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Unternehmensanleihen : Ausfallraten dürften Ende des Jahres steigen

  • Aktualisiert am

Bild: Standard & Poor’s

Auch 2007 sind die Ausfallraten für spekulative Anleihen niedrig geblieben. Das kam nicht ganz unerwartet. Vielmehr wurde und wird ein Ansteigen für die zweite Jahreshälfte erwartet. Der Anleihenmarkt nimmt dies bereits vorweg - der Aktienmarkt ist dagegen immer noch anderer Meinung.

          Die Aktienmärkte scheinen so langsam ihren großen Schrecken vom Jahresbeginn zu überwinden, vor allem nachdem die führenden amerikanischen Anleiheversicherer am Montag ihre Bestnoten nicht verloren haben.

          Das macht sich auch bei den Aktienkursen bonitätsschwacher Unternehmen bemerkbar. Die Börsenkurse von 691 amerikanischen Gesellschaften, deren Bonitätsnote unterhalb des Qualitätsbereichs „Investment Grade“ liegen, haben in den vergangenen vier Wochen 5,3 Prozent zugelegt, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

          Aktienanleger schwärmen, Anleihenanleger verkaufen

          Die Anleihekurse bonitätsschwacher Unternehmen sind dagegen soweit gesunken, dass der mittlere Renditeaufschlag gegenüber den erstklassig benoteten amerikanischen Staatsanleihen in den vergangenen vier Wochen deutlich um 520 Basispunkte gestiegen ist.

          Während die üblicherweise optimistischeren Aktienanleger dabei von guten Wachstumsaussichten ausgehen, richten die Anleihenkäufer ihren Blick mehr auf zyklische Entwicklungen.

          Dazu gehört auch ein Ansteigen der Ausfallraten, das zumindest von der Kreditbewertungsagentur Standard & Poor's für dieses Jahr prognostiziert wird - wie übrigens bereits schon vor einem Jahr.

          Kreditbedingungen deuten Anstieg der Ausfallraten an

          Indes hat sich seitdem die Aussagekraft der Indikatoren, die in diese Richtung deuten, erhöht. Zum einen sind die Zeiten, in denen Emittenten jedweder Bonität darauf vertrauen konnten, zu jederzeit günstige Kredite zu erhalten, vorbei. Mehr als 30 Prozent der Banken in den Vereinigten Staaten haben die Bedingungen für Geschäftskredite verschärft.

          In den vergangenen 18 Jahren haben sich die Ausfallraten von Unternehmensanleihen mit spekulativem Rating und die Kreditbedingungen deutlich parallel entwickelt (siehe Infografik). Derzeit klaffen sie deutlich auseinander, liegen die Ausfallraten doch nur bei rund einem Prozent. Als weiterer Anhaltspunkt gilt den S&P-Analysten die Entwicklung der Renditeaufschläge.

          Deren massive Ausweitung geht üblicherweise ebenfalls mit einer deutlich höheren Ausfallrate einher. Dies gilt auch für die starke Ausweitung der Renditeaufschläge, die in aller Regel mit höheren Ausfallraten korreliert, als es derzeit der Fall ist.

          Rating-Mix begünstigt negative Entwicklung

          Als eine der strukturellen Ursachen, dafür dass die rekordniedrigen Ausfallraten auf Dauer keinen Bestand haben können, sehen die Analysten schon seit längerer Zeit, das sich beständig verschlechternde Rating-Mix an. Hatte zu Beginn des Jahrzehnts nur rund jeder zweite neue Emittent ein spekulatives Rating, so lag diese Quote in den vergangenen vier Jahren beständig über 75 Prozent (siehe Infografik). Im vergangenen Jahr stieg der Anteil der Emittenten mit einer schlechteren Bonitätsnote als „B“ auf ein Zehn-Jahres-Rekordniveau von fast 50 Prozent.

          Für diese Emittenten aber liegt die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls in relativ kurzer Zeit recht hoch. Im historischen 27-Jahres-Schnitt ereignen sich 25 Prozent aller Zahlungsausfälle von C-Anleihen bereits nach einem Jahr. Bei B-Anleihen erreicht die Quote meist nach drei Jahren ihren Höhepunkt, bei BB-Bonds nach vier Jahren (vgl. Infografik).

          Vervierfachung der Quote bis 2009

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