bank. In den vergangenen zehn Jahren konnte die Tchibo GmbH den Umsatz durchschnittlich um neun Prozent im Jahr und der Konzern das operative Ergebnis von 114 Millionen Euro im Jahr 1993 auf 303 Millionen Euro im vergangenen Jahr steigern, wie die WGZ-Bank anmerkt. Allein mit Kaffee hat der Konzern 2003 rund 3,3 Milliarden Euro umgesetzt. Der Nettogewinn kletterte 482 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung belief sich auf 912 Millionen Euro, wobei liquide Mittel in Höhe von 1,5 Milliarden Euro Brutto-Schulden in Höhe von 2,4 Milliarden Euro gegenüber standen.

          Im ersten Halbjahr ging der Konzern dem Periodenbericht zufolge wegen vorgezogener Marketingausgaben in den Niederlanden und der tschechischen Republik zwar um sieben Prozent auf 121 Millionen Euro zurück. Für das Gesamtjahr erwartet das Management bei der Tchibo GmbH jedoch abermals eine Ergebnissteigerung.

          60 Basispunkte besser als vergleichbare Bundesanleihe

          Bei dem Zinstitel handelt es sich um eine sogenannte Benchmark-Anleihe, also einen Titel mit einem Volumen von mindestens 500 Millionen Euro. Angesichts der finanziellen Verfassung und der Marktposition von Tchibo sowie gemessen an den Konditionen der zehn Jahre laufende Anleihe stufen Analysten das Papier als attraktiv ein und empfehlen es zum Kauf. Auf der Werbetour bei institutionellen Anlegern hat der Konzern eine Rendite genannt, die etwa 60 bis 65 Basispunkte über dem liegt, was eine entsprechende Bundesanleihe derzeit bringt. Folglich wird der Tchibo-Titel etwa 4,6 Prozent abwerfen.

          Dabei weist Tchibo keine Einstufung durch die Ratingagenturen Fitch, Moody´s und Standard&Poor´s auf. Die DZ Bank hat die Kreditwürdigkeit Konzern aber aufgrund eines eigenen Analyseverfahrens mit der Note A bewertet. Folglich sieht sie eine gute bis sehr gute Bonität. Vor diesem Hintergrund erwarten die DZ Bank und die WGZ-Bank eine stabile Kursentwicklung. Und das Papier ist gemessen an der Rendite auf jeden Fall attraktiver als die bis 2013 laufende Anleihe von Henkel, die 4,18 Prozent abwirft und damit knapp 0,3 Prozent mehr bietet als eine vergleichbare Bundesanleihe.

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