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Unternehmensanleihen : Deutsche Unternehmen müssen Emissionen verschieben

Gehört nicht mehr zum investitionswürdigen Segment: Die Baustoffgruppe Monier, der die deutsche Dachziegelmarke Braas gehört Bild: obs/Monier Braas GmbH

Die Vorsicht vieler Investoren zwingt Unternehmen, ihre geplanten Anleiheemissionen zurückzustellen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s warnt vor einem Sturm am Markt für Unternehmensanleihen.

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          Das schwierige Marktumfeld zwingt Unternehmen, ihre geplanten Anleiheemissionen zurückzustellen. So musste die Baustoffgruppe Monier, die in Luxemburg sitzt und der die deutsche Dachziegelmarke Braas gehört, die geplante Begebung einer siebenjährigen Anleihe über 250 Millionen Euro absagen. Es wäre die erste Anleihe von Monier gewesen. Das Unternehmen erzielt mit 8900 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 1,3 Milliarden Euro. Eine Sprecherin begründete dies mit dem schwierigen Marktumfeld, in dem es schwergefallen wäre, die Finanzierungskosten zu optimieren.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Unternehmen wird von den Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) mit „B3“ beziehungsweise „B-“ eingestuft. Mit dieser Bonität gehört Monier nicht mehr zum investitionswürdigen Segment, das Bonitätsnoten von mindestens „Baa3“ bei Moody’s und „BBB-“ bei S&P voraussetzt. Monier hätte für seine erste Anleihe wohl einen Zins zwischen 10,25 und 10,5 Prozent zahlen müssen. Der Dachziegel- und Schornsteinhersteller wird seit dem Jahr 2009 von den Gläubigern - neben Banken auch auf überschuldete Unternehmen spezialisierte Finanzinvestoren - kontrolliert. Aufgrund der Ratings zählt Monier zum Bereich der hochverzinslichen, spekulativen Anleihen, den sogenannten High Yield Bonds.

          Hochverzinsliche Anleihen stark von Marktstimmung abhängig

          Dazu hätte auch der Titel von SAF-Holland gehört. Der Nutzfahrzeughersteller musste in dieser Woche noch vor Monier ebenfalls sein Debüt am Anleihemarkt verschieben. Das Unternehmen, dessen Bonität von keiner Ratingagentur bewertet wird, plante eine fünfjährige Anleihe mit einem Volumen von bis zu 150 Millionen Euro.

          Einer Sprecherin zufolge stellte das Management bei Investorenpräsentationen fest, dass das Zeitfenster für die Emission ungeeignet ist. Die Präsentationen begannen kurz nach den französischen Präsidentenvorwahlen, bei denen sich ein Sieg des Sozialisten François Hollande abzeichnete. Damals drückte auch die Regierungskrise in den Niederlanden auf die Stimmung der Investoren. Die Sprecherin von SAF-Holland betonte, dass das Management nicht unter Zeitdruck stehe, um die Fremdfinanzierung stärker zu diversifizieren. Das Unternehmen sei bis September 2014 finanziert, sagte sie. Mit der Anleihe wollte SAF-Holland seine Finanzierung unabhängiger vom Bankkredit machen.

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          „Im gegenwärtigen Umfeld werden die Investoren vorsichtiger, wenn es sich um sehr konjunkturabhängige Adressen handelt“, sagte Peter Din, Kreditanalyst der japanischen Mizuho Bank, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Hochverzinsliche Anleihen seien sehr stark von der Marktstimmung abhängig und benötigten ein deutlich ruhigeres Fahrwasser, sagte Suki Mann, Analyst der französischen Großbank Société Générale. Nach seiner Zählung haben europäische Unternehmen in diesem Jahr bislang High Yield Bonds über 12,6 Milliarden Euro begeben, fast 30 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im investitionswürdigen Bereich summieren sich die neuen Unternehmensanleihen auf 60 Milliarden Euro. Das sind fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

          Die Ratingagentur S&P warnte am Donnerstag vor einem Sturm am Markt für Unternehmensanleihen. Die Bonitätsprüfer schätzen den Finanzierungsbedarf von Unternehmen im Euroraum, in Großbritannien, den Vereinigten Staaten, China und Japan in den kommenden fünf Jahren auf 43 bis 46 Billionen Dollar. Davon entfallen etwa 30 Billionen Dollar auf fällig werdende Verbindlichkeiten sowie 13 bis 16 Billionen Dollar auf den zusätzlichem Mittelbedarf zur Finanzierung des Wachstums.

          Unternehmensanleihen über insgesamt 1,7 Billionen Dollar

          „Diese weltweite Mauer an Unternehmensverschuldung wird möglicherweise mit einer Kreditrationierung auf Seiten der Banken aufgrund ihrer Bemühungen, ihre Bilanzen umzustrukturieren, und gleichzeitig veränderten Einschätzungen von Investoren hinsichtlich ihrer Risikoschwellen zusammentreffen“, sagte Jayan Dhru, Chefanalyst für Unternehmen von S&P. In Kombination mit der Krise im Euroraum, der langsamen wirtschaftlichen Erholung in den Vereinigten Staaten und den Aussichten auf eine sich verlangsamende Konjunktur in China könnte daraus ein echter Sturm an den globalen Kreditmärkten erwachsen, warnte er.

          Insgesamt befinden sich in Europa laut S&P Unternehmensanleihen über 1,7 Billionen Dollar im Umlauf. Deutlich wichtiger sind Bankkredite und ähnliche Fremdfinanzierungen, die 9,7 Billionen Dollar ausmachen. In den Vereinigten Staaten ist das Verhältnis ausgeglichener: Unternehmen finanzieren sich zu 5,4 Billionen Dollar über Anleihen und zu 6,1 Billionen über Kredite.

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