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Unternehmensanleihen 2016 : So hohe Schulden wie noch nie

Auch Bayers umstrittene Übernahme von Monsato wurde zu großen Teilen kreditfinanziert. Bild: dpa

Im Jahr 2016 haben Unternehmen weltweit Anleihen im Wert von mehr als 3,7 Billionen Dollar begeben.

          Die Niedrig- und Negativzinsen haben Unternehmen in der ganzen Welt so viele Schulden machen lassen wie noch nie. Vor allem am Anleihemarkt nahmen Unternehmen in diesem Jahr, insbesondere in der ersten Jahreshälfte, hohe Summen auf, wie eine Aufstellung des Marktdatenanbieters Dealogic zeigt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Insgesamt wurden weltweit Anleihen im Volumen von mehr als 6,6 Billionen Dollar begeben. Mehr als die Hälfte entfiel auf Unternehmen. Das waren mehr als im bisherigen Spitzenjahr 2006, wie die „Financial Times“ unter Berufung auf die Zahlen von Dealogic berichtet.

          Fusionsfinanzierung im Mittelpunkt

          Große Konzerne mit besonders guter Bonität, die mit dem Prädikat Investmentgrade bewertet werden, haben demnach mehr als 3,2 Billionen Dollar an Anleihen begeben. Hinzu kommen Hochzinsanleihen von mehr als 540 Milliarden Dollar, die zwar ein hohes Ausfallrisiko haben, aber auch hohe Renditen versprechen.

          Vor allem um diverse Großfusionen zu stemmen, nahmen Unternehmen große Summen auf. Eine der spektakulärsten ist aus deutscher Sicht die von Monsanto durch den Leverkusener Chemiekonzern Bayer. Unter den größten Anleiheemittenten des Jahres sind aber auch der belgische Bierkonzern Anheuser-Busch Inbev, der seinen Wettbewerber SAB Miller aufgekauft hat sowie die Computerunternehmen Dell und Microsoft. Letzteres hat die Übernahme des Karrierenetzwerks Linkedin zum Teil auf Pump finanziert. Acht der zehn größten Anleiheemissionen, die in diesem Jahr über Banken organisiert wurden, gingen nach Angaben von Dealogic von Unternehmen aus.

          Viele Emissionen von Staatsanleihe werden allerdings nicht in den Zahlen der Banken berücksichtigt, da zum Beispiel die Vereinigten Staaten oder die Bundesbank durch eigene Auktionen Kapital direkt am Markt aufnehmen. Grund für die Anleiheflut dürften die außerordentlich niedrigen Zinsen in diesem Jahr sein. Die Europäische Zentralbank ebenso wie die Notenbanken in Japan und der Schweiz setzten auf Negativzinsen, zwischenzeitlich haben Anleihen über 14 Billionen Dollar in der ganzen Welt negativ rentiert. Das sorgte dafür, dass viele große Anleger wie Pensionsfonds und Versicherungskonzerne auch zu Unternehmensanleihen griffen, um damit noch vergleichsweise viel Rendite zu erzielen.

          Der Verschuldungsrekord kann allerdings böse Folgen haben. Dem bisherigen Rekordjahr ist die große Finanzkrise 2007 gefolgt. Scott Mather von der Allianz-Tochtergesellschaft Pimco weist darauf hin, dass in jedem Konjunkturzyklus die Finanzierungskosten sinken und Schulden noch verführerischer machten. „Aber dieses Mal machen die niedrigen Zinsen das besonders attraktiv“, sagte Mather. Und er warnte vor den möglichen Folgen: „Das legt die Grundlage für den nächsten Abschwung - oder den nächsten Zahlungsausfall.“

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