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Unternehmensanleihen : Bilanzskandal holt Ahold ein, nicht die Anleihen

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt den Kursverlauf der 2008 fälligen Euro-Anleihe von Ahold Bild:

Knapp zwei Jahre nach Bekanntwerden des Bilanzskandals will ein Gericht die Unternehmensführung bei der Ahold NV untersuchen lassen. Die Aktie zeigt sich davon unbeeindruckt, gleiches gilt für die hochrentierlichen Anleihen.

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          Sie haben Ende Februar oder Anfang März 2003 zu Anleihen des holländischen Einzelhandelskonzerns Ahold gegriffen? Glückwunsch - alles richtig gemacht. Denn: Mutige Anleger werden an der Börse durchaus belohnt, wenn auch nicht immer. In diesem Falle aber satt. Nachdem Bilanzunregelmäßigkeiten bei amerikanischen Tochterfirmen von Ahold bekanntgeworden waren, rauschten die Zinstitel brutal in den Keller. Der Kurs der 2008 fälligen Euro-Anleihe sackte von 102 Prozent auf 66 Prozent durch - das entsprach einem Verlust von 360 Euro je Stück.

          In den vergangenen knapp zwei Jahren haben sich die Ahold-Anleihen aber deutlich erholt. Der in drei Jahren auslaufende Titel notiert aktuell mit 105,45 Prozent; selbst wer im Februar 2003 die Nerven behalten hat, kann auf einen Kursgewinn blicken. Geholfen hat den Papieren nicht nur die Beliebtheit von Zinstiteln mit hohen Zinskupons, sondern zuletzt auch die Hochstufung der Kreditwürdigkeit von Ahold durch die Ratingagentur Moody´s. Diese bewertet die Holländer nun mit Ba3 und einem positiven Ausblick, der die Möglichkeit einer weiteren Hochstufung signalisiert. Gleichwohl bleiben Ahold-Anleihen damit auf „Ramsch“- oder „Junkbond“-Niveau. Diese Stufe haben sie auch bei der Ratingagentur Standard&Poor´s mit BB+ inne.

          Zuletzt hat Ahold seine Finanzkraft durch den Verkauf der brasilianischen Tochter G. Barbosa verbessert, stößt aber bei dem geplanten Veräußerung der argentinischen Disco auf den Widerstand der Kartellbehörden. Diesem Minuspunkt kommt ein weiterer hinzu. Die üble Vergangenheit holt den Konzern ein: Ein niederländisches Gericht hat eine formelle Untersuchung der Unternehmensführung bei der Ahold NV angeordnet. Ein vom Gericht ernannter Vertreter soll prüfen, ob es in der Vergangenheit Mißmanagement im Konzern gegeben habe, berichtet die Nachrichtenagentur Dow Jones-vwd.

          Ahold hält gerichtliche Untersuchung für überflüssig

          Gefordert worden sei die Untersuchung von den Aktionärsvertretern Vereniging Effectenbezitters, und zwar in Reaktion auf den 2003 bekannt gewordenen Bilanzskandal. Die Untersuchung betreffen den Zeitraum 1. Januar 1998 bis 18. Dezember 2003. Die Untersuchung konzentriere sich auf die Verbuchung der Ergebnisse von Gemeinschaftsunternehmen, an denen Ahold nicht mit einer Kontrollmehrheit beteiligt ist.

          Ahold hatte eine gerichtlich angeordnete Prüfung möglichen Mißmanagements in der Vergangenheit immer als nicht erforderlich abgelehnt, so Dow Jones-vwd weiter. Die Kosten der Untersuchung von bis zu 250.000 Euro hat laut Gericht Ahold zu tragen. Die Aktionärsvertreter wollen auf Basis der Ergebnisse der Prüfung möglicherweise Schadenersatzforderungen an den Konzern richten.

          Die Aktie des Konzerns zeigt sich am Donnerstag indes von dieser Nachricht unbeeindruckt. Auch die Kurse der Anleihen reagieren nicht, sondern treten vielmehr weitestgehend auf der Stelle. Die mit der Untersuchung verbundenen Kosten sind gemessen am Volumen des Programms zum Verkauf von Beteiligungen, das Ahold nach Angaben der DZ Bank weitgehend abgearbeitet hat und 2,5 Milliarden Euro bringen soll, schlicht zu klein, um Unruhe zu stiften.

          DZ Bank: Für Wette auf weitere Hochstufung noch zu früh

          Ahold hat nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung, der Verlängerung von Kreditlinien und mit dem Verkauf der brasilianischen Tochter „einen weiteren wichtigen Punkt seines Restrukturierungsprogramms abgeschlossen“, wie DZ Bank-Analystin Nina Liefke meint. Ein Kauf sind die Anleihen von Ahold aus ihrer Sicht aber nicht. Zwar rät etwa die Bank of America angesichts des weiter niedrigen Zinsniveaus in Amerika und Europa allgemein zum Kauf sogenannter High Yields, zu denen auch die Zinstitel der Holländer zählen. Liefke macht aber fundamentale Einwände geltend: Ahold müsse noch die operative Wende gelingen, um den Wiederaufstieg in den begehrten Investment-Grad zu erreichen. Ein solcher Schritt dürfte die Anleihen stützen, da manche institutionellen Investoren keine High Yields kaufen dürfen - und im Falle einer Hochstufung zugreifen könnten.

          Denn Ahold-Anleihen bieten hohe Renditen und einen kräftigen Aufschlag im Vergleich zu Bundesanleihen: Das mit 5,875 Prozent verzinste, 2012 fällige Papier wirft 4,93 Prozent ab, eine entsprechende deutsche Staatsanleihe 3,36 Prozent. Der 2008 fällige Zinstitel von Ahold, ebenfalls mit einem Kupon von 5,875 Prozent ausgestattet, bringt knapp 4,1 Prozent, eine Bundesanleihe gleicher Laufzeit 2,62 Prozent. Wer mit diesen Renditen leben und auf einen Investment-Grad verzichten kann, dürfte mit einem Kauf keinen Fehler machen; wegen möglicher Zinserhöhungen in Amerika und womöglich allgemein steigender Renditen, die am Markt erwartet werden, ist der 2008 auslaufende Titel zu bevorzugen, weil sich bei diesem die Kursverluste in engeren Grenzen halten dürften als bei dem 2012 fälligen Papier.

          Wer auf eine Hochstufung in die „Oberliga“ (Liefke) spekuliert, sollte die Risiken beachten: Ob Ahold ein Aufstiegskandidat aus dem Reich der „gefallenen Engel“ ist, könnten die Zahlen zum vierten Quartal 2004 zeigen. Diese werden nächsten Donnerstag veröffentlicht.

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