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Unternehmensanleihen : Anleihe mit Wodka-Prozenten

  • Aktualisiert am

Hochprozentiges von der Central European Distribution Bild: Polmos Bialystok

Wer wünscht sich nicht eine Anleihe mit soviel Prozenten wie Wodka? Die Euro-Anleihe des polnischen Spiritousen-Händler Central European Distribution hat aber immerhin mehr Prozente als ein Doppelbock.

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          Hochprozentige Anleihen senden immer wieder Sirenengesänge aus. Dafür besteht bei ihnen ja auch die Gefahr, mit dem Depotschiff auf den Klippen der Risiken zu zerschellen. Mit acht Prozent lockt derzeit der polnische Spirituosenhändler Central European Distribution die Anleger.

          Das Unternehmen wurde 1990 in Warschau in den Wirren des polnischen Transformationsstaats von drei Amerikanern unter dem Namen Carey Agri aus der taufe gehoben. 1996 begann Carey Agri das Geschäft mit dem Handel mit dem als „Büffelgras-Wodka“ bezeichneten polnischen Wodka. 1998 ging man dann mit der Holding Central European Distribution (CED) an den Nasdaq SmallCap Market und stieg ein Jahr später in das National Market-Segment auf.

          Der Wodka macht's

          Das Unternehmen nennt 13 regionale Weinimporteure und Großhändler für alkoholische Getränke sein eigen und ist nach eigenem Bekunden der größte Wodka-Händler in Polen. 850 Marken aus den Bereichen Bier, Wein, Spirituosen, alkoholfreie Getränke - und Zigarren - befinden sich im Produktangebot von CED. 133 davon sind Wodkamarken, die mit 75,1 Prozent im Jahr 2004 den Löwenanteil des Umsatzes brachten - Tendenz steigend.

          Den Wodka kauft CED von polnischen Destillen auf der Basis von monatlich kündbaren Verträgen, die automatisch verlängert werden. Das birgt ein gewisses Risiko. Bislang aber sei noch kein Vertrag je gekündigt worden. Überdies sei es Usus in der Branche.

          71 Prozent des Umsatzes werden in Einzelhandelsgeschäften und Supermärkten getätigt, weitere 15 Prozent entfallen auf sogenannte Hypermärkte. Die Umsatzentwicklung des in Dollar bilanzierenden Unternehmens ist bislang durchaus ermutigend. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Umsatz auf 581 Millionen Dollar mehr als verdreifacht.

          Auch der Betriebsgewinn und der Gewinn je Aktie konnten bislang in jedem Jahr deutlich gesteigert werden. Auch im ersten Quartal des laufenden Jahres konnte die gute Tendenz fortgesetzt werden. Gegenüber dem Vorjahresquartal stieg der Umsatz um 36 Prozent auf 150 Millionen Dollar und der Nettogewinn um 48,6 Prozent auf 4,62 Millionen. Solche Steiegerungen sind bei Spirituosen derezit nur in Osteuropa oder Asien zu erzielen. Der Markt in Westeuropa ist indes völlig ausgereizt.

          Ziel: Destillen kaufen

          In der letzten Bilanz wurden zum Stichtag 31. März 12,355 Millionen Dollar an liquiden Mitteln verzeichnet. Größter Vermögenswert sind die erworbenen Marken, die gemeinsam mit dem Goodwill über 70 Prozent des Vermögens von 253 Millionen Dollar ausmachen. Demgegenüber stehen 38 Millionen Dollar an Bankschulden.

          Mit den Erlösen aus der Anleihe (ISIN: XS0224445576) in Höhe von 325 Millionen Euro will CED vor allem für die Übernahme der zweit- und der drittgrößten unter den polnischen Destillen, Bols und Bialystok, verwenden. Mit einer solchen, schon lange angestrebten Übernahme könnte CED seine Margen deutlich verbessern.

          Nach Unternehmensangaben war die Emission um das Fünffache überzeichnet, so daß der Zins mit acht Prozent sogar am unteren Ende einer angebotenen Spanne von acht bis 8,25 Prozent angesetzt werden konnte. In den ersten Handelstagen stieg der Kurs der Anleihe recht kräftig auf aktuell 103,025 Prozent. Dadurch fiel die Rendite auf 7,501 Prozent. Das Papier hat eine Laufzeit von sieben Jahren. Das könnte bedeuten, daß es in der Zukunft bei Änderungen des Zinsniveaus auch zu Kursverlusten kommen kann. Indes lassen sich diese bei einer Rendite von 7,5 Prozent auch mal aussitzen. Geratet ist die Anleihe mit B- bzw. B2. Das ist natürlich ein spekulatives Rating - aber ohne größeres Risiko sind acht Prozent nun mal derzeit nicht zu kriegen.

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