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Unternehmensanleihen : Der Verschuldungsboom macht nervös

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Bild: FAZ.NET

Der Fusions- und Übernahmeboom hat zu einer Verschlechterung der Bonitäts-Ratings und zu hohen Schulden geführt. Noch ist das Niveau notleidender Kredite gering. Vor allem REITs und Technologiefirmen erscheinen anfällig.

          Der gegenwärtige Boom bei Fusionen und Übernahmen ist in fast jeder Hinsicht außergewöhnlich. Der Wert des Fusions- und Übernahmemarktes stieg 2006 um rund 30 Prozent auf die Rekordhöhe von vier Billionen Dollar, und einige Analysten rechnen für 2007 mit einem weiteren Rekordjahr.

          Gute Nachrichten also für viele Marktteilnehmer, insbesondere für Private-Equity-Gesellschaften an der Spitze der Expansionswelle. Finanzexperten sind jedoch schnell mit dem Hinweis bei der Hand, dass auf jeden Boom eine Krise folgt. Und selbst wenn dies nicht immer zutrifft, steckt darin genug Wahrheitsgehalt, um jeden Profiteur des jüngsten Fusions- und Übernahmebooms Anlass zum Innehalten zu geben.

          Zeichen des Niedergangs

          Und es gibt viele Belege für die Theorie des Boom-Bust-Zyklus. Das Wachstum der Übernahmeaktivitäten und des amerikanischen Sparkassensektors in den Achtzigern sowie der Telekom- und Internetmärkte in den Neunzigern nahmen jeweils ein jähes Ende.

          Der gegenwärtige Boom dürfte zwar noch bis ins Jahr 2008 hinein anhalten, was einige Experten indes nicht davon abhält, die Daten bereits nach Frühindikatoren bevorstehender Schwierigkeiten zu durchleuchten. Analysten der Ratingagentur Standard & Poor's warnten davor, dass sich die Zunahme der Fusions- und Übernahmeaktivitäten in vielen Wirtschaftssektoren negativ auf die Kreditqualität auswirke.

          Das Risiko besteht darin, dass hochverschuldete Unternehmen ihre Flexibilität verlieren, strategisch wichtige Akquisitionen oder Beteiligungen vorzunehmen. Einige könnten Probleme bei der Schuldenrückzahlung bekommen, sobald der Konjunkturmotor ins Stottern gerät.

          Anschlussfinanzierungen sind das größte Problem

          Das vielleicht größte Risiko sind die in einigen Jahren fälligen hohen Tilgungsleistungen. Jetzt wird noch davon ausgegangen, dass die Zinsen weiter niedrig bleiben und die Unternehmen ihre Schulden refinanzieren können, oder dass sie weiterverkauft oder an die Börse gebracht werden. Wenn sich diese Annahmen allerdings als falsch erweisen, müssten sich Unternehmen unter Umständen zu höheren Zinssätzen refinanzieren, wodurch ihr Cashflow geschwächt oder sogar ihre Zahlungsfähigkeit bedroht werden könnte.

          „Es werden negative Folgen eintreten“, mahnte die Agentur in ihrem Bericht und warnte, dass der eigene Rating-Service „erwartet, dass viele dieser Transaktionen nachteilige Auswirkungen auf die Kreditqualität haben werden“.

          Im vergangenen Jahr resultierten sechs der zehn größten Transaktionen in Rating-Herabstufungen oder darin, dass Unternehmen auf die Beobachtungsliste mit negativem Ausblick gesetzt wurden. Dies traf etwa auf die 89,4 Milliarden Dollar schwere Übernahme von BellSouth durch AT&T zu. Das Rating von AT&T wurde auf die Beobachtungsliste gesetzt, genau wie jenes des amerikanischen Krankenhausbetreibers HCA nach dessen Übernahme durch die Blackstone Group mit einem Volumen von 32 Milliarden Dollar.

          Preise, Hebel und Verschuldung steigen

          Während Großunternehmen wie AT&T durch eine leichte Herabstufung ihrer Investment-Grade-Anleihen wahrscheinlich wenig Schaden nehmen, handelt es sich bei der Mehrheit der Übernahmekandidaten um kleinere Unternehmen, die nicht über die Finanzressourcen eines Giganten wie AT&T verfügen.

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