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Unternehmensanleihen : Allianz-Anleihen bleiben solide

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Vereinfachung der Konzernstruktur durch die Akquisition von Minderheitsanteilen an Tochterfirmen lässt sich die Allianz eine hübsche Summe Geld kosten. Doch für die Anleihen ändert dies nicht viel.

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          Die Nachrichtenlage an den Aktienmärkten ist derzeit auf der Unternehmensseite eher zurückhaltend. Am Donnerstag fand daher vielleicht größere Beachtung als in einem anderen Umfeld, dass im Allianz-Konzern so etwas wie eine Ära zu Ende geht. Indes kommt dies nicht überraschend und auch die Auswirkungen sind eher unspektakulär.

          Europas größter Versicherer treibt wie angekündigt seinen Umbau voran. Zu diesem Zweck will der Münchner Konzern jetzt auch die Börsennotierung der Töchter beenden und diese integrieren. Mehr als zehn Milliarden Euro wird es sich das Unternehmen kosten lassen, die ausstehenden Anteile an der französischen AGF und der Allianz Lebensversicherung aufzukaufen.

          Vorspiel der Umstrukturierung

          Den Aktionären des französischen Versicherers AGF solle ein öffentliches Kaufangebot für die ausstehenden 42,4 Prozent der AGF- Aktien unterbreitet werden und für die ausstehenden neun Prozent der Aktien der Allianz Lebensversicherung ein Kaufangebot abgeben. Damit setzt der Konzern eine Strategie fort, gemäß der zuvor schon der italienische Versicherer RAS integriert wurde oder der ehemalige Dresdner Investment Trust nunmehr Allianz Global Investors heißt.

          AGF soll in den Schoß der Mutter Allianz

          Indes sind diese Strukturmaßnahmen nicht mehr als ein Vorspiel. Denn die Allianz steht vor großen Herausforderungen. Konzernchef Diekmann muss den in die Jahre gekommenen Allfinanzkonzern modernisieren. Die Struktur soll schlanker werden, die Angebote weniger heterogen, die Verwaltung zentraler und die Abläufe rascher. Dabei sind selbständige Töchter und vor allem Minderheitsaktionäre und Börsennotierungen ein Hindernis. Die Allianz nutzt die Gelegenheit, nachdem der Konzer insbesondere im vierten Quartal dem Vernehmen nach ein exzellentes Ergebnis erzielt haben soll.

          Mehr Gewinn, weniger Substanz

          Für die Komplettübernahme der ausstehenden AGF-Aktien will die Allianz 87,5 Euro in bar sowie 0,25 Allianz-Aktien je Aktie des französischen Versicherers bieten. Sollte eine Annahmequote von mehr als 95 Prozent erreicht werden, wolle man die verbliebenen Aktionäre im Rahmen eines so genannten Squeeze-Out herausdrängen, erklärte Allianz-Vorstand Paul Achleitner. Wenn man unter dieser Quote bleibe, solle eine grenzüberschreitende Fusion angestrebt werden. Für die Anteile an der Allianz Leben bietet die Allianz Deutschland 750 Euro je Aktie.

          Die Barmittel für beide Transaktionen in Höhe von rund 7,5 Milliarden Euro will die Allianz-Gruppe voraussichtlich intern finanzieren. Allianz-Vorstand Helmut Perlet deutete an, dass die Transaktionen sowohl auf Umsatz als auch Ergebnis des Konzerns positiven Einfluss haben werden, nannte aber keine genauere Prognosen. Auf die Dividenden-Ausschüttung hätten die Pläne keine Auswirkungen.

          Analysten reagierten unterschiedlich auf die Pläne. JP Morgan und die Hypovereinsbank betonen vor allem die positiven Auswirkungen auf die Ertragsstärke. Das Geschäft sei „stark gewinnsteigernd“ und werde sehr wahrscheinlich das Ergebnis je Aktie 2008 um 3,5 Prozent auf 17,03 Euro erhöhen.

          Die UBS hingegen sieht gleichwohl einen niedrigeren Substanzwert des Konzerns. Die Bilanzstärke scheine nachzulassen, auch wenn gleichzeitig steige die Ertragskraft steige.

          2012er-Anleihe mit leichten Renditeaufschlag

          Die Rating-Agenturen dagegen sehen den Schritt eher gelassen. Moody's bestätigte nach Bekanntwerden der Übernahmepläne das Rating von Aa3 und den Ausblick. Die Analysten der HSH Nordbank erwarten von S&P ebenfalls eine Bestätigung der gleichwertigen Einstufung mit AA-.

          Zwar sehen die Analysten insofern Belastungen, als das Eigenkapital um rund vier Milliarden Euro sinken werde, doch wäre dieses nach Abschluss der Transaktion immer noch höher als Ende September 2006, so die Allianz. Es ist insgesamt also kaum verwunderlich, dass die Anleihen des Konzerns auf die Nachricht tendenziell kaum reagierten. Nichtsdestoweniger empfiehlt die HSH Nordbank den Kauf.

          Vergleicht man die Renditen der Aa3-Anleihen des Konzerns mit den anderer Renten aus dem Finanzwesen, so zeigt sich das 2012 fällige und mit 5,625 Prozent verzinste Papier mit einem leichten Renditeaufschlag, während sowohl der 2008 fällige und mit fünf Prozent verzinste Bond als auch das 2016 fällige Papier mit einem Kupon von vier Prozent Abschläge aufweisen.

          Auf der Kursseite zeigten sich die Anleihen in den vergangenen Monaten nicht so stark. Lediglich die Anleihen mit unendlicher Laufzeit konnten sich noch recht gut behaupten, während die klassischen Renten Abschläge verbuchten. Wer auf Endfälligkeit spekuliert, scheint derzeit mit dem 2012 fälligen Papier ganz gut bedient zu sein.

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