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Unternehmensanleihen : Banken kommen nur mit Mühe an Geld

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Risikoprämien für Bankanleihen sind auf ein Rekordhoch gestiegen. Doch für fällige Anleihen werden 2012 rund 800 Milliarden Euro gebraucht

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          Trotz der spürbaren Kurserholung auf den Aktienmärkten hat das Misstrauen gegenüber der Kreditwürdigkeit vieler europäischer Banken einen Höhepunkt erreicht. Die Risikoprämien liegen weit über dem Niveau, das nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Lehman Bank vor drei Jahren erreicht worden war.

          Damals stieg der Itraxx-Index für Ausfallversicherungen auf rund 200 Basispunkte, heute steht er bei 340 Basispunkten. Die Absicherung von Forderungen gegen Großbanken kostet also im Durchschnitt eine jährliche Prämie von 3,4 Prozent der versicherten Summe.

          Misstrauen unter Banken am größten

          Dabei ist das Misstrauen gegenüber den Banken nirgends so groß wie in den Banken selbst. Kaum ein Institut traut noch allen großen Konkurrenten über den Weg. Das drückt sich auf dem Geldmarkt unter anderem in dem Zinsabstand aus, der für Geschäfte mit und ohne Kreditrisiko verlangt wird. Während der risikofreie Eonia-Tauschsatz bei einer Laufzeit von drei Monaten gut 0,5 Prozent beträgt (getauscht wird der Tagesgeldsatz gegen den festen Zinssatz), liegt der Euribor-Satz 0,94 Prozentpunkte höher, weil hier ein Kredit von Bank zu Bank zugrunde liegt. Händler berichten vom Geldmarkt, dass viele Banken ohne Besicherung und bei längeren Laufzeiten gar nicht mehr an Geld kommen.

          Besonders groß sind die Schwierigkeiten, an Dollar zu kommen. Amerikanische Geldmarktfonds haben ihre Ausleihungen an europäische Banken stark reduziert. Am Freitag haben sich die Bedingungen, zu denen für drei Monate Dollar-Kredite gegen Euro-Kredite getauscht werden, so weit verschlechtert, dass sich für den Euro-Kredit erstmals ein negativer Zinssatz ergibt, meldet der Londoner Makler Icap.

          Wer Dollar zum Libor-Satz wolle, müsse akzeptieren, dass beim Gegengeschäft in Euro am Ende der Laufzeit weniger zurückgezahlt wird, als verliehen wurde. Das sei ein starkes Signal, wie sehr die amerikanische Konkurrenz den europäischen Banken misstraue, kommentierten Händler. Was bleibt, ist das wöchentliche Angebot der EZB, über eine Tauschvereinbarung mit der Fed Dollar mit einem Zinsaufschlag von rund einem Prozentpunkt anzubieten.

          EZB-abhängig

          Auch um an Euro zu kommen, sind die europäischen Banken immer stärker auf die direkte Finanzierung bei der EZB angewiesen. Die erwägt gerade, ob sie ihre Kriseninstrumente um Finanzierungsgeschäfte mit noch längeren Laufzeiten ausweiten soll. Die EZB bietet bereits einjährige an, im Januar sogar eins mit 13 Monaten Laufzeit, nun sollen die Banken möglicherweise sogar Geld für zwei oder drei Jahre erhalten, zum durchschnittlichen Leitzins während der Laufzeit.

          Hinweise, ob es dazu kommt, dürfte EZB-Präsident Mario Draghi nach der nächsten Ratssitzung am Donnerstag nächster Woche geben. Dann könnte es auch eine zweite Zinssenkung geben, nach dem Zinsschritt im November von 1,5 auf 1,25 Prozent. Zumindest ist das die Einschätzung auf dem Geldmarkt. Dort signalisieren die Terminsätze die Erwartung, dass die EZB möglicherweise schon im Dezember (mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent) den Leitzins auf 1 Prozent senken wird, spätestens aber im Januar.

          Doch das würde nur den Preis reduzieren, zu dem sich die Banken Geld bei der EZB verschaffen können. Limitierender Faktor ist die Besicherung. Die Banken müssen für jede Ausleihung bei der Notenbank Wertpapiere hinterlegen. Das können zum Beispiel Kreditverbriefungen oder Staatsanleihen sein. Doch je stärker deren Kurse fallen, desto weniger Kredit erhalten die Geschäftsbanken dafür bei der Zentralbank.

          Milliardenbedarf 2012

          Die Notenbanken des Euro-Systems bewerten die Sicherheiten täglich und berechnen auf den Marktpreis je nach Laufzeit und Kreditqualität einen weiteren Abschlag. Weil insbesondere bei Banken aus den finanzschwachen Euroländern deshalb auch die beleihungsfähigen Wertpapiere knapp geworden sind, haben kürzlich italienische Banker um eine abermalige Ausweitung der akzeptierten Wertpapiere gebeten.

          Im kommenden Jahr könnte die Finanzierung für die Banken noch schwieriger werden. Denn dann werden Bankenanleihen im Wert von rund 800 Milliarden Euro fällig, schätzt die Ratingagentur Moody's. Nach Daten von Bloomberg entfallen davon allein mehr als 250 Milliarden Euro auf zehn große börsennotierte Banken wie Deutsche Bank (22 Milliarden Euro), Commerzbank (26), Unicredit (38), BNP Paribas (30), Intesa (23) und Banco Santander (36 Milliarden Euro).

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